China: Experiment an Ratten zieht heftige Kritik auf sich

·Freie Autorin
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Chinesische Forscher brachten männliche Ratten dazu, Junge zu gebären - und ziehen damit Kritik von anderen Wissenschaftlern auf sich.

A couple of cute white laboratory rats looking out of a cage (selective focus on one of the rats and its eyes)
Tierversuche finden zu verschiedenen Zwecken statt - doch ein Experiment an Ratten in China geht vielen Forschern nun zu weit (Symbolbild: Getty Images)

Die britische Zeitung “The Sun” nennt es ein “Frankenstein-Experiment”, und tatsächlich klingt es selbst für die grimmige Welt der Tierversuche grausam, was Forscher der Naval Medical University in Shanghai durchgeführt haben: Ein Team der Universität hat kastrierte, männliche Ratten mit weiblichen zusammengenäht, so dass ihre Blutkreisläufe sich vermischen. Acht Wochen nach dieser Prozedur wurden den Männchen Gebärmütter eingepflanzt, und kurze Zeit später wurden die Tiere operativ wieder getrennt.

Dadurch wurde erreicht, dass vereinzelte männliche Tiere lebende Junge gebären. Von 280 Embryonen, die den Rattenmännchen eingesetzt wurden, überlebten 10 Junge bis zum Erwachsenenalter – knapp vier Prozent.

Kritik an Ethik und Mehrwert des Experiments

Das Projekt löste heftige Kritik in Wissenschaftskreisen aus, sowohl in China als auch auf internationaler Ebene. Im eigenen Land wird befürchtet, dass derartige Experimente das ohnehin kontroverse Image von ethischen Grundsätzen in chinesischer Forschung zusätzlich belasten könnte. “Es besteht auch die Sorge, dass der Trend in Richtung ‘Wissenschaft durch PR’ geht – also dass absurde Ziele gesetzt werden, um Aufmerksamkeit zu erlangen – dazu führt, dass die Forschung zu einem Entertainment-Geschäft statt einem ernsthaften und verantwortungsvollen akademischen Vorhaben”, sagte Joy Zhang, die an der University of Kent in Großbritannien arbeitet, aber lange in China geforscht hat, dem Magazin “Nature”.

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Sowohl in China als auch international wird die Ethik des Experiments kritisiert, dessen Grausamkeit in keinem Verhältnis zu den gewonnenen Erkenntnissen stehe. Wie wichtig das endokrine System eines weiblichen Tieres für eine erfolgreiche Schwangerschaft ist, sei schließlich hinlänglich bekannt, wie der australische Wissenschaftler Chris O’Neill, der selbst lange am Thema Fertilität gearbeitet hat, “Nature” erklärt. Hier würden schließlich weiterhin mit weiblichen Fortpflanzungsorganen und weiblichen Blutwerten gearbeitet.

Sind Rückschlüsse auf den Menschen überhaupt möglich? Experten haben Zweifel

Einige Forscher sagen zwar, dass der Test Auschluss darüber geben könnte, was zukünftig nötig sein könnte, um Menschen jeden Geschlechts eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Catherine Mills, von der Monash University in Melbourne will dies jedoch nicht gelten lassen. “Das hier ist weit davon entfernt, echte Rückschlüsse auf den Menschen zuzulassen”, sagt sie Nature”. “Gewissermaßen ist das kein Tier-Modell, sondern einfach nur ein Tierversuch.”

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Die Sorgen von Experten können auch die Studienautoren nicht besänftigen. Auf der Website “PubPeer”, auf der Studien nachträglich vom Fach diskutiert werden können, versichern die Wissenschafter der Naval Medical University, dass ihr Experiment ein “tiefschürfenden Einfluss auf Reproduktionsmedizin” haben könnte - ohne jedoch auszuführen, auf welche Weise. Einer der Autoren, Zhang Rongjia, räumte sogar ein, dass die Arbeit “für unsere eigenen Interessen und Neugierde” stattgefunden hätte. Die Zahl der Tiere und ihr Leid sei jedoch gering gehalten worden, wie er beteuert.

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