Christine Lambrecht: Gelungene Selbstverteidigung

Keine deutsche Ministerin ist unbeliebter als sie. Im Bundestag wollte sich die Opposition nun Christine Lambrecht vorknöpfen. Aber die Attacke verpuffte.

 Christine Lambrecht, Bundesministerin der Verteidigung, aufgenommen im Rahmen der Klausurtagung des Bundeskabinetts im Gästehaus Meseberg, Anfang Mai. © Thomas Trutschel/​photothek.net/​imago images
Christine Lambrecht, Bundesministerin der Verteidigung, aufgenommen im Rahmen der Klausurtagung des Bundeskabinetts im Gästehaus Meseberg, Anfang Mai. © Thomas Trutschel/​photothek.net/​imago images

Eine Stunde und zehn Minuten sind schon vorbei, als plötzlich Musik in die Bude kommt – sofern "Bude" ein angemessener Begriff für den Plenarsaal des Deutschen Bundestages ist und man dröhnende Protestlaute als "Musik" bezeichnen kann. Jedenfalls meldet sich nun der CDU-Abgeordnete Paul Ziemiak zu Wort, um bei dieser Regierungsbefragung der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht zu beweisen, dass man sich selbst dann noch als Vorreiter der Abteilung Attacke verstehen kann, wenn man, wie Ziemiak, nicht mehr CDU-Generalsekretär ist.

Eine Frechheit gegenüber dem ukrainischen Volk sei das gewesen, was sie soeben auf die Frage geantwortet habe: Warum sie nicht sagen könne, die Ukraine solle den Krieg gegen Putins Truppen gewinnen? Ob sie zurücknehmen wolle, dass sie dazu nichts sagen könne, fragt Ziemiak also. Sie habe nämlich den Eindruckt erweckt, den Sieg der Ukraine nicht zu wollen.

In das Protestgedröhne aus den Reihen von SPD und Grünen hinein, wirft Lambrecht Ziemiak "Wortklauberei und Verdrehungen" vor. "Warum sagen Sie nicht, die Ukraine soll gewinnen?", schallt es von Ziemiak zurück. Daraufhin Lambrecht, lauter als zuvor: "Ich antworte so, wie ich es für richtig halte. Und ich sage: Die Ukraine kann sich darauf verlassen, dass wir an ihrer Seite stehen in ihrem heldenhaften Kampf." Beifall von Sozialdemokraten, Grünen sowie einigen von der FDP – und Ziemiak trollt sich. Attacke verpufft, gut verteidigt von der Ministerin.

Neues Beliebtheitsranking

Regierungsbefragungen wurden mal erfunden, um dem oft etwas drögen Parlamentsalltag mit seinen schleppenden Debatten ein bisschen mehr Pep zu verleihen. Ein Kabinettsmitglied muss sich dann eine Stunde lang, manchmal, so wie an diesem Mittwoch, auch etwas länger, den Fragen der Abgeordneten stellen. Die Antworten sollen kurz sein, Fragesteller dürfen nachhaken, das Präsidium regelt alles per Stoppuhr. Der Pep ist nicht immer sehr peppig, viele Befragungen laufen nach dem Muster ab: Das Parlament fragt – und die Regierung weicht aus. An diesem Tag ist es weniger das parlamentarische Instrument, das interessiert, sondern die Person der Befragten. Am Tag vor ihrem Bundestags-Solo hat Christine Lambrecht ihren Platz im Beliebtheitsranking der Kabinettsmitglieder noch mal gefestigt: Sie ist letzte.

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