Corona-Krise in Thailand: Der Thailand-Urlaub muss noch warten

Mathias Peer

Thailand scheint die Krise im Griff zu haben. Dennoch öffnet das Land nur vorsichtig seine Grenzen für den Tourismus. Eine Katastrophe für die vielen, die von ihm leben.

Die Touristenattraktionen in Thailand besucht derzeit kaum jemand, das Land öffnet seine Grenzen nur langsam. © Mladen Antonov/​AFP/​Getty Images

In seinen 30 Jahren als Schneider in Thailand hat Vikas Bhatla schon viel erlebt: Regierungsgegner, die den Bangkoker Flughafen tagelang lahmlegen, gewaltsam niedergeschlagene Proteste mit vielen Toten in der Innenstadt, Militärputsche, meterhohes Hochwasser und ein ganzes Land im Tsunami-Trauma. Aber dass es in der berühmten Touristenstraße Khaosan Road, wo Bhatla normalerweise seine maßgeschneiderten Anzüge verkauft, gar keine Urlauber mehr gibt, ist auch für den alteingesessenen Unternehmer eine neue Erfahrung.

Bhatlas Laden liegt zwischen einem stillgelegten McDonald's und einem Nachtclub, in dem schon seit Wochen keiner mehr getanzt hat. Vor seiner Tür buhlten früher Masseurinnen und Streetfoodverkäufer um Kundschaft. Jetzt ist da nur noch ein älterer Herr, der auf einem Plastikstuhl eine Zigarette raucht. Fast alle Rollläden in der Nachbarschaft sind heruntergelassen. Auch Bhatla ist nur in seinem Laden, weil er Papierkram zu erledigen hat. Er muss Rechnungen bezahlen und die Miete überweisen. Umgerechnet rund 8.500 Euro fallen jeden Monat an Fixkosten an. Einnahmen hat der Geschäftsmann, der ursprünglich aus Indien stammt, nicht mehr: "Ich kann das vielleicht noch zwei oder drei Monate aushalten", sagt er. "Danach ist hier Schluss."

Die Zukunftssorgen des Unternehmers teilt ein großer Teil des Landes: Thailands Wirtschaft ist abhängig von den Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft. Doch die Corona-Krise setzt die Urlaubsdestination nun auf Entzug. Seit Anfang April sind die internationalen Flughäfen für ausländische Gäste geschlossen. Das Land, das noch im vergangenen Jahr knapp 40 Millionen Touristen zählte, hat sich abgeschottet – aus Sorge vor der Viruspandemie. Doch angesichts wachsender sozialer und wirtschaftlicher Probleme drängt sich zunehmend die Frage auf: Wie lange kann sich Thailand die Vorsicht noch leisten?

500 Millionen Euro pro Tag

Von der Khaosan Road bis zum Königspalast, Bangkoks wichtigster Touristenattraktion, braucht man zu Fuß eine Viertelstunde. Auf dem Weg sind auffallend viele Obdachlose zu sehen, die am Gehsteig schlafen. Ein paar Meter vom Palasteingang entfernt wartet Herr Banchai in der prallen Sonne mit seinem Tuk Tuk auf Passagiere. Früher habe er hier mit den Urlaubern, die er von einer Attraktion zur nächsten brachte, locker 1.000 Baht, umgerechnet rund 30 Euro am Tag, verdient, erzählt er. Jetzt steht sein dreirädriges Gefährt fast den ganzen Tag still. Nach einem bereits neunstündigen Arbeitstag zieht er Bilanz: "Heute hatte ich nur drei Fahrten – zweimal 60 Baht, einmal 80 Baht." Banchai, der sich bei seinen Passagieren mit dem Spitznamen Banana vorstellt, ist 48 Jahre alt. Er hat einen Sohn, der an der Uni studieren möchte. "Das Geld reicht uns gerade hinten und vorn nicht", sagt er.

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