Chaos-Tage bei Twitter: Elon Musk sät Angst und Schrecken auf allen Etagen

Nur wenige Tage nach der Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter durch Elon Musk herrscht blankes Chaos. Der Tech-Milliardär mit den unkonventionellen Methoden verunsichert nicht User und Werbekunden, sondern hat mit massivem Stellenabbau auch intern Angst und Schrecken ausgelöst.

Viele Angestellte erfuhren per E-Mail von der Entlassung. Ein höchst ungewöhnliches Verfahren laut der Expertin für kalifornisches Arbeitsrecht, Wendy Musell. Im Silicon Valley sei es nicht üblich, dass Tech-Unternehmen Entlassungen öffentlich machten. Dafür habe man zu viel Angst vor negativen Schlagzeilen.

Rote Zahlen und immense Schulden

Genaue Zahlen gibt es nicht, Medienberichte, wonach rund jeder zweite Job wegfällt, scheinen sich zu bestätigen. Seit Musk Twitter am Freitag vor einer Woche von der Börse nahm und in seinen Privatbesitz überführte, scheint es dort keine für größere Unternehmen übliche Führungsstruktur mehr zu geben.

Er feuerte direkt nach seiner Übernahme das Top-Management, löste den Verwaltungsrat auf und ernannte sich selbst zum "alleinigen Direktor". Die gesamte Macht bei Twitter liegt nun bei Musk. Und er will die Kosten kräftig senken - angesichts roter Zahlen und immenser Schulden, die dem Unternehmen bei der Übernahme aufgebürdet wurden, ist der Druck hoch.

Mehr als vier Millionen Dollar Verlust täglich

Die Kündigungswelle geht mit einem Einbruch der Erlöse einher - weil hochkarätige Werbekunden wie Volkswagen und Pfizer ihre Anzeigen stoppen oder auf Eis legen wollen. Dabei mache die Firma dem Big Boss zufolge mehr als vier Millionen Dollar Verlust täglich - ein Grund mehr für massive Job-Streichungen.

Musk selbst beklagte am Freitag einen "massiven Rückgang der Erlöse" und beschuldigte "Aktivistengruppen",Anzeigenpartner unter Druck zu setzen. Das Werbegeschäft ist Twitters mit Abstand wichtigste Einnahmequelle, über 90 Prozent des konzernweiten Umsatzes gehen darauf zurück.

Eines der wertvollsten Unternehmen der Welt

Musks Lösung: Er droht den Werbekunden, die ihre Anzeigenbudgets aussetzen, ein "thermonukleares Benennen und Schämen" an. Der Tweet folgt auf den Vorschlag eines rechten Internet-Lobbyisten, die Namen zu nennen, damit man zu einem "Gegenboykott" aufrufen könne. Zum Phänomen Musk bei Twitter gehört eine laute Schar treuer Fans, die nahezu jeden angreifen, der ihn kritisiert oder anzweifelt.

Der Umsatzrückgang kann Musk seinen notorischen Optimismus nicht verderben. Er glaube, dass Twitter eines der wertvollsten Unternehmen der Welt sein könnte, sagt er bei einem Überraschungsauftritt auf einer Investmentkonferenz in New York am Freitag.