China reguliert Popstars: Kein Prahlen, keine extravaganten Vorlieben

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Die chinesische Regierung geht hart gegen die Popindustrie vor. Jetzt gelten neue Verhaltensregeln für Prominente auf den Sozialen Medien.

Kris Wu bei den iHeartRadio MuchMusic Video Awards (MMVA) in Toronto.
Kris Wu gehörte zu den größten Stars in China, nach Vergewaltigungsvorwürfen ist er aus der digitalen Öffentlichkeit so gut wie gelöscht. (Bild: REUTERS/Fred Thornhill)

In China sind ohnehin die Zugänge zu Social Media-Plattformen wie Facebook, YouTube oder Twitter blockiert. Stattdessen gibt es dort eigene Alternativen wie Weibo, Renren oder Youku. Der Kurznachrichtendienst Weibo soll allein über 350 Millionen User haben. Doch die chinesischen Plattformen unterliegen einer strengen staatlichen Kontrolle. Dies zeigt sich nun auch in den neuen Vorgaben, die von der chinesischen Digitalbehörde am Dienstag erlassen wurden.

Regeln gelten auch für Fans

Denn diese besagen, dass Prominente auf den Social Media-Kanälen nicht mehr mit "Reichtum prahlen" oder "extravagante Vorlieben" zeigen sollen. Dies betrifft nicht nur die Stars selbst, sondern auch Anhänger und Fan-Clubs. In den Vorgaben heißt es, von nun an sollten die Prominenten sich an der öffentlichen Meinung orientieren und deren Werten folgen. Dazu gehört laut Ansicht der Behörden "sozialistische Kernwerte zu vertreten und einen gesunden Stil und Geschmack zu bewahren". 

Die Einschränkungen gehören zu einer neuen Strategie der Regierung, die damit versucht, den Einfluss von Prominenten zu beschneiden. Die wachsende Pop-Industrie hatte zuletzt immer wieder Skandale verursacht. Dadurch würden "gesellschaftliche Unordnung" und verbale Attacken zwischen Fan-Gruppierungen geschaffen, heißt es in der offiziellen Begründung der neuen Vorgaben. Deshalb soll es Promis auch untersagt sein, Gerüchte zu verbreiten oder private Informationen preiszugeben, berichtet die Website "BusinessInsider". 

Bei Skandal folgt die Löschung

Parallel zu den strengeren Social Media-Regeln geht auch die Kulturbehörde streng gegen Popstars und andere Prominente vor. Die Regierung von Präsident Xi Jinping demonstriert ihre Macht, indem sie die Stars nahezu unsichtbar werden lässt. Der Chinesisch-kanadische Rapper Kris Wu war in China ein Superstar, bis es Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn gab. Kurz darauf verschwanden alle Bilder und Beiträge über Wu aus dem chinesischen Internet. Doch nicht nur Wu, der im August verhaftet wurde, ist betroffen. Im September begannen die Behörden, konzentriert gegen die Popkultur vorzugehen. Wie "n-tv" berichtete, wurde auch die Schauspielerin Zheng Shuang aus der digitalen Welt verbannt, nachdem bekannt wurde, dass sie fast 40 Millionen Euro Strafe wegen Steuerhinterziehung bezahlen musste. Ebenso erging es ihrer Kollegin Zhao Wei, der Investorenbetrug vorgeworfen wurde. 

Zensur gegen unbequeme Meinungen

Wer also einen Skandal verursacht, der verschwindet nun sofort aus dem digitalen Gedächtnis. Die Kulturbehörde kappte zudem 88 Künstlern die Möglichkeit zum Livestreamen. Durch diese Bannliste solle die "Selbstdisziplin der Branche" gestärkt werden, teilte die Behörde mit. So solle auch verhindert werden, dass "un-ethische Künstler*innen" wieder in die Musikindustrie zurückkehrten. Doch die staatliche Kontrolle und Zensur sorgt immer wieder für Unbehagen im Ausland. Zuletzt verschwand die Tennis-Spielerin Peng Shuai aus der Öffentlichkeit, nachdem sie Vorwürfe gegen einen hochstehenden Politiker wegen sexueller Übergriffe getätigt hatte. Fast einen Monat war es still um Shuai, bevor sie nach großem Druck aus dem Ausland schließlich für einen Video-Call mit dem Internationalen Olympischen Komitee wieder auftauchte.

Im Video: China kritisiert Aufsehen um Verschwinden von Tennisstar Peng

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