Corona-Anstieg: Wie steht es um den Kroatien-Urlaub?

Ben Barthmann
·Sports Editor
·Lesedauer: 5 Min.

Die Anzahl der Neuinfektionen auf dem Balkan steigt von Tag zu Tag. Offenbar kommt die erste Welle dort erst jetzt mit voller Kraft an. Das betrifft auch das beliebte Urlaubsland Kroatien.

Kroatiens Wirtschaft ist sehr auf den (deutschen) Tourismus angewiesen. (Bild: Getty Images)
Kroatiens Wirtschaft ist sehr auf den (deutschen) Tourismus angewiesen. (Bild: Getty Images)

Lange Zeit war Kroatien kaum vom Coronavirus betroffen. Laut John Hopkins University überstieg die Anzahl der Fälle bis Mitte Juni nie die 2.500. Doch seit dem 23. Juni steigen die Zahlen im Land und haben inzwischen eine deutliche Aufwärtskurve angenommen.

Inzwischen zählt Kroatien 3.722 Fälle, zuletzt wurden Spitzentage mit 116 und 140 (Freitag und Samstag) Neuinfektionen gemeldet. Bei knapp vier Millionen Einwohnern ist das noch nicht angsteinflößend, wohl aber alles andere als eine gute Tendenz. Ein derartiges Infektionsgeschehen hatte Kroatien noch nie.

In Deutschland: 219 registrierte Neuinfektionen

Der Balkan droht, der neue europäische Hotspot für das Coronavirus zu werden. Österreich reagierte schnell. Im deutschen Nachbarland wurde eine Reisewarnung für die Länder Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien ausgesprochen. Dann folgten Rumänien, Bulgarien und Moldawien. Wer sich bereits dort befindet, soll zurückkehren und sich für zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Griechenland ließ die Grenze zu Serbien schließen, Slowenien beäugt die Situation in Kroatien mit Ungemach. Das Nachbarland wird dort wieder als Risikogebiet angesehen, die Grenzkontrollen sorgen für lange Grenzstaus. Auch in Österreich wird die Situation in Kroatien vorsichtig beobachtet, aktuell gilt keine Reisewarnung, wohl aber der Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Eine Reisewarnung ist nach aktuellen Stimmen aus der Regierung nicht mehr ausgeschlossen.

Deutsche Reisewarnungen gelten gleichauf mit Österreich (siehe oben) für diverse Balkan-Staaten, Rumänien und Bulgarien zählen nicht dazu. Deutschland spricht erneut eine Reisewarnung aus, wenn in sieben Tagen über 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auftreten. Davon ist Kroatien aktuell noch weit entfernt.

Dazu mehr: Die 7-Tage-Inzidenz des RKI für Europa

Reisewarnung für deutsche Urlauber entscheidend

Das sorgt deutsche Urlauber, die in den kommenden Wochen nach Kroatien aufbrechen wollten. Inzwischen hat das Auswärtige Amt reagiert und gibt auf seiner Homepage bekannt: “Das COVID-19-Infektionsaufkommen war in Kroatien über mehrere Wochen niedrig, nimmt zuletzt allerdings stark zu.”

Aktuell gelten noch die gleichen Regeln wie vor einigen Tagen für das beliebte Reiseland.

Regionale Schwerpunkte sind die Hauptstadt Zagreb sowie dessen Umland, Slawonien und die Gespanschaft Split-Dalmatien. Die Urlaubsregion Istrien ist weit weniger betroffen.

Informiert bleiben: Auswärtiges Amt zur Lage in Kroatien

Es wird auf die Registrierung vor einem Urlaub verwiesen, Touristen sollen in der Öffentlichkeit Abstand halten und möglichst eine Maske tragen. In geschlossenen Räumen gilt eine Maskenpflicht. Bisher war auch die Durchreise durch Deutschland, Slowenien oder Italien kein Problem.

Das könnte sich in den kommenden Tagen ändern. Noch ist nichts derartiges beschlossen worden, Urlauber sollten die Situation dennoch genau überwachen. Sollte das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Land oder entsprechende Gebiete aussprechen, können Urlauber in der Regel von ihrer Buchung zurücktreten.

Manche Reiseveranstalter bieten aktuell noch immer die Möglichkeit zum Umbuchen in einen anderen Zeitraum oder ein anderes Land an. Viele haben diese Angebote inzwischen aber aufgrund der entspannteren Lage zurückgezogen - eine individuelle Information ist hier unerlässlich.

Yahoo Deutschland hat mehrere Reiseveranstalter um ein entsprechendes Statement gebeten. Viele der Antworten stehen noch immer aus - was auch zeigt, wie unsicher die Lage aktuell ist.

Expedia empfiehlt Reisen mit flexibler Stornierung

Das Online-Reisebüro Expedia gab an: “Wichtiger denn je ist, momentan die Möglichkeit Reisepläne eventuell auch kurzfristig ändern zu können, daher raten wir allen, die noch nichts gebucht haben, aber mit einer Reise liebäugeln, unbedingt eine Unterkunft mit flexibler und kostenloser Stornierung zu buchen. Viele unserer Hotelpartner bieten das an und mit dem “kostenlose Stornierung” Filter auf Expedia findet man diese Unterkünfte auch ganz leicht.

Informationen wie es zum Thema Stornierung bzw. umbuchen aussieht, finden Reisende, die bereits eine Reise bei Expedia gebucht haben beim Online-Kundenservice.”

Booking.com beobachtet Lage in Kroatien

Auf Anfrage teilte auch der beliebte Anbieter Booking.com mit: “Bei Booking.com ist die Sicherheit unserer Kunden, Partner und Kollegen Teil unserer obersten Priorität. Wir beobachten die durch COVID-19 entstandene Situation genau, einschließlich der Ankündigungen und Anweisungen der WHO, Regierungen und lokalen Behörden, damit wir die betroffenen Parteien bestmöglich unterstützen können. Selbstverständlich steht unser Kundendienstteam zudem rund um die Uhr zur Verfügung, um Fragen zu beantworten und Unterstützung zu leisten.”

Novasol kommt Urlaubenden nicht entgegen

Auf Nachfrage teilte auch das beliebte Unternehmens Novasol mit, die Lage in Kroatien zu beobachten. Entgegenkommen will man den Urlaubern aber nicht. So verwies ein Sprecher auf die bestehende Umbuchung bis 40 Tage vor Anreise, die auch schon vor der Corona-Krise galt.

Des Weiteren gilt: “Sollte der Gast bei seiner Buchung das €8 Sicherheitspaket mitgebucht haben, erfolgt diese erwähnte Umbuchung kostenfrei, ansonsten gegen eine geringe Gebühr von €75.” Kurzfristige Umbuchungen oder Stornierungen sind entsprechend nicht mehr möglich.

Das Unternehmen hatte im März 2020 seine AGBs angepasst und schließt seitdem eine Rückerstattung in vielen Fällen kategorisch aus. Urlauber, die vor März 2020 gebucht haben, taten dies allerdings noch zu den alten AGBs, weshalb sich im Netz bereits mehrere Fälle finden, in denen Anwälte gegen das Unternehmen eingeschaltet wurden.

Wichtige Links für Urlauber:

Alles Wichtige zum Coronavirus in Kroatien: Ministerium für Public Health

Information zu Staus an den Grenzübergängen: Autoklub Kroatien

Das empfohlene Einreiseformular für den Krotien-Urlaub: Ministerium für Tourismus

VIDEO: So stellt sich Merkel das Corona-Hilfsprogramm der EU vor