Chinas Behörden starten Kartell-Untersuchung von Alibaba

Laurie CHEN
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Alibaba-Logo

Der chinesische Onlineriese Alibaba ist unter massiven Druck der einheimischen Behörden geraten. Chinas Behörde für Marktregulierung leitete eine Untersuchung wegen möglicher "monopolistischer Praktiken" des Konzerns ein, wie sie am Donnerstag mitteilte. Die Behörde will laut chinesischen Staatsmedien zudem im Rahmen ihrer Aufsichtsaufgaben mit Ant, dem Finanz-Dienstleister von Alibaba, Gespräche führen.

Worin die Verdachtsmomente gegen Alibaba genau bestehen, führte die Behörde nicht aus. Der Konzern kündigte an, er werde bei der Untersuchung "aktiv kooperieren". Die Ant-Gruppe erklärte, die Vorgaben der Behörde "sorgfältig zu studieren und strikt umzusetzen". Die Alibaba-Aktie brach nach der Mitteilung der Aufsichtsbehörde an der Börse in Hongkong um mehr als acht Prozent ein.

Anfang November hatte Ant überraschend seinen Börsengang abgesagt. Hintergrund war offenbar ebenfalls Druck der chinesischen Aufsichtsbehörden. Mit einem Volumen von umgerechnet gut 27 Milliarden Euro sollte der Ant-Börsengang in Shanghai und in Hongkong der größte aller Zeiten werden.

Hintergrund des Vorgehens gegen Alibaba und Ant sind offenbar Bestrebungen der kommunistischen Führung, die stark gewachsene Marktmacht privater chinesischer Tech-Firmen einzudämmen. Alibaba ist einer der einflussreichsten chinesischen Konzerne, Unternehmensgründer Jack Ma mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet etwa 48 Milliarden Euro einer der reichsten Menschen Chinas.

Zu Ant gehört Alipay, der führende Online-Bezahldienst in China. Gegen Alipay war vor Absage des Börsengangs Kritik aus dem staatlich kontrollierten Bankensektor laut geworden. Ma war von den Behörden einbestellt worden.

Nach Unternehmensangaben nutzen monatlich mehr als 700 Millionen Menschen in China Alipay. Jährlich werden demnach umgerechnet mehr als 14,4 Billionen Euro über den Dienst transferiert. Alipay vergibt aber auch Kredite an Haushalte und kleinere Unternehmen, bietet Vermögensverwaltung und Versicherungen an - und erstreckt sich damit bis in den staatlich kontrollierten Finanzsektor.

Der charismatische Ma hatte im Oktober Chinas staatliches Finanzsystem scharf kritisiert. Er nannte es veraltet und verglich es mit den traditionellen chinesischen Pfandhäusern.

Es gebe offensichtlich eine Zunahme der "koordinierten Anstrengungen, dem Imperium von Jack Ma Fesseln anzulegen", sagte der Analyst Dong Ximiao der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Vorgehen der Behörden gegen den Konzern enthalte die "unterschwellige politische Botschaft, dass kein Unternehmen und kein Individuum in China so groß werden kann, dass sie die Autorität der Kommunistischen Partei Chinas potenziell herausfordern könnten", sagte Richard McGregor, Ostasien-Experte am Lowy-Institut in Sydney.

dja/yb