City West: Warum die Kantstraße die Landebahn Berlins ist

„Boulevard der Einwanderer“ heißt die Straße im Westen der Stadt. Jetzt würdigt ein Buch die historische Vielfalt der Kantstraße.

Wie lange dauert es, die Kantstraße entlangzulaufen? Von ihrem Beginn an der Gedächtniskirche bis hinunter zum Amtsgerichtsplatz, an dem die Kantstraße aufhört und die Neue Kantstraße einsetzt? 36 Minuten schlägt Google-Maps für die 2,9 Kilometer vor.

Aber nicht mit Birgit Jochens. Das könnte sie niemals mehr schaffen. Wir sind mit ihr an diesem Morgen vor dem Delphi-Kino – dem ehemaligen "Delphi Tanzpalast" – verabredet, überqueren an der Ampel die Straße. Und schon bleibt sie stehen. Sie zeigt auf das Kant-Dreieck, das moderne, weiße Hochhaus mit der Haifischflosse auf dem Dach. "Hier saßen die wichtigsten jüdischen Organisationen", sagt sie – gemeint sind der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden und nach 1933 Institutionen wie die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe oder die Zentralwohlfahrt der deutschen Juden. Und an der Ecke gegenüber, dort, wo heute ein Café ist, hatte "ein Teppichhändler sein Geschäft". Der sephardische Jude saß in den 20er-Jahren im Schaufenster und knüpfte Teppiche, wie im Orient.

Nur wenige Schritte weiter schon wieder ein Stopp, diesmal Hausnummer 153. Rudolf Diesel lebte hier mit seiner Familie, ein Jahr zwar nur, aber es war ein wichtiges Jahr. 1893 entwickelte er die entscheidenden Ideen für seinen Verbrennungsmotor, Berlin war offenbar inspirierend. Und ein Haus daneben, Richtung Savignyplatz, saß die Zeitschrift "Die Weltbühne" mit ihrem Herausgeber Carl von Ossietzky, dem Friedensnobelpreisträger, der 1938 an den Folgen seiner ...

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