Länder verschärfen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus

Aufnahme für Corona-Verdachtsfälle in Cremona

Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verschärfen immer mehr Länder ihre Maßnahmen. Italien verfügte am Mittwoch die Schließung aller Schulen und Universitäten bis Mitte des Monats, Saudi-Arabien stoppt alle Pilgerfahrten nach Mekka und Medina. Die Bundesregierung untersagte den Export von Schutzmasken und anderer Schutzausrüstung. Auch Russland erließ ein Ausfuhrverbot, in Frankreich sollen Schutzmasken nur noch auf Rezept ausgegeben werden. Unterdessen infizierten sich zwei Mitarbeiter von Brüsseler EU-Institutionen mit dem Virus.

Italiens Regierung beschloss die Schließung aller Schulen und Universitäten bis zum 15. März. Italien ist derzeit das am schwersten von der Epidemie betroffene Land Europas. Die Zahl der Todesopfer dort stieg am Mittwoch nach Behördenangaben auf 107, die Zahl der Infizierten auf 3089.

Der Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium in Berlin teilte mit, das Ausfuhrverbot betreffe außer Schutzmasken auch Handschuhe und Schutzanzüge. Ausnahmen seien nur unter engen Voraussetzungen im Rahmen internationaler Hilfsaktionen möglich. Zudem zog das Bundesgesundheitsministerium die Beschaffung medizinischer Schutzausrüstung für Arztpraxen, Krankenhäuser und Bundesbehörden an sich. In Deutschland wurden bisher 240 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt.

Bereits am Dienstag hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angeordnet, alle Vorräte sowie die Produktion von Schutzmasken zu beschlagnahmen. Am Mittