Corona-Infektionsrisiko: Welche Orte sind besonders gefährlich?

Maria Mast, Alisa Schröter

Restaurants öffnen wieder, Parks und Bäder füllen sich, Supermärkte sowieso. Wie sich die Ansteckungsgefahr einschätzen lässt: ob unterwegs oder in klimatisierten Räumen.

Geschlossene Räume wie Aufzüge sind gefährlicher als Orte an der frischen Luft. © links: Gaurav Baya/​unsplash rechts: imago images

An manchen Tagen wirkt das Leben in Deutschland fast normal. Viele Menschen gehen zurück zur Arbeit, seit dem vergangenen Freitag haben in einigen Bundesländern Biergärten und Restaurants wieder geöffnet. Mal ein Kaffee bei einer Freundin auf dem Balkon? Nun doch Opa oder Tante besuchen? Die Menschen fühlen sich sicherer, das Virus aber infiziert noch immer Menschen – auch wenn pro Tag nicht mehr so viele Neuinfektionen dazukommen wie noch vor einigen Wochen. 

Damit diese Zahl weiter sinkt, kommt es darauf an, wie wir uns verhalten und das umsetzen, was wir aus den zurückliegenden Wochen gelernt haben. Dazu gehört auch, zu wissen, was an welchem Ort wichtig ist. Wo ist es besonders wahrscheinlich, sich anzustecken? Und wie verhält man sich am besten, um genau das zu vermeiden? Ein Guide

Wie das Virus sich in der Luft verhält

Seit Beginn der Pandemie ist bekannt, wie das Virus übertragen wird. Nämlich vor allem über die Tröpfchen, die wir beim Husten, Niesen und Sprechen in die Umgebung schleudern. Die größeren Partikel fallen innerhalb von eineinhalb Metern zu Boden. Die wichtigste Regel, um zu vermeiden, sich selbst und andere anzustecken, ist deshalb: Abstand halten. Daneben aber gibt es kleinere, mikroskopische Tröpfchen – die sogenannten Aerosole. Diese können weiter durch die Luft trudeln und dabei jemanden anstecken. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité geht inzwischen davon aus, dass fast die Hälfte der Infektionen durch eine Aerosolübertragung passiert, fast die andere Hälfte durch größere Tröpfchen, und nur ungefähr zehn Prozent durch Schmierinfektionen, wenn also jemand eine Fläche anfasst, auf der das Virus klebt, und danach mit derselben Hand Nase, Mund oder Augen berührt. 

Eine Forscherin vom Massachusetts Institute of Technology kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass kleinste Partikel, die beim Husten entstehen, fast fünf Meter weit wandern können – die, die beim Niesen entstehen, sogar fast acht Meter (Jama: Bourouiba, 2020). Aber auch beim Sprechen und sogar beim Atmen entstehen Aerosole. Masken unterbrechen zwar die Flugbahn, viele aber lassen kleine Partikelchen durch oder an den Seiten vorbei. Wie sie sich verteilen und wie hoch ihre Konzentration ist, hängt von vielem ab: Wie hoch ist die Viruskonzentration der infizierten Person? Wie lange spricht sie? Wie groß ist der Raum? Wie sehr steht die Luft? 

Infizierte Menschen geben nicht immer dieselbe Menge an Viren ab: Eine Studie aus Singapur ergab etwa, dass 30 untersuchte Corona-Patienten nur in der ersten Woche, in der sie Krankheitssymptome hatten, so viel Virus ausatmeten, dass sich eine maßgebliche Menge am Boden sammelte. In der zweiten Woche der Infektion waren die Wischproben schon nicht mehr positiv (medrxiv: Chia et al., 2020). 

Werfen wir nun einen Blick auf die verschiedenen Orte:

Keine Sorge vor Ausflügen in den Park

Theoretisch kann das Virus in kleinsten schwebenden Partikeln bis zu drei Stunden überleben (NEJM: van Doremalen et al., 2020). Wäre es also denkbar, dass eine infizierte Person im Park spazieren geht, auf dem Weg die Viren ausatmet und die Spaziergängerin, die einige Minuten oder gar Stunden später dieselbe Route geht, die winzigen Tröpfchen wieder einatmet? Theoretisch schon, es ist aber unwahrscheinlich. Untersuchungen gibt es bislang nur für geschlossene Räume. Und prinzipiell verdünnt sich die ausgeatmete Luft draußen schnell, der Wind zerstreut die Partikel. Wird der Mindestabstand von 1,5 Metern dort eingehalten, muss man sich nicht sorgen.

