Chinesen spielen Lotto, um an Geld zu kommen, während die Wirtschaft strauchelt und die Jugendarbeitslosigkeit steigt

Chinas Präsident Xi Jinping. - Copyright: Lintao Zhang
Chinas Präsident Xi Jinping. - Copyright: Lintao Zhang

Der Verkauf von Lotterielosen in China steigt sprunghaft an, da die Verbraucher des Landes inmitten der diesjährigen Wirtschaftsflaute nach finanziellem Glück suchen.

Die Verkäufe erreichten im August 52,96 Milliarden Yuan (sieben Milliarden Euro). Das entspricht einem Anstieg von 53,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Daten des Finanzministeriums hervorgeht, die von staatlichen Medien und "Reuters" zitiert werden. Gleichzeitig handelte es sich um den bisher umsatzstärksten Monat im Jahr 2023.

In den ersten Monaten dieses Jahres wurden Lose im Wert von rund 52 Milliarden Dollar (6,88 Milliarden Euro) verkauft, was einem Anstieg von 51,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Der sprunghafte Anstieg der Lotterieverkäufe kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Chinas Wachstum trotz der Hoffnungen der Wall Street auf ein massives Wachstum weitgehend ins Stocken geraten ist.

Enttäuschende Wirtschaftsentwicklungen in China

Nach einem Aufschwung im ersten Quartal, der durch die Aufhebung der strengen COVID-Beschränkungen ausgelöst wurde, zogen sich Verbraucher und Unternehmen stark zurück, während Peking nur vereinzelte Versuche unternahm, das Wachstum zu stimulieren, um die hohe Schuldenlast des Landes nicht noch weiter zu erhöhen.

Angesichts dieses Umfelds sind die Beschäftigungsaussichten für Chinas Jugend sehr gering: Die Jugendarbeitslosigkeit lag im Juni, als die jüngsten Daten veröffentlicht wurden, bei 21,3 Prozent. Die Behörden in Peking haben die Veröffentlichung dieser Daten inzwischen eingestellt.

Laut "Reuters" haben Kommentatoren in den sozialen Medien die steigenden Lotterieverkäufe mit der Unsicherheit der jüngeren Bevölkerung Chinas in Verbindung gebracht: "Es ist wahrscheinlicher, dass junge Leute fünf Millionen Yuan (661.500 Euro) im Lotto gewinnen, als dass sie fünf Millionen durch Arbeit verdienen", wird ein Nutzer des sozialen Netzwerks Weibo zitiert. "Je schlechter es der Wirtschaft geht, desto mehr Lotterielose werden verkauft", schrieb ein anderer auf der Plattform.

Die Altersgruppe hat ihre wirtschaftliche Verzweiflung schon früher deutlich gemacht, zum Beispiel durch Posen im "Zombie-Stil" auf ihren diesjährigen Abschlussfotos. Und im Frühjahr stiegen die Tempelbesuche an, da Berufsanfänger um finanzielle Unterstützung baten.

Auch wenn einige Aspekte der chinesischen Wirtschaft in letzter Zeit auf eine Verbesserung hindeuten, bleiben die Wachstumsaussichten für dieses Jahr düster. Die Kreditaufnahme der Unternehmen fiel im September auf ein deutlich niedriges Niveau, wie das "China Beige Book" berichtet, und das Exportwachstum fiel auf den niedrigsten Stand seit März.

Gleichzeitig hat der chinesische Immobilienmarkt weiterhin mit einer Reihe von schlechten Nachrichten zu kämpfen, da immer noch Zahlungsausfälle von Bauträgern zu verzeichnen sind.

Lest den Originalartikel auf Englisch hier.