Corona-Impfung im Check: Warum sich Eckart von Hirschhausen impfen lässt

Sarah Kohlberger
·Lesedauer: 6 Min.

Wie sicher ist die Corona-Impfung? Und was steckt hinter der schnellen Entwicklung des Impfstoffes? In der ARD-Dokumentation "Hirschhausen als Impfproband" beschäftigte sich der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen mit den häufigsten Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung.

Dr. Eckart von Hirschhausen hat sich dazu entschieden, an der klinischen Impfstudie teilzunehmen. Die zweite Impfung erhielt er von Studienleiterin Professor Dr. Clara Lehmann von der Uniklinik Köln. (Bild: WDR/Bilderfest GmbH)
Dr. Eckart von Hirschhausen hat sich dazu entschieden, an der klinischen Impfstudie teilzunehmen. Die zweite Impfung erhielt er von Studienleiterin Professor Dr. Clara Lehmann von der Uniklinik Köln. (Bild: WDR/Bilderfest GmbH)

Viele Menschen sind skeptisch bezüglich der Corona-Impfung - auch eine junge Dame, die der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen im Rahmen der Dokumentation "Hirschhausen als Impfproband" auf der Straße ansprach. Die Frau stellte in der Sendung, die am Montagabend im Ersten ausgestrahlt wurde, klar, dass sie sich nicht impfen lassen möchte. "Man hört ja vieles. Auch in die Richtung, dass man ... impotent? Ne, bei den Frauen ...", suchte sie nach dem richtigen Wort. Von Hirschhausen half: "... unfruchtbar wird?" Die junge Dame bestätigte: "Genau, so etwas habe ich gehört." Es gehörte zum Konzept der bemerkenswerten Sendung, dass an genau diesem Punkt nachgehakt wurde: "Aus welcher Quelle kommt diese Information?", wollte von Hirschhausen also wissen. Die Befragte hatte darauf keine genaue Antwort: "Also, es spricht sich rum", gab sie zu lediglich zu Protokoll.

Unsicherheit, Falschinformationen oder offene Fragen sind häufig der Grund für die Ablehnung einer Impfung. Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? Wie sicher ist die Impfung? Und warum ging die Entwicklung des Corona-Impfstoffes so schnell? Auch von Hirschhausen beschäftigten solche Fragen, bevor er sich entschied, an einer klinischen Impfstudie teilzunehmen. Seine intensive Auseinandersetzung mit der Corona-Impfung zeigte das Erste nun in der 45-minütigen Dokumentation "Hirschhausen als Impfproband": Die Kameras begleiteten ihn bei der Aufklärung, bei den Gesprächen mit den Ärzten und bei der Impfung selbst, aber auch beim Diskurs mit anderen Impfprobanden während seiner Vorbereitung.

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Lange hat sich Dr. Eckart von Hirschhausen mit der Frage auseinandergesetzt, ob er als Proband an der klinischen Impfstudie teilnehmen solle.  (Bild: WDR/Ben Knabe)
Lange hat sich Dr. Eckart von Hirschhausen mit der Frage auseinandergesetzt, ob er als Proband an der klinischen Impfstudie teilnehmen solle. (Bild: WDR/Ben Knabe)

Leiterin eines Seniorenheimes: "Ich sehe keine Alternative"

Zu Beginn ging der TV-Mann gemeinsam mit der Psychologin und Professorin für Gesundheitskommunikation Cornelia Betsch der Frage nach, warum viele so emotional auf die Impfung reagieren. Ein Grund dafür sei, dass eine Impfung Prävention sei, gab Betsch zu Bedenken. "Wenn wir Prävention betreiben, sind wir risikoavers, wir lehnen Risiken ab, weil wir initiieren etwas in einen gesunden Körper und wollen den ja nicht krank machen." Betsch: "Es ist was anderes, wenn ich krank bin, dann nehme ich jedes Risiko in Kauf, um wieder gesund zu werden."

