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Chinesische Lichthupe auf der Heimstrecke: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Elisabeth Behrmann über eine herausgeforderte Schlüsselindustrie. — Fünf Themen des Tages ist auch als Newsletter erhältlich. Zum Gratis-Abo bitte hier entlang.

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Deutscher Abwehrkampf gegen China

Eine deutsche Automesse ist traditionell ein Heimspiel für die Vertreter von VW, Mercedes und BMW. Tolle neue Karossen werden auf riesigen Ständen dem interessierten Publikum angepriesen und die Stimmung bei Kunden und Industrie ist blendend.

Doch die schönen Bilder sind längst ziemlich verblasst. Neben den Protestlern, die auch diesmal wieder erwartet werden, ist es das nagende Gefühl, dass die verbrennerdominierte deutsche Oberliga zumindest der Tesla-Konkurrenz aus den USA nie wirklich etwas entgegengesetzt hat.

Jetzt kommen in Scharen chinesische Hersteller hinzu, die die IAA in München fast schon dominieren. BMW und Mercedes haben am Wochenende ihre Prototypen der neuen Elektrogeneration vorgestellt. Diese neuen Modelle, das ist klar, müssen sitzen. Denn nicht nur BYD und Nio stehen in Europa in den Startlöchern, Tesla legt nach, und das weltweit. Von den Wolfsburgern gar nicht zu reden, die ihre Vormachtstellung in China bereits verloren gegeben haben. Die beste internationale Marke will man in Zukunft sein, mehr nicht.

Zu den wachsenden Hürden in China gesellt sich das nahende Ende des Verbrennungsmotors in der EU ab 2035. Zu früh, sagen viele Hersteller wie BMW. Die Regulierung wird vor allem den chinesischen EV-Massenherstellern in die Hände spielen, sagt auch Stellantis.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Boris Groendahl und Stephan Kahl: Landesbanken bauen vor, für eine Handvoll Euro, Zinsgipfelsturm am Ende, Uhrmacher leiden unter Frankenstärke, und Metropolen preisen Mieter aus.

Landesbanken bauen vor

Es ist kein Geheimnis, dass die deutschen Landesbanken im europäischen Vergleich stark im gewerblichen Immobiliengeschäft engagiert sind. Und so verwundert es nicht, dass sich Helaba, BayernLB, LBBW und NordLB angesichts der Turbulenzen an den Immobilienmärkten mit hohen Rückstellungen auf mögliche Kreditausfälle vorbereiten. Die Gesamtsumme ist aber schon ein Hingucker: Mehr als 400 Millionen Euro an Risikovorsorge haben die vier Spitzeninstitute der deutschen Sparkassen laut Bloomberg-Berechnungen für den Geschäftsbereich im ersten Halbjahr gebildet. Experten bleiben dennoch gelassen und gehen davon aus, dass die Landesbanken die Belastungen gut verkraften werden. Das dürfte auch an der grundsätzlich sehr guten Geschäftsentwicklung liegen. Die vier Institute erzielten in den ersten sechs Monaten zusammen einen Vorsteuergewinn von rund 2 Milliarden Euro, was einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Für eine Handvoll Euro

In Giorgia Melonis italienischer Rechtskoalition hängt mal wieder der Haussegen schief. Diesmal kollidieren die beiden Koalitionspartner von Melonis Fratelli D’Italia über das Schicksal der von Rom geretteten Skandalbank Monte Paschi. Die sich wirtschaftsfreundlich gebende Forza Italia will den Anteil so schnell wie möglich versilbern, wie Parteichef und Vizepremier Antonio Tajani bei der jährlichen Konferenz der italienischen Politik- und Wirtschafts-Elite in Cernobbio gegenüber Bloomberg TV erklärte. Die einem starken Staat nicht abgeneigte Lega von Matteo Salvini hingegen steht eher auf der Bremse. Schon bei der von Salvini vor Ferragosto stolz verkündeten Extrasteuer auf Bankengewinne waren die beiden aneinandergeraten. Meloni selbst hatte auf Cernobbio verzichtet und lieber dem Grand Prix der Formel 1 in Monza beigewohnt. Bei der Bankensteuer hatte sie nachträglich Salvini den Rücken gestärkt. Tafelsilber-Verkäufen scheint sie allerdings nicht abgeneigt zu sein.

Zinsgipfelsturm am Ende

Bondinvestoren rüsten sich für das Ende des Straffungszyklus der Federal Reserve. Die sich abschwächenden Beschäftigungsdaten letzte Woche haben die Nachfrage nach kurzlaufenden Treasuries angekurbelt und Wetten auf eine Versteilerung der Renditekurve angetrieben.

Uhrmacher leiden unter Frankenstärke

Schweizer Luxusuhrenhersteller, deren Marken nicht im obersten Preissegment angesiedelt sind, leiden zunehmend unter dem starken Franken. Firmen wie Oris, Doxa und Maurice Lacroix berichten, dass die Dollarschwäche die im letzten Jahr durch Preiserhöhungen erzielten Margengewinne fast vollständig aufgezehrt hat. Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Uhren wird in den USA, Asien und Westeuropa verkauft, was Währungsschwankungen zu einem wichtigen Faktor für die Performance der Branche macht. Angesichts der Inflationsgefahr wird erwartet, dass die SNB die Zinsen hoch halten oder sogar weiter anheben wird. Analysten zufolge könnte der Franken weiter aufwerten. Allerdings stagnierte die Wirtschaft im zweiten Quartal unerwartet, wie heute veröffentlichte Daten zeigen. Die Währungshüter werden im Laufe dieses Monats entscheiden, ob sie weiter straffen oder eine Pause einlegen.

Metropolen preisen Mieter aus

Zurück ins Hotel Mama. Das ist die einzige Option für viele junge Angestellte in Metropolen wie Dublin oder Lissabon. In Zürich versuchen Wohnungssuchende es im Konkurrenzkampf um knappen Mietraum mit Wein und Schoki. In den größten Städten Europas stoßen Mieter auf einen gravierenden Angebotsmangel. Höhere Hypothekenzinsen und Baukosteninflation haben Bau- und Kaufoptionen geschmälert, gleichzeitig nimmt der Zuzug in Großstädte immer weiter zu. In Zürich — nicht gerade für günstiges Wohnen bekannt — befürchtet die Mieter-Lobby einen Mietanstieg um rund 30% bis 2025. In Deutschland sind die Baubeginne in den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 um die Hälfte eingebrochen, und die Baugenehmigungen für neue Wohnungen um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Der Immobilienriese Vonovia hat alle Neubauprojekte gestoppt. Das Neubauziel der Ampel von 400.000 Wohnung jährlich ist Makulatur.

Was sonst noch so passiert ist

  • Wunsch nach mehr Straffung

  • Nestlé verkauft Geschäftsbereich

  • Österreichs Geschäftsmodell bedroht

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