Wer sicher gehen will, kann etwas mehr Abstand halten. Auf dem Land ist ohnehin mehr Platz auf Wiesen und im Wald, aber auch in Städten gibt es genug Grünflächen. Verteilt man etwa alle Einwohner Münchens auf den Grünflächen der Stadt, teilen sich vier Personen hundert Quadratmeter, in Berlin wären es – zumindest theoretisch – nur eineinhalb Personen. Um wirklich so viel Platz zu haben, hilft es, Randzeiten zu nutzen oder am Wochenende auch mal einen abgelegenen Ort aufzusuchen. 

In geschlossenen Räumen hilft vor allem eines: Lüften

Zusammen essen, trinken, sich unterhalten und eine gute Zeit zusammen haben. Das geht nun wieder, etwa im Biergarten, aber auch in den Innenräumen von Cafés und Restaurants. Doch gerade in geschlossenen Räumen ist Vorsicht geboten: Die Partikel, die wir ausatmen, bewegen sich in den Räumen und folgen dabei einem Muster ganz ähnlich dem von Gerüchen, die sich in der Luft ausbreiten. Selbst größere Partikel können rund zehn Minuten in der Luft bleiben, sodass sie theoretisch von einem Ende zum anderen Ende eines Raumes schweben könnten, das haben zwei Physiker in einer Studie nachvollzogen (Anchordoqui/Chudnovsky, 2020, PDF). Die Bewegung hänge dabei von mehreren Faktoren ab, etwa der Position der Klimaanlagen, von den Heizkörpern im Raum, die die Luft nach oben steigen lassen, von den Fenstern, den Gegenständen und nicht zuletzt Personen, die durch ihre Bewegungen kleine Luftwirbel erzeugen. In Besprechungs-, oder Büroräumen, aber auch in Supermärkten und Kaufhäusern sei es aus rein physikalischer Sicht deshalb nicht ausreichend, einen Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern zu halten, schreiben die Forschenden. 

In Guangzhou steckte im Januar eine Person, die das Virus in sich trug, sich aber noch nicht krank fühlte, neun weitere Menschen in einem Restaurant an. Eine Studie (Emerging Infectious Diseases: Jianyun Lu et al.: 2020) beschreibt, wie die Klimaanlage die Partikel durch den fünf mal sechs Meter großen Restaurantraum bewegte. Aus der Sitzordnung der Gäste folgerte das Forscherteam, dass die Übertragung in dem Raum nicht allein über herabfallende Tröpfchen stattgefunden haben kann, da mindestens zwei der später infizierten Menschen mehrere Meter von der ersten infizierten Person entfernt saßen – und sogar entgegen der Windrichtung, in die die Klimaanlage die Partikel pustete. Es handelt sich hier zwar um einen einzelnen Fall, aber er zeigt, dass es darauf ankommt, wie ein Raumlüftungssystem funktioniert, ob es die Luft nur in Bewegung setzt oder tatsächlich austauscht. 

Sicherer ist es, im Restaurant einfach durch Fensteröffnen zu lüften, sagt auch Christian Drosten. Denn das sorge dafür, dass die Luft verdünnt und ausgetauscht wird. Auch Ventilatoren im Fenster oder an der Decke können helfen. Gerade im Frühsommer, wo die Raumtemperatur ohnehin eine Abkühlung gebrauchen kann, ist das eine gute Möglichkeit.

Einkaufen lässt sich recht gut managen

Im Supermarkt lässt es sich nicht vermeiden, anderen Menschen zu begegnen. Da der Einkaufsbummel normalerweise aber nicht so lange dauert wie ein Restaurantbesuch und viele Supermärkte ihre Raumluft austauschen, müsse man nicht die ängstliche Vorstellung haben, dass die Luft dort voller Viren sei, sagt Drosten in seinem Corona-Podcast. 

