Chinesisches Unternehmen will Handyzeit seiner Mitarbeiter:innen wissen

·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Mit Screenshots sollen Mitarbeiter:innen eines chinesischen Unternehmens am Ende ihres Arbeitstages zeigen, wie lange sie ihre Handy genutzt und welche Apps dabei wie viel Akkuenergie verbraucht haben.

Ist der Akku am Ende des Arbeitstages beinahe leer, hat der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin vielleicht zu viel am Handy gespielt
Ist der Akku am Ende des Arbeitstages beinahe leer, hat der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin vielleicht zu viel am Handy gespielt. Foto: Symbolbild / gettyimages

Im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo ist kürzlich eine Datenschutzdebatte über die Forderung eines Unternehmens entbrannt.

Das fordert offenbar von seinen Mitarbeiter:innen am Ende eines Arbeitstages Screenshots, die den Akkustand und die über den Tag mit Apps verbrachte Zeit zeigen soll.

Produktivität oder Handyzeit

Laut einem Bericht in der South China Morning Post (SCMP) fordert ein chinesisches Unternehmen aus Wuhan, der Name wurde nicht veröffentlicht, dass seine Mitarbeiter:innen am Ende eines Arbeitstages ihre Produktivität nachweisen müssen. Oder besser: Dass sie sich während ihrer Arbeitszeit nicht von ihrem Smartphone haben ablenken lassen.

Dazu sollen die Mitarbeiter:innen Screenshots von ihren Displays machen, die einerseits die verbrauchte Akkuenergie insgesamt zeigen und andererseits welche Apps im Laufe des Tages wie viel Energie verbraucht haben.

Das Recht, Mitarbeiter:innen auszuspähen

Das Thema wurde nach einem viralen Post im chinesischen Netzwerk Weibo heiß diskutiert. Laut der Person, die den Post verfasst hat, hätten sich bereits Mitarbeiter:innen des Unternehmens beschwert, dass es sich um eine Verletzung ihrer Privatsphäre handeln würde.

Daraufhin hat das Unternehmen reagiert und eine Erklärung verfasst. Die Überprüfung der Handynutzung während der Arbeitszeit war demnach eine Reaktion auf die gesunkene Leistung der Mitarbeiter:innen. Die Inspektion ihrer Handys solle „Arbeitseffizienz und Teamgeist“ fördern und dafür sorgen, dass niemand während der Arbeitszeit Spiele spielt, Videos schaut oder privat chattet.

Auch die SCMP hat bei dem Unternehmen zu dem Vorfall nachgefragt. Es hat geantwortet: „Es ist unser Recht, unsere Mitarbeiter:innen auf unterschiedlichen Wegen zu überwachen. In diesem Fall ist es angemessen. Wenn die Anfrage für die Zeit nach der Arbeit gestellt würde, würde es sich aber um eine Verletzung der Privatsphäre handeln.“

Einfach ein Zweithandy

Ganz eindeutig ist der Fall jedoch nicht, wie der Anwalt Yang Wenzhan sagt. Ihn hat dazu der 21st Century Business Herald befragt: „Wenn das Unternehmen seine Mitarbeiter:innen davon in Kenntnis gesetzt und ihre Zustimmung erhalten hat, dann ist das Programm legal.“ Allerdings stelle sich die Frage, ob die Mitarbeiter:innen den Inhalt aller Verträge genau kennen würden, da diese in Englisch verfasst seien.

Im sozialen Netzwerk Weibo fragen sich viele, ob die Überprüfung überhaupt einen Sinn hat. „Von jetzt an wird jeder und jede ein Zweihandy haben“, schreibt beispielsweise eine Person. Eine andere: „Das Unternehmen ist einfach nicht innovativ genug, um das eigene Geschäft wieder zum Laufen zu bringen. Wenn es schlecht läuft, wird der Druck stattdessen auf die Mitarbeiter:innen abgewälzt.“

Smarte Sitzkissen

Bei dem Vorfall handelt es sich laut der SCMP nicht um einen Einzelfall. Immer wieder geraten chinesische Unternehmen in die Schlagzeilen, weil sie ihre Mitarbeiter:innen überwachen. Manche bewegen sich dabei nicht einmal mehr in einem gesetzlichen Graubereich, sondern nutzen Spyware, um die besuchten Internetseiten ihrer Mitarbeiter:innen zu überprüfen. Besonders von Interesse: Sucht jemand während der Arbeitszeit nach einem neuen Job?

Andere Unternehmen ergreifen aber auch skurrile Maßnahmen: So wurde 2021 bekannt, dass ein Start-Up aus Hangzhou Daten anhand „smarter Sitzkissen“ erhoben hat. Damit wollte es überprüfen, wie viel Zeit die Mitarbeiter:innen auf ihren Stühlen sitzend und damit vor ihren Bildschirmen verbringen würden.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.