Wie die Clubdroge Ketamin Menschen mit Alkoholproblemen helfen könnte

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Alkoholismus ist weltweit verbreitet und kann für die Betroffenen sowie deren Umfeld eine extreme Belastung darstellen. Eine neue Studie der University of Exeter in Großbritannien könnte nun aber ein neuer Lichtblick in der Behandlung von Alkoholabhängigkeit sein. So kann das Narkosemittel Ketamin in deren Behandlung offenbar wahre Wunder bewirken.

Im Rahmen der Forschungsarbeit bekamen Menschen, die unter schweren Alkoholproblemen litten, eine Ketamininfusion in Kombination mit einer Psychotherapie. Die Befunde geben Grund zur Hoffnung: Denn das Risiko eines Rückfalls war in der Gruppe, die eine Ketamintherapie bekam, nach sechs Monaten um das 2,7-fache niedriger als bei einer anderen Gruppe – die ein Placebo nahm sowie eine herkömmliche Entwöhnungstherapie machten. Die Ergebnisse haben die Forscherinnen und Forscher der Universität Exeter und des US-Biotech-Unternehmens Awakn Life Sciences am Dienstag, dem 11. Januar, im Fachmagazin „American Journal of Psychiatry" veröffentlicht.

Kontrollierte, niedrige Dosen

„Wir haben herausgefunden, dass kontrollierte, niedrige Dosen von Ketamin in Kombination mit einer Therapie eine neue Hoffnung für viele Alkoholiker sein kann und wahrlich Leben retten könnte“, sagt die Leiterin der Studie, Celia Morgan.

Ketamin wird häufig als Schmerzmittel benutzt und ist unter anderem für seine antidepressive Wirkung bekannt. Auch Chirurginnen und Chirurgen nutzen es als Kurznarkosemittel für kleinere operative Eingriffe. Seit 1985 stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Narkotikum als „unentbehrliches Arzneimittel“ ein.

Bei vielen Menschen ruft Ketamin Halluzinationen und Wahrnehmungsveränderungen hervor. Aber genau das sei einer der Gründe, warum das Mittel besonders bei der Behandlung von Suchterkrankungen helfen kann, die von eingefahrenen Mustern gekennzeichnet sind. Der Einsatz von Ketamin in Kombination mit einer Psychotherapie sei ein radikaler Bruch mit der konventionellen Suchttherapie, betonte Morgan.

Laut Morgan erhielten die Teilnehmer im Zuge der Behandlung drei Infusionen über drei Wochen verteilt sowie eine abschließende Therapie- oder Aufklärungssitzung in der vierten Woche. „Es ist vielversprechend, dass die Wirkung schon sechs Monate nach einer relativ kurzen Behandlungsdauer eintrat“, sagt die Wissenschaftlerin.

Weitere Studien sind nötig, sagen Experten

Die Hoffnung sei, dass die unkonventionelle Behandlungsmethode schon in wenigen Jahren einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stehen könnte. Dennoch: Morgan wies darauf hin, dass die einmalige Behandlung nicht bei allen Menschen anschlage und einige Patientinnen und Patienten möglicherweise Auffrischungssitzungen benötigen werden. „Wir werden in Zukunft weiter erforschen, wie solche Auffrischungssitzungen aussehen könnten,“ sagt Celia Morgan. Ihr zufolge ist noch in diesem Jahr eine abschließende Untersuchung geplant.

Allan Young, Direktor des Zentrums für affektive Störungen am King's College in London, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, erklärt: Aktuell gebe es nicht genug Forschung dazu, welche möglichen Therapieformen Menschen mit Alkoholproblemen helfen könnten. Er begrüßt den Ansatz der neue Studie, doch mahnt auch zur Vorsicht und Geduld. Die Forscherinnen und Forscher müssten nun herausfinden, ob die Wirkung der Ketamintherapie auch über sechs Monate hinaus anhalte. „Im Moment sollte Ketamin noch nicht zur Behandlung von Alkoholproblemen zum Einsatz kommen. Aber in der Zukunft könnte es tatsächlich eine neue Form der Therapie werden“, sagt er im Gespräch mit Business Insider.

Dieser Text wurde von Lara Hansen aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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