Chinesisches Wachstum so schwach wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr

Container im Hafen von Qingdao

Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr so langsam gewachsen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr und hat damit Spekulationen über die Entwicklung der Volkswirtschaft angefacht. Wie das Nationale Statistikbüro in Peking am Freitag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,1 Prozent. Dies war der schwächste Zuwachs seit 1990. Die Geburtenrate fiel auf den niedrigsten Wert seit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949.

Bedacht werde solle, dass "die Quellen der Instabilität und der Herausforderungen für die chinesische Wirtschaft zunehmen", sagte ein ranghoher Beamter des Statistikbüros. Im Jahr 2018 war die chinesische Wirtschaft noch um 6,6 Prozent gewachsen.

Experten führen das Schwächeln der chinesischen Konjunktur auf das Nachlassen der Binnennachfrage sowie den seit fast zwei Jahren andauernden Handelskonflikt mit den USA zurück. Seit März 2018 erheben Peking und Washington gegenseitige Zollzuschläge, was die chinesische Wirtschaft und das globale Wachstum stark beeinträchtigt.

Zuletzt hatte sich dieser Konflikt aber etwas entschärft: Am Mittwoch unterzeichneten Washington und Peking ein erstes Teilabkommen zur künftigen Regelung ihrer Handelsbeziehungen. In der Vereinbarung sagt Peking zu, über zwei Jahre hinweg zusätzlich US-Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar zu kaufen. Die USA verzichten im Gegenzug auf neue Strafzölle und senken zudem teilweise derzeit bestehende Zölle.

Für das Jahr 2020 sagt die Weltbank für China eine weitere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf 5,9 Prozent voraus. Peking will seine Einschätzung über das Wachstum erst im März offiziell verkünden, deutete zuletzt aber an, dass die noch nicht veröffentlichten Januar-Zahlen "bessere Wirtschaftsaussichten als erwartet" enthielten.

Doch einige Indikatoren seien besorgniserregend, warnte Ökonom Ting Lu von der Nomura Bank. Laut Lu ist ein starker Rückgang der Verkäufe von neuen Häusern und Investitionen in Immobilien im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Andere Analysten sind hingegen überzeugt, dass Chinas Wachstumsverlangsamung strukturell bedingt ist. Das Land wird demnach zu einer stärker entwickelten Wirtschaft und ist mit demografischen Herausforderungen wie einer schrumpfenden Zahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter konfrontiert.

Das Nationale Statistikbüro veröffentlichte am Freitag weitere Zahlen, die diese Vermutung stützen: Demnach fiel die Geburtenrate im vergangenen Jahr auf 10,48 Geburten je 1000 Einwohner - der niedrigste Wert seit der Gründung der Volksrepublik China 1949.

Laut dem Leiter der Asien-Abteilung bei Oxford Economics, Louis Kuijs, betrachtet Peking die Wirtschaftsverlangsamung als Teil einer "neuen Normalität". Die Regierung strebe deshalb eine Stabilisierung an, anstatt das Wachstum anzukurbeln. "Nur was sie nicht sehen wollen, ist eine zu schnelle Verlangsamung", fügte er hinzu.