Doch die eigentliche Frage, die in der Sendung dekliniert wurde, lautete ja: Was spricht für eine Impfung? In der Dokumentation wurde deutlich, dass vor allem Menschen, die Angehörige in einem Pflegeheim haben, einer Schutzimpfung eher positiv gegenüberstehen. Vor dem Eingang eines Seniorenheims begegnete von Hirschhausen zwei Frauen, deren demente 91-jährige Mutter an Corona erkrankt ist. Ihr gehe es nicht gut, verrieten sie. Nur kurze Zeit später erfuhr von Hirschhausen, dass die Patientin gestorben sei.

Ein extremer Moment in dem Beitrag, doch in den Einrichtungen gehören diese Fälle mehr oder weniger zum Alltag. "Man bekommt mit, dass Menschen sterben, dass Kollegen, die jung sind, schwer erkranken, und dass anderen es einfach schlecht geht", beschrieb Elisabeth Römisch, die Leiterin des Heimes, die Situation. Es komme auch vor, "dass Mitarbeiter vier Wochen krank sind und sagen: 'Ich komme kaum mehr die Treppe hoch', obwohl sie erst 30 Jahre alt sind". Sie verstehe daher nicht, dass man sich nicht impfen lassen wolle: "Für mich ist halt die Frage nach der Alternative. Ich sehe keine Alternative."

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Studienleiterin Professor Dr. Clara Lehmann von der Uniklinik Köln beantwortete viele Fragen von Eckart von Hirschhausen. Sie verstehe nicht, warum sich manche Menschen impfen lassen wollen, die in den Urlaub fahren, sich dann aber gegen eine Corona-Impfung stellen. (Bild: WDR/Ben Knabe)
Studienleiterin Professor Dr. Clara Lehmann von der Uniklinik Köln beantwortete viele Fragen von Eckart von Hirschhausen. Sie verstehe nicht, warum sich manche Menschen impfen lassen wollen, die in den Urlaub fahren, sich dann aber gegen eine Corona-Impfung stellen. (Bild: WDR/Ben Knabe)

"Das ist eigentlich Mittelalter"

Für viele Menschen ist womöglich die "Herdenimmunität" eine Alternative. Davon hält von Hirschhausen wenig. Er höre immer wieder das Argument, sagte er, dass man die Infektion durchmachen solle - das sei das Natürlichste, danach herrsche eine Herdenimmunität. Er erteilte einer solchen Haltung nun eine klare Absage: "Das ist so ein: 'Nur die Harten kommen in den Garten' und 'Wer die Krankheit aushält, der ist danach stark und die, die dabei sterben, sind selber schuld.' Das ist eigentlich Mittelalter und nicht besonders fortschrittlich", resümierte der 53-Jährige.

Die Frage nach einer Schutzimpfung betrifft allerdings nicht nur die Impfwilligen direkt, sondern für viele geht es bei der Entscheidung auch um das persönliche Umfeld. Impfprobandin Juliane beispielsweise erklärte von Hirschhausen, sie mache mit, weil sie selbst geschützt sein wolle, aber auch weil sie eine Verantwortung ihren Kindern gegenüber habe. "Ich möchte eigentlich auch, dass meine Kinder das erleben können, was ich erlebt habe als junger Mensch und nicht ihren Enkeln erzählen: 'Das Leben ist an uns vorbeispaziert." Impfproband Martin wolle sich vor allem wegen seiner Frau impfen lassen, aber auch wegen seiner Mitmenschen. "Ich bin doch nicht allein auf der Welt, oder?", fragte der 70-Jährige rhetorisch.

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Studienleiterin Prof. Dr. Clara Lehmann gab zu, dass man über die Langzeitnebenwirkungen der Corona-Impfung noch nicht viel wisse. Allerdings sei das bei jedem neuen Medikament so. Generell werde der Impfstoff bisher sehr gut vertragen. (Bild: WDR/Ben Knabe)
Studienleiterin Prof. Dr. Clara Lehmann gab zu, dass man über die Langzeitnebenwirkungen der Corona-Impfung noch nicht viel wisse. Allerdings sei das bei jedem neuen Medikament so. Generell werde der Impfstoff bisher sehr gut vertragen. (Bild: WDR/Ben Knabe)

Impfung gegen Tollwut ja, aber Impfung gegen Corona nein?