Wie ist es mit dem Griff des Einkaufswagens? Eine Infektion ist theoretisch möglich, wenn ein Mensch zuerst eine kontaminierte Fläche anfasst und danach sein Gesicht. Eine Studie der Gruppe um den epidemiologischen Modellierer Christophe Fraser geht allerdings davon aus, dass in höchstens zehn Prozent der Fälle eine Schmierinfektion hinter einer Übertragung steht (Science: Fraser et al., 2020). Wer sichergehen will, sollte dennoch darauf achten, die Hände immer dann gründlich zu waschen, wenn potenziell kontaminierte Flächen angefasst wurden. Viele Supermärkte bieten ihren Kunden an, sich vor dem Einkauf die Hände zu desinfizieren. Das schützt die nachfolgenden Einkäufer, nicht aber einen selbst. Deswegen ist es wichtig, auch nach dem Einkauf die Hände zu reinigen.

Im Büro sind wir zusammengepfercht

Experten weisen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion dort besonders groß ist, wo man sich längere Zeit mit anderen Menschen in einem geschlossenen Raum aufhält – also etwa in einem Büro oder im selben Haushalt. Zwei chinesische Studien schätzen aufgrund von Datenauswertungen die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer infizierten Person im Haushalt anzustecken, auf zwischen 14 (medrxiv: Jing et al., 2020) und 17 Prozent (Clinical Infectious Diseases: Li et al., 2020). Bei Ehepartnern ist die Gefahr besonders hoch, bei Kindern hingegen niedriger. Auffällig ist: Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken, ist damit deutlich geringer als bei anderen Krankheiten, die sich über die Luft verbreiten, etwa bei Masern, bei der sie bei 75 bis 90 Prozent liegt. 

Was bedeutet das für die Arbeit im Büro? Weniger Menschen im Großraumbüro, feste Laufwege und Plätze, die weit auseinander liegen – das alles hilft, die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sich jemand ansteckt. Vergangene Infektionsketten zeigen, dass die Übertragung im Büro wahrscheinlich ist, wenn keine bestimmten Verhaltensweisen und Sicherheitsregeln etabliert werden. Als wir noch wenig über das Virus wussten, konnte so schon im Januar eine Person mehrere andere anstecken. In Meetings, kleinen Besprechungsräumen, aber auch in der Kantine wurde das Virus dort weitergegeben. Der erste Fall in Deutschland verdeutlicht zudem, dass Menschen, die selbst gar nicht wissen, dass sie krank sind, infektiös sein können (Lancet: Böhner et al., 2020). Auch der Ausbruch in einem südkoreanischen Callcenter im März zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt, wenn man sich in einem Raum aufhält. Ein einzelner infizierter Mitarbeiter steckte hier über den Zeitraum einer Woche 92 der 94 Personen an, die auf demselben Stockwerk wie er arbeiteten (Emerging Infectious Diseases: Park et al., 2020). Fest steht: Großraumbüros, in denen sich viele Menschen lange Zeit aufhalten, sind Orte, an denen eine Infektion durchaus wahrscheinlich ist. Mit Hygieneregeln und Abstandhalten lässt sie sich senken, allerdings nicht ausschließen. 

Viren fahren Aufzug und Bahn, und sind auch Flugbegleiter

Es heißt also weiterhin: Abstand halten. Wer mehr läuft, Fahrrad fährt oder das eigene Auto nutzt, senkt das Risiko, sich anzustecken. Was aber, wenn das nicht geht? Etwa weil man ein Taxi nehmen muss oder auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist? Bus, Bahn und das Taxi sind kleine Kapseln, in denen Leute aufeinandertreffen oder in denen sie sich kurz nacheinander aufhalten. Es besteht die Möglichkeit, dass der Taxifahrer oder das Gegenüber in der Bahn infiziert ist. 

Wie ist es in kleinen Räumen mit den Keimen, die jemand zurücklässt? Richard Corsi, Ingenieur und Informatiker an der Portland State University und Spezialist für Innenraumluftqualität, hat das anhand einer Aufzugfahrt modelliert. Nehme man an, dass eine infizierte Person für dreißig Sekunden zehn Stockwerke in einem leerem Aufzug nach oben fährt und bei dieser Fahrt in ihr Telefon spricht. Oben öffnen sich die Türen für zehn Sekunden, die Person verlässt den Aufzug, der danach wieder nach unten fährt, ohne die Türen noch einmal zu öffnen. Unten steht die nächste Person, die den Aufzug betrifft. Corsi geht davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt noch ein Viertel der Virenmenge im Aufzug ist, die die erste Person zurückgelassen hat. Für den Moment ist es also noch immer empfehlenswert, die Treppe zu nehmen, wann immer es geht.

