Chef-"Arzt ohne Grenzen" blickt in "leere Kinderaugen"

Seit fast einem halben Jahrhundert leistet die private Hilfsorganisation " Ärzte ohne Grenzen " ( Médecins Sans Frontières, MSF ) weltweit medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten . Ein Schwerpunkt in den vergangenen Jahren: Die ostägäischen Inseln.

Euronews traf den neuen internationalen Präsidenten Christos Christou in der Kinderklinik, die MSF vor den Toren des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos betreibt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen checkt Ärzte ohne Grenzen die neue Migrationsstrategie der griechischen Regierung , ist jedoch der Ansicht, dass sich nichts wirklich ändern dürfte.

Dr. Christos Christou, Internationaler Präsident "Ärzte ohne Grenzen":

"Aufgrund unserer Erfahrungen und der Ereignisse in den letzten vier Jahren im Rahmen des EU-Türkei-Abkommens sollten wir nicht viel erwarten. Leider gehen wir mehr oder weniger davon aus, dass - wie schon länger - auch künftig Menschen unter unmenschlichen Bedingungen festsitzen. Und zwar weiter an Orten, von denen niemand glauben kann, dass sie 2019 in Griechenland überhaupt existieren, vor den Toren Europas."

Dr. Christou hat mehrere Migrationslager in Griechenland besucht und sagt, dass er trotz seiner früheren Erfahrungen in Krisengebieten rund um den Globus schockiert ist.

Dr. Christos Christou:

"Was mich am meisten schockiert, sind die kleinen Kinder. Wie Sie sich vorstellen können, war ich in verschiedenen Krisengebieten auf der ganzen Welt in Kriegsgebieten, in verheerenden Situationen und immer waren kleine Kinder der schwierige Teil der Geschichte. Ihr Blick der Verzweiflung, der Angst, aber was ich hier sehe, ist ein leerer Blick. Sie haben ihren Appetit auf das Leben verloren, ihren Wunsch zu spielen und ich habe das Gefühl, dass wir ihnen ihre Kindheit geklaut haben."

Viele europäische Staats- und Regierungschefs betrachten die globalen Bevölkerungsbewegungen als Bedrohung, so der neue Chef von "Ärzte ohne Grenzen" und fordert einen humaneren Ansatz.

Dr. Christos Christou:

"Ein menschliches Leben ist ein menschliches Leben und sollte mehr wert sein als alles andere. Für uns ist es jetzt am wichtigsten, unseren Patienten nahe zu sein. Um ihnen zu zeigen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um ihnen mehr zu bieten und dass wir uns um sie kümmern."

Ärzte ohne Grenzen und verschiedene andere humanitäre Organisationen sind – obwohl sie oft kritisiert werden - seit Beginn der Flüchtlingskrise in der Ägäis in Lesbos rund um den Hotspot Moria aktiv und leisten Hilfe für die, die sie am dringendsten brauchen.

Die Vereinigung MSF hat Sektionen in 21 Staaten und ist in mehr als 70 Ländern aktiv. Für das Jahresbudget - 2018: 1,6 Milliarden Euro – kommen vor allem gut 6 Millionen private Spender auf. Ein internationales Büro in Genf koordiniert und unterstützt die Zusammenarbeit im Netzwerk. Jedes Jahr werden für Projekte der Organisation etwa 3.000 Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern und Pfleger, Hebammen und Logistiker rekrutiert.

Kostas Tsellos, su