Bundesamt fürchtet massiven Personalnotstand im öffentlichen Dienst

Das Bundesverwaltungsamt (BVA) befürchtet einen massiven Personalnotstand im öffentlichen Dienst und fordert umfangreiche Neueinstellungen. BVA-Chef Christoph Verenkotte fordert deshalb "ein riesiges Einstellungsprogramm"

Beim Bund gibt es Befürchtungen, dass im öffentlichen Dienst bald ein massiver Personalnotstand herrschen könnte: Der öffentliche Dienst stehe vor einer "Pensionierungswelle", sagte der Präsident des Bundesverwaltungsamtes (BVA), Christoph Verenkotte, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben) mit Blick auf die geburtenstarken Jahrgänge. Die Gewerkschaft Verdi verwies zudem auf den massiven Personalabbau der vergangenen Jahre.

Verenkotte forderte "ein riesiges Einstellungsprogramm", damit in fünf bis zehn Jahren die Verwaltungen nicht kollabierten. Nach seiner Einschätzung werden wegen des absehbaren Personalmangels in Zukunft "bestimmte Dienstleistungen" gar nicht mehr angeboten, zudem werden manche Dienstleistungen "nicht mehr die gewohnte Qualität haben".

Bislang werde zu wenig gegen die demografisch bedingte Entwicklung getan, kritisierte der BVA-Chef. Im Bundeshaushalt würden nur 500 Stellen "für die vorzeitige Besetzung von durch die demographische Entwicklung ausscheidenden Beschäftigten vorgehalten", sagte er. Angesichts von 500.000 Beschäftigten in der Bundesverwaltung sei dies lediglich "Symbolik".

Die Bundesverwaltung müsse es entweder schaffen, sich deutlich effektiver unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu organisieren und stärker in die Digitalisierung zu investieren, "oder sie muss manche ihrer Aufgaben überdenken", warnte Verenkotte. Seiner Wahrnehmung nach "drücken sich die Verantwortlichen vor dieser Diskussion" - zumindest bislang.

Das Verdi-Vorstandsmitglied Wolfgang Pieper sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch: "Wir haben massiv Personal abgebaut." Außerdem fehle es an Ausbildungskapazitäten. Inzwischen habe der öffentliche Dienst auch damit zu kämpfen, dass auf dem Arbeitsmarkt kaum noch Verwaltungsfachleute zu finden seien.

Nach Überzeugung der Gewerkschaft spielt dabei auch die Frage der Bezahlung eine Rolle. Der öffentliche Dienst stehe oft in sehr starker Konkurrenz zur Privatwirtschaft, besonders in Ballungsräumen. Auch bei den technischen Berufen habe der öffentliche Dienst "Nachholbedarf beim Gehalt".

Ein weiteres Problem sieht Verdi in der hohen Zahl der befristeten Stellen bei denen der öffentliche Dienst Spitzenreiter sei. Die Verträge müssten dringend entfristet werden, forderte Pieper. Zudem müsse es Konzepte zur Qualifizierung von Seiteneinsteigern geben.

Der Deutsche Beamtenbund (dbb) klagte über bereits bestehende Personallücken. So sei der jetzige Personalstand allein in der Steuerverwaltung bedenklich niedrig, sagte der dbb-Vorsitzende Klaus Dauderstädt den Funke-Zeitungen. "Hier fehlen rund 20 Prozent Personal, um den laufenden Steuervollzug seriös und nachhaltig umzusetzen." Jährlich würden dem Staatshaushalt mindestens 50 Milliarden Euro Einnahmen verloren gehen ? etwa 30 Milliarden im Bereich der Einkommen- und rund 20 Milliarden bei der Umsatzsteuer.

Dem Statistische Bundesamt zufolge gab es Mitte 2015 noch 4,1 Millionen Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst, darunter 468.000 beim Bund, 2,1 Millionen bei den Ländern, 1,2 Millionen bei den Kommunen und 327.000 bei der Sozialversicherung.

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