Chicago oder Bayern? Schweinsteiger am Scheideweg

David Döring

Welche Bilder schießen Ihnen in den Kopf, wenn Sie den Namen Bastian Schweinsteiger hören?

Wenn Sie an einen blutüberströmten, aufopferungsvoll kämpfenden Blondschopf im weißen Deutschland-Trikot denken, sind Sie in wohl nicht allein. Der in heldenhafter Manier seine Mannschaft zum erlösenden WM-Triumph 2014 im Maracana-Stadion zu Rio führte.

In München wird Schweinsteiger verehrt - und doch wird kein Bayern-Fan jemals den verschossenen Elfmeter gegen den FC Chelsea im "Finale dahoam“ 2012 aus dem Kopf bekommen. 


Zwischen Karriere und Familie

All diese Erinnerungen sind im Spätsommer 2019 schon mindestens fünf Jahre alt.

Bastian Schweinsteiger ist immer noch aktiver Fußballspieler. In den USA verläuft seine Laufbahn, zumindest hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung, doch ein wenig unter dem Radar.

Seit mittlerweile drei Jahren kickt der mittlerweile 35-Jährige in der Major League Soccer (MLS). Seine Prioritäten haben sich geändert: Anfang 2020 erwarten Schweinsteiger und seine Frau Ana Ivanovic ihr zweites Kind, Sohn Luca wird im März zwei Jahre alt.


Hängt "Schweini“ noch ein Jahr dran? Oder befindet sich seine aktive Karriere in den Endzügen? Und wird es eine Karriere nach der Karriere geben? Womöglich sogar beim FC Bayern?

Schwache Saison in den USA

Fakt ist: Auch in dieser Saison droht Schweinsteiger mit seiner Mannschaft die MLS-Playoffs zu verpassen.

In den vergangenen Wochen verzeichnete Fire zwar einen leichten Formanstieg inklusive des jüngsten 2:0-Erfolgs über Spitzenreiter Philadelphia Union am vergangenen Samstag. Dennoch rangiert Chicago aktuell nur auf Rang zehn, Platz sieben berechtigt zur Teilnahme an den K.o.-Spielen um den Titel. 


Schweinsteiger selbst findet sich auf die alten Tage in ungewohnter Rolle wieder. Als Abwehrchef dirigiert er mittlerweile seine Vorder- und Nebenmänner mit Ruhe und Erfahrung, gibt Kommandos und baut das Spiel von der hintersten Reihe auf.

Wie lange er das noch tut, darüber hält er sich selbst bedeckt. "Normalerweise mache ich es immer so, dass ich im Herbst entscheide, wie es weitergeht“, ließ der Champions-League-Sieger von 2013 seine Zukunftspläne in der ARD zuletzt noch offen.

Die reguläre Saison in der amerikanischen Profi-Fußball-Liga endet für Fire am 6. Oktober - sollten die Playoffs erneut verpasst werden, könnte dies gleichbedeutend mit Schweinsteigers Ende der aktiven Laufbahn sein.

Ibrahimovic und Beckham stehlen die Show

Er genießt die Anerkennung im Verein und die Zuneigung der Fans – zumindest der wenigen, die den Weg aus Downtown ins 30 Autominuten entfernte SeatGeek Stadium auf sich nehmen.

Der Zuschauerschnitt sinkt seit Jahren konstant, mittlerweile finden sich im Schnitt nicht einmal 12.000 Zuschauer in der heimischen Arena ein. Die große Euphorie in Chicago und den USA um Schweinsteiger ist verflogen.

Andere Teams bieten attraktiveren Fußball, in der Glitzermetropole Los Angeles sorgt Zlatan Ibrahimovic in gewohnter Manier für Furore auf und neben dem Platz.


Und an der Ostküste schraubt David Beckham an seinem neuen Super-Team Inter Miami - das wird auch dem ehemaligen deutschen Nationalspieler nicht entgangen sein.

Rückkehr nach München?

In Verbindung mit seiner privaten Situation und seinem fortschreitenden Alter scheint ein Karriereende nach der laufenden Spielzeit sehr wahrscheinlich. Vermutlich wird Schweinsteiger dann erstmal seine ganze Aufmerksamkeit seiner größer werdenden Familie widmen.

Damit einhergehend würde auch eine Rückkehr nach München Sinn ergeben – als gebürtiger Bayer und langjähriger Wahl-Münchner verbindet Schweinsteiger noch viel mit der Stadt und den Menschen.


Und dann ist ja da noch der ortsansässige Fußball-Verein an der Säbener Straße.

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Die Verantwortlichen des Rekordmeisters machen zumindest seit Jahren keinen Hehl aus ihrem Interesse an einer erneuten Zusammenarbeit mit ihrem ehemaligen Spieler.

Rummenigges öffentlicher Flirt

"Der FC Bayern ist immer interessiert, wichtige ehemalige Spieler an den Klub zu binden. Ich würde mir zum Beispiel auch Bastian Schweinsteiger bei uns wünschen“, kokettierte Karl-Heinz Rummenigge im März dieses Jahres öffentlich mit einer Rückkehr des achtmaligen Deutschen Meisters.

Der Vorstandschef stehe in regelmäßigen Kontakt zu seinem Ex-Schützling, die Tür sei "sperrangelweit offen".


Der langjährige Publikumsliebling und Kapitän der Rot-Weißen würde in der Öffentlichkeit und vereinsintern höchste Anerkennung genießen, dessen ist sich Rummenigge bewusst. Ab dem 1. Januar 2020 wird Oliver Kahn peu a peu in die neue Vorstands-Rolle eingearbeitet, mit dem Torwart-Titan verbindet Schweinsteiger ein enges Verhältnis.

Zweite Karriere beim FCB?

Und was sagt der Umworbene selbst? Die offensiven Flirts seitens des FC Bayern schätze er "wahnsinnig“, wollte aber im Juni noch keine Tendenzen bezüglich seiner Zukunft abgeben. "Ich weiß noch nicht, was nach dem Fußball kommt“, gab sich Schweinsteiger bedeckt.

Fußball-Deutschland und vor allem die Fans des FC Bayern hätten sicherlich nichts dagegen, wenn zu ihren etwas eingestaubten Erinnerungen an ihren einstigen Helden neue Geschichten hinzukämen.

Diesmal jedoch nicht mehr im verschwitzten und blutüberströmten Trikot, sondern mit Eloquenz und Ausstrahlung im feinen Zwirn - und stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht.