Chinesische Justiz spricht Jugendlichen von Mordvorwurf frei

In China ist ein Jugendlicher vom Vorwurf des Mordes und der Vergewaltigung freigesprochen worden - knapp zwanzig Jahre nach seiner Hinrichtung. Hugjiltu war 1996 in der Inneren Mongolei nur 61 Tage nach dem Tod einer Textilarbeiterin exekutiert worden, doch war das Urteil falsch, wie der Hohe Volksgerichtshof der Inneren Mongolei am Montag erklärte. "Er war nicht schuldig." Die Eltern Hugjiltus hatten mehr als zehn Jahre für den Freispruch gekämpft, 2005 gestand dann ein anderer Mann die Tat.

Für die irrtümliche Hinrichtung ihres damals 18 Jahre alten Sohnes werden sie nun mit umgerechnet 3200 Euro entschädigt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Es handele sich um eine "persönliche Spende" des Präsidenten des Gerichtshofes, keinesfalls um eine offizielle Zahlung. Dass in China Justizirrtümer eingeräumt und - wenn noch möglich - korrigiert werden, ist sehr selten. Die Verurteilungsrate liegt bei fast 100 Prozent, und falsche Geständnisse sind an der Tagesordnung.

Hugjiltu sei 48 Stunden verhört worden, bevor er selbst eingestanden habe, die Frau getötet zu haben, berichtete die Zeitung China Daily. Hugjiltus Freispruch folgt auf Versprechen der Kommunistischen Partei, den Rechtsstaat "mit chinesischem Charakter" zu stärken. Mit "chinesischem Charakter" ist Experten zufolge allerdings eine stärkere Zentralkontrolle gemeint, nicht etwa der Aufbau einer unabhängigen Justiz.