Christian Drosten über Omikron-Variante: "Bin im Moment schon ziemlich besorgt"

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Der Virologe Christian Drosten (links) zeigte sich im Gespräch mit "heute journal"-Moderator Claus Kleber besorgt über die neue Virusvariante. (Bild: ZDF)
Der Virologe Christian Drosten (links) zeigte sich im Gespräch mit "heute journal"-Moderator Claus Kleber besorgt über die neue Virusvariante. (Bild: ZDF)

"Momentan wissen wir nicht, was da auf uns zukommt": Der Virologe Christian Drosten äußerte sich im ZDF-"heute journal" tief besorgt über die neue Omikron-Variante, die möglicherweise den Impfschutz aushebelt. Drostens wichtigste Botschaft dennoch: die Impflücken schnellstmöglich schließen.

In die öffentliche Debatte um den besten Weg durch die Pandemie schaltet sich Deutschlands führender Coronavirus-Experte seit Monaten nur noch dosiert ein. Jetzt aber ist mit der auch schon in Deutschland nachgewiesenen Omikron-Variante eine neue Variable im Spiel, und sie besorgt auch den Virologen Christian Drosten nachhaltig. Am Sonntagabend mahnte der Forscher von der Berliner Charité im Gespräch mit "heute-journal"-Moderator Claus Kleber zu größter Vorsicht.

"Ich muss sagen, dass ich im Moment schon ziemlich besorgt bin. Ich bin überrascht, so viele Mutationen in dem Virus zu sehen", gab Drosten im ZDF eine wenig beruhigende Einschätzung zu Protokoll. An Medienberichten über vorwiegend milde Verläufe im Zusammenhang mit der zunächst in Südafrika nachgewiesenen Mutante sei "noch nicht sehr viel Substanz". Bei gerade mal etwas mehr als 1.000 nachgewiesenen Fällen müssen man für alles offen sein, zumal das Virus in Deutschland andere Bedingungen vorfinde als in Südafrika. Drosten räumte ein: "Momentan wissen wir nicht, was da auf uns zukommt."

Christian Drosten mahnte: "Wir müssen so schnell es irgend geht boostern. Denn unser eigentliches Problem ist ja weiter die Delta-Variante." (Bild: ZDF)
Christian Drosten mahnte: "Wir müssen so schnell es irgend geht boostern. Denn unser eigentliches Problem ist ja weiter die Delta-Variante." (Bild: ZDF)

Sorge vor der "ersten wirklichen Immunflucht-Mutante"

Was man schon sagen könne, sei, "dass diese Infektion in Südafrika häufig bei jungen Leuten auftritt, bei Leuten, die in allererster Linie die Krankheit auch schon hinter sich haben, das jetzt als zweite oder dritte Infektion bekommen und dann auch mit Symptomen." Daraus ergebe sich "die Sorge, dass wir hier eben jetzt eine erste wirkliche Immunflucht-Mutante vor uns haben". In dem Fall müssten die bisher verimpften mRNA-Vakzinen angepasst werden, was technisch "relativ einfach" möglich sei, aber viel Zeit benötige. "Wir sprechen hier doch von Monaten, von mehreren Monaten, bis die ersten Dosen wirklich ausgeliefert werden."

Deshalb müsse bis auf Weiteres mit den verfügbaren Impfstoffen gearbeitet werden, "die gegen den schweren Verlauf mit wirklich sehr großer Wahrscheinlichkeit schützen werden". Drosten: "Wir müssen so schnell es irgend geht boostern. Denn unser eigentliches Problem ist ja weiter die Delta-Variante, die Winterwelle, die wir jetzt haben." Der Virologe deutlich: "Wir müssen die Impflücken schließen. Unbedingt. Das ist ganz entscheidend, denn wenn man gar nicht geschützt ist, möchte man auch die Omikron-Variante nicht treffen."

"Infektionszahlen relativ unbeeindruckt von 2G und 3G"

Was das Brechen der aktuellen vierten Infektionswelle anbetrifft, äußerte sich Drosten skeptisch, ob die beschlossenen 2G- und 3G-Regelungen dafür ausreichen werden. Es fehlten mit diesen Maßnahmen schlicht die Erfahrungen. Im Moment habe man ein Infektionsgeschehen, das "kaum noch jemand modellieren kann". Gleichwohl sehe man, "dass die Infektionszahlen doch relativ unbeeindruckt sind von der ganzen Sache, von diesen zwei oder drei Gs, die man da anwendet".

Derzeit sinke der Inzidenzwert in Hochinzidenzgebieten wie Bayern auf circa eins, das sei jedoch noch deutlich zu wenig, um für eine Entspannung auf den Intensivstationen zu sorgen. Auch ausreichend Booster-Impfungen zu verabreichen, sei bis Weihnachten nicht schaffen. So bleibe "die große Sorge, dass wir dann eben das reale Problem in der Intensivmedizin bekommen, dass wir einfach nicht mehr die Betten haben."

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