Das Problem mit der Kapsel und den vielen Menschen ergibt sich auch bei Flugreisen. Zwar hat jedes Flugzeug ein Filtersystem, das die Luft im Flugzeug ständig säubert und mit neuem Sauerstoff anreichert. Doch diese Filter hielten nur Bakterien zurück, keine Viren, sagte der Epidemiologe Timo Ulrichs gegenüber ZEIT ONLINE. Ausschlaggebend bei Flugreisen sei auch die Dauer: Je länger die Menschen in einem geschlossenen Raum sitzen müssen, desto wahrscheinlicher ist eine Infektion. Alles, was der Einzelne tun kann, ist, die allgemeinen Hygieneregeln zu beachten und zu versuchen, Abstand zu halten – auch wenn Letzteres im Flugzeug kaum machbar sein dürfte. Dafür müssten Fluglinien nämlich bestimmte Sitzplätze freilassen und das scheint zumindest aktuell noch nicht geplant zu sein. 

Ob es nun gefährlicher ist, im Taxi zu sitzen, den Aufzug zu nehmen oder auf die Philippinen zu fliegen, ist schwer zu beurteilen. Generell gilt aber folgende Faustregel: Je kleiner der Raum, je mehr Menschen an einem Ort, je schwieriger es ist, den Mindestabstand einzuhalten und je schlechter der Luftaustausch in einem Zimmer, desto höher die Ansteckungsgefahr. 

Im Schwimmbad gelten dieselben Abstandsregeln

Am Wochenende an den Badesee? Klingt erst mal gut. Aber was, wenn weitere Menschen dieselbe Idee haben – kann ich mich mit dem Virus anstecken, wenn eine infizierte Person im Wasser ist? Auch das ist theoretisch möglich, praktisch aber unwahrscheinlich. Zwar ist es denkbar, dass jemand das Virus ins Wasser trägt oder dass kontaminiertes Abwasser in Seen fließt. Doch bislang hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Hinweise darauf, dass Menschen sich über den Wasserweg angesteckt haben. Gegen eine Infektion im Wasser spricht die Tatsache, dass es sich bei Sars-CoV-2 um ein behülltes Virus handelt, das nicht besonders lange im Wasser überleben kann. 

Nach aktuellen Erkenntnissen ist noch unklar, ob sich Menschen auch über das Abwasser mit Sars-CoV-2 infizieren können (International Journal of Infectious Diseases: Amirian 2020). Allerdings durchläuft das Abwasser in Deutschland einen aufwendigen Reinigungsprozess, bevor es in die Natur geleitet wird. Und selbst wenn Viren in das Badewasser gelangen und dort einige Zeit überleben, verdünnt sich die Viruslast im Wasser so schnell, dass eine Infektion im Wasser unwahrscheinlich ist. 

Schwimm- und Freibäder sind zwar fast überall noch geschlossen – doch das könnte sich ändern, wenn die Länder ihre Corona-Maßnahmen im Mai und Juni weiter lockern. Der Vorteil bei Schwimm- und Freibädern gegenüber freien Gewässern ist, dass das Wasser regelmäßig filtriert und mit Chlor desinfiziert wird – eine effektive Maßnahme, um Viren zu inaktivieren. Ein Infektionsrisiko besteht in Badeanstalten eher dann, wenn sich zu viele Menschen auf engem Raum drängen, egal ob im Wasser oder auf der Badewiese. Deshalb gilt am See, im Freibad oder Schwimmbad genau dieselbe Regel wie überall sonst: Abstand halten, und zwar mindestens 1,5 Meter. 

