Computer mit künstlicher Intelligenz können die Persönlichkeit an den Augen erkennen

Die Augen als Fenster zur Seele? Moderne Computer bestätigen diese antike Weisheit. (Bild: Getty Images)

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Deutschland und Australien hat ein Softwaresystem entwickelt, das Computer und Menschen einander näher bringen soll. Über maschinelles Lernen haben die Rechner es sich angeeignet, die Persönlichkeit von Personen zu entschlüsseln – und zwar über die Augen. Dies könnte es Computern in Zukunft erlauben, die Stimmung des Benutzers zu erkennen und diesen gezielt mit passenden Inhalten zu versorgen.

Wie die Uni Saarland in einer Pressemitteilung berichtet, haben Informatiker aus Saarbrücken und Stuttgart – in Zusammenarbeit mit Forschern der University of South Australia sowie der Flinders University in Adelaide – ein Computerprogramm entwickelt, das menschliche Charakterzüge anhand von Augenbewegungen erkennen kann.

Vorrangig wurden dabei die sogenannten „Big Five“ herangezogen. Dabei handelt es sich um ein Fünf-Faktoren-Modell aus der Psychologie, das die Persönlichkeit definiert. Zu den fünf Wesensmerkmalen, die in verschiedenen Ausprägungen bei jedem Menschen vorkommen, zählen: Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus), Extraversion (Geselligkeit), Verträglichkeit (Kooperationsbereitschaft), Neurotizismus (Verletzlichkeit) sowie Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit).

Bei ersten Tests konnte die Software die ersten vier Kategorien erstaunlich problemlos erkennen und einordnen. Nur mit dem Wesenszug Aufgeschlossenheit hatte das Programm Schwierigkeiten. „Das so gewonnene Wissen über nonverbales Verhalten können wir auch auf Roboter übertragen, sodass diese sich wie Menschen benehmen. Solche Systeme würden dann auf eine viel natürlichere Weise mit Menschen kommunizieren und wären dadurch effizienter und flexibler einsetzbar“, sagte Andreas Bulling, der am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken und am Exzellenzcluster der Universität des Saarlandes die Forschungsgruppe „Perceptual User Interfaces“ leitet.

Erkennen Computer schon bald unsere Stimmungen und Verstimmungen? (Bild: Getty Images)

Mit speziellen Rechenverfahren hatten Bulling und seine Kollegen durch maschinelles Lernen den Algorithmus trainiert. Dazu haben die Forscher zuerst 50 Studenten, davon 42 Frauen und 8 Männer, mit „Eye Trackern“ ausgestattet. Diese zeichneten die Augenbewegungen der Probanden auf, während diese zehn Minuten lang über den Campus spazierten und dabei alltägliche Dinge verrichteten. Im Anschluss mussten die Studienteilnehmer, deren Durchschnittsalter bei 22 Jahren lag, einen Fragebogen ausfüllen, um deren Gefühle niederzuschreiben.

Die gesammelten Filmdaten lieferten den Wissenschaftlern insgesamt 207 Merkmale, unter anderem Informationen zu Blickfixierungen und zur Blinzelrate. Zusammen mit den Daten aus den Fragebögen „fassten die Forscher pro Persönlichkeitszug rund 100 Entscheidungsbäume zu einem Klassifikator zusammen und trainierten diesen“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das Ergebnis: ein Computer mit ausgeprägter sozialer Intelligenz.

Ziel des Experimentes ist es, Maschinen mit einer ähnlich schnellen Informationsverarbeitung auszustatten, wie sie in menschlichen Gehirnen passiert. Computer sollen durch das maschinelle Lernen von psychologischen Mustern sozialer werden, damit sie in Zukunft effizienter mit Menschen interagieren können. Über die Kamerafunktion eines Rechners könnten Webseiten so etwa die Stimmung eines Users erkennen und diesen gezielt mit Werbung ansprechen.