Champions League: Die Nacht der 31 Schüsse

Oliver Fritsch
·Lesedauer: 2 Min.

Daneben, drüber, vorbei – der FC Bayern nutzt gegen Paris die Chancen nicht. Weil auch Manuel Neuer ins Leere greift, könnte der Titelträger das Halbfinale verpassen.

2:3 ist ein miserables Heimspielergebnis – eigentlich.  © Kai Pfaffenbach/​Reuters
2:3 ist ein miserables Heimspielergebnis – eigentlich. © Kai Pfaffenbach/​Reuters

Joshua Kimmich probierte es auf besondere Weise. Er wollte mit einem Lupfer den Ausgleich erzielen, so wie er es vor knapp einem Jahr im Spitzenspiel der Bundesliga mit Erfolg getan hatte. Doch im Tor stand diesmal kein Dortmunder Keeper, sondern Keylor Navas. Der dreifache Champions-League-Sieger hielt den Ball, benutzte aber gar nicht seine Hände, sondern nahm ihn mit der Brust an. So verhinderte er das 3:3. Der Schütze wollte den Torwart düpieren, doch es kam umgekehrt.

Mancher der vielen französischen Reporter auf der Tribüne schmunzelte, Navas' Mitspieler sicher auch. Der Costa Ricaner, der Held des Spiels, hatte bis dahin schon einige Versuche der Bayern zunichtegemacht. Diesmal gab er dem Schützen obendrein zu verstehen: Da muss mehr kommen, Junge!

Es ging auch sonst einiges drüber ober daneben. 31 Schüsse zählten die Statistikerinnen für die Bayern, alle drei Minuten gaben sie einen auf das Tor von Paris St.-Germain ab. Bereits die Hälfte wäre ein enorm hoher Wert gewesen, erst recht für ein Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale, wo in der Regel gut gestaffelte Mannschaften aufeinandertreffen.

In dieser spektakulären Wiederauflage des letztjährigen Endspiels hingegen öffneten beide Teams ihre Reihen, speziell die Elf aus Paris. Doch nur zwei Kopfbälle der Bayern fanden den Weg ins Netz. Weil sie zugleich wie so oft ihre Abwehr entblößten und sogar Manuel Neuer einmal ins Leere griff, verloren die Bayern ein Spiel 2:3, das sie überlegen geführt hatten. Einerseits.

Andererseits geben die stürmischen Bayern unter Hansi Flick jedem Gegner große Räume. Beim 0:1 stieß Neymar in das verwaiste Münchner Zentrum und setzte Kylian Mbappé, den anderen Weltstar, in Szene. Neuer, auf dem Weg in die andere Ecke, ließ den Ball durch die Beine. War es sein Fehler? Flick verneinte das später, doch gemessen am hohen Neuer-Standard war es einer. Die eloquenten französischen Radio- und Fernsehreporter setzten zu einer kleinen Symphonie an.

Naive missratene Münchner Abseitsfalle

Die Führung fiel früh, schon in der 3. Minute. Doch kurioserweise hatten die Münchner zuvor schon zwei Gelegenheiten, der Ball war schon mal an der Latte des Pariser Tors gelandet. Es hat schon Handballspiele gegeben, in denen es in dieser Zeit zu weniger Torszenen gekommen war.

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