Krankenhäuser sind Corona-Hotspots

Krankenhäuser sind Hotspots für Übertragungen des Coronavirus, darauf weist das Robert Koch-Institut in seinen Lageberichten hin. Dass sich Menschen in Krankenhäusern mit Sars-CoV-2 anstecken, ist verständlich – immerhin kommen ins Krankenhaus all jene, die ein ernsthaftes Leiden haben, und darunter fällt ein schwerer Verlauf von Covid-19. Zwar werden Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden oder Corona-typische Symptome haben, auf separaten Stationen behandelt. Doch Hajo Grundmann, Leiter des Instituts für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum in Freiburg, sagt, dass es insbesondere in der ersten Zeit der Corona-Pandemie öfter dazu gekommen sei, dass Patienten mit dem Coronavirus infiziert waren, aber nicht als solche erkannt wurden. Die lagen dann auf ganz normalen Stationen und kamen in Kontakt mit vielen Klinikmitarbeitern, aber auch mit nicht infizierten Patienten.

Mittlerweile habe sich die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland aber wieder soweit reduziert, dass es sehr unwahrscheinlich sei, im Krankenhaus einem Infizierten über den Weg zu laufen, sagt Grundmann. Wer also ins Krankenhaus muss, sollte das nicht länger als nötig rausschieben. Um mögliche Infektionen zu vermeiden, empfiehlt der Krankenhaushygieniker eine Reihe von Maßnahmen: Das Krankenhauspersonal sollte bei der direkten Behandlung von Covid-19-Patienten Masken mit FFP2-Schutzniveau tragen, bei allen anderen Patienten einen Mund-Nasen-Schutz. Auch die Patienten selbst bekommen einen Mund-Nasen-Schutz und sollten nach Möglichkeit den Mindestabstand zu anderen Patienten einhalten, etwa indem die Betten ausreichend weit voneinander aufgestellt sind. Außerdem, darauf weist Grundmann hin, sei es ganz wichtig, regelmäßig die Räume zu lüften. Denn nur wenige Räume seien mit einem Lüftungssystem ausgestattet, das Krankheitserreger aus der Luft filtern kann. Deshalb müssten herkömmliche Lüftungsmethoden herhalten, die sich aber auch schon bei Tuberkulosepatienten bewährt hätten. Beim Krankenhausessen müssten Patienten keine Angst haben: Im Universitätsklinikum Freiburg werde das Essen hygienisch angerichtet und von Personal mit desinfizierten Händen ausgeteilt.

Manche Sportarten sind Covid-19-tauglicher als andere

Fußballtraining mit der gesamten Mannschaft, Yoga im Park oder mit dem Kollegen Tennis spielen – geht all das noch, wo Körperkontakt und Nähe eigentlich tabu sind? Die Bundesländer haben sportliche Aktivitäten mittlerweile wieder erlaubt – zumindest, wenn der Sport unter freiem Himmel stattfindet und eine ganze Reihe von Infektionsschutzregeln eingehalten werden können. Konkret bedeutet das: Körperkontakt ist verboten, Sportler müssen einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, Umkleiden und Duschkabinen bleiben geschlossen, Trainingsgeräte sollten nach dem Benutzen desinfiziert werden. 

Da zeigt sich schon: Manche Sportarten sind Covid-19-tauglicher als andere. Beim Tennis, Kanusport oder in der Leichtathletik ist die Wahrscheinlichkeit, einem Teamkollegen zu nahe zu kommen, niedriger als beim Rugby oder Fußball. Doch auch Fußballer und Fußballerinnen dürfen mancherorts wieder aufs Feld – solange sie in Kleingruppen trainieren. Die Spieler könnten also ein Zirkeltraining mit verschiedenen Stationen machen, statt sich als gesammelte Mannschaft aufs Feld zu stellen.

Beim Sport in geschlossenen Räumen sind sich die Bundesländer hingegen uneinig: Während Indoor-Sport etwa in Sachsen-Anhalt bis zum 25. Mai verboten bleibt, hat das Saarland schon jetzt den Betrieb von Tanzstudios erlaubt. Ob das aus epidemiologischer Sicht sinnvoll ist, bleibt fraglich: Eine Forscherteam aus Südkorea fand heraus, dass acht Fitnesstrainer und -trainerinnen insgesamt 217 Personen ansteckten, die in verschiedenen Fitnessstudios einen Kurs bei den infizierten Coaches belegt hatten (Emerging Infectious Diseases: Jang et al. 2020). Die Autoren vermuten, dass kleine Kursräume, viele Teilnehmer und intensive Workouts dazu geführt haben könnten, dass sich die Sportler und Sportlerinnen ansteckten. 

Die Rolle von Schulen und Kitas bleibt unklar

Bislang haben die Bundesländer nur sehr vorsichtig Schulen und Kitas geöffnet: Mancherorts durften nur einzelne Klassenstufen zurück in die Schule, andernorts werden Schüler in Kleingruppen unterrichtet, Tische zwei Meter auseinander gerückt, Pausen zeitlich gestaffelt oder, etwa in Berliner Schulen, Eingangskontrollen für Toiletten durchgeführt, damit sich nicht zu viele Schüler auf einmal auf dem Klo aufhalten. 

Doch erst kürzlich richteten sich vier medizinische Fachverbände in einem Schreiben an Kommunen und Länder und forderten, den Kita- und Schulbetrieb wieder normal aufzunehmen – in Kitas, Kindergärten und Grundschulen auch ohne größere Einschränkungen wie etwa Mundschutzpflicht oder Unterricht in Kleingruppen. In dem Appell weisen die Mediziner und Medizinerinnen darauf hin, dass Kinder "keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik" von Sars-CoV-2 spielen. Sie beziehen sich dabei auch auf Forschungsergebnisse, die zeigen sollen, dass Kinder in Infektionsketten selten der Startpunkt sind (lesen Sie hier eine Analyse dieser Ergebnisse).

Die Forschung ist zu diesem Thema allerdings sehr uneindeutig. Christian Drosten veröffentlichte kürzlich einen Forschungsbericht, in dem er gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen die Viruslast bei Covid-19-Erkrankten verschiedener Altersgruppen analysierte (Jones et al., 2020, noch nicht peer-reviewed). Drosten kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder ähnlich viel Viruslast in sich tragen wie Erwachsene und deshalb ähnlich ansteckend sein könnten. Auch epidemiologische Daten zu Ausbrüchen in Schulen zeigen, dass sich das Virus schnell innerhalb einer Schule ausbreiten und dann auf die Familien der Schüler überspringen kann (MedRxiv: Fontanet et al., 2020, noch nicht peer-reviewed). Welche Rolle Kinder und Jugendliche wirklich bei der Ausbreitung der Pandemie spielen, kann deshalb noch nicht abschließend gesagt werden. 

Nicht jede Großveranstaltung ist gleich gefährlich

Auf Festivals und Dorffeste werden wir noch eine Weile verzichten müssen, denn Bund und Länder haben beschlossen, dass Großveranstaltungen bundesweit bis zum 31. August 2020 verboten bleiben. Je nach Bundesland dürfen kleinere Feiern wie Hochzeiten oder Beerdigungen stattfinden – das allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen, die wiederum von Land zu Land variieren. Auch Demonstrationen sind unter Auflagen erlaubt. 

Wer an einer Veranstaltung mit mehreren Personen teilnehmen will, kann sich im Vorhinein ein paar Fragen beantworten und sich so über das Infektionsrisiko bewusst werden. Denn nicht jedes Event ist gleich riskant, nicht überall ist die Ansteckungsgefahr gleich groß: Findet die Veranstaltung im Freien oder in einem geschlossenen Raum statt? Wie viele Menschen werden vor Ort sein? Wie eng wird der Kontakt zwischen den Anwesenden sein? Ist abzuschätzen, ob besonders viele alte Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen teilnehmen werden? 

So birgt eine Veranstaltung, auf der Menschen miteinander tanzen und engen Körperkontakt haben, eine größere Ansteckungsgefahr als Events, wo der Mindestabstand eingehalten werden kann. Und die Beerdigung der Großmutter, bei der viele Bekannte aus dem Seniorentreff anwesend sein werden, könnte schlimmere Folgen haben als ein Familientreffen unter den jüngeren Generationen. 

Bei all diesen Abwägungen sollte man aber im Hinterkopf behalten: Veranstaltungen mit vielen Teilnehmenden haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Virus so schnell verbreiten konnte – sei es nun der Karneval in Gangelt oder die Aprés-Ski-Party im österreichischen Ischgl. Wer Menschenansammlungen vermeiden kann, sollte das also auch weiterhin tun.