Oberärztin Prof. Dr. Clara Lehmann, die die Studie leitet, empfahl die Impfung, ohne Wenn und Aber: "Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum Leute, die zum Beispiel in den Urlaub fahren wollen, sich ohne mit der Wimper zu zucken impfen lassen. Das sind Impfstoffe, die teilweise wirklich nicht gut verträglich sind", gab sie zu bedenken. Beispiele seien Impfungen gegen Gelbfieber, Hepatitis oder Tollwut. "Das Risiko jetzt, an einer COVID-Erkrankung langfristig Schäden zu haben, ist viel größer als von irgendeinem komischen Affen gebissen zu werden."

Allerdings räumte auch Eckart von Hirschhausen ein, dass er lieber einen Impfstoff hätte, der bereits länger getestet wurde. Lehmann stimmte zwar der Ansicht zu, dass man nicht wisse, wie die Langzeitnebenwirkungen aussehen würden. Doch das wisse man bei keinem neu zugelassenen Medikament, betonte sie. "Das muss man natürlich beobachten und gegebenenfalls auch darauf reagieren. Das ist aber nicht zu erwarten, sonst würden wir das alle nicht machen", erklärte die Oberärztin. Der Impfstoff werde bisher sehr gut vertragen und sei sehr sicher.

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Wie sicher ist die Corona-Impfung? Und warum konnte der Impfstoff so schnell entwickelt werden? Fragen wie diesen stellte sich der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen für die Dokumentation "Hirschhausen als Impfproband". (Bild: WDR/Ben Knabe)
Wie sicher ist die Corona-Impfung? Und warum konnte der Impfstoff so schnell entwickelt werden? Fragen wie diesen stellte sich der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen für die Dokumentation "Hirschhausen als Impfproband". (Bild: WDR/Ben Knabe)

Impfprobandin: "Ich sehe das als großes Geschenk"

Laut SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, seit Pandemie-Ausbruch häufiger Gast in Talkshows zum Thema, stellt die neue Schutzimpfung keine größere Gefahr dar. Auch er plädierte ganz klar dafür: "Die Impfung ist auf jeden Fall besser als die Krankheit", betonte der 57-Jährige.

Doch warum konnte der Impfstoff so schnell hergestellt werden, während die Entwicklung anderer Vakzine häufig Jahre dauert? Dringliche Fragen wie diese wurden in der Sendung mithilfe von Grafiken erklärt: Generell müssten Forschende bei der Entwicklung eines Impfstoffes vor allem warten - auf Gelder, auf die Prüfung der Dokumente und auf freiwillige Testpersonen. Bei Corona jedoch wurde die Forschung finanziell unterstützt, die Prüfung der Dokumente wurde vorgezogen und schnell bearbeitet, und es fanden sich auch schnell freiwillige Probanden.

Am Ende fragte sich von Hirschhausen, ob ihm nun das Placebo oder doch die echte Impfung verabreicht wurde. Das werde er erst am Ende der Studie erfahren, erklärte Dr. Lehmann dem Probanden. Nun müsse er erst mal ein Jahr lang berichten, wie es ihm gehe. Als er nach der Impfung zur Beobachtung noch sitzen blieb, traf er auf eine weitere Impfprobandin. Sie sei überzeugt, dass der Impfstoff helfen werde, aus der Krise rauszukommen: "Ich sehe das als großes Geschenk von der Wissenschaft an die Bevölkerung." Ein Fazit, das einen Beitrag rundet, über dessen Tendenz es keine zwei Meinungen gibt. Ob nun trotz oder gerade wegen der eindeutigen Stoßrichtung: Hirschhausens Personality-Doku war sehenswert, sie lieferte Fakten und Hintergründe zu einer Debatte, die noch lange die Gemüter erhitzen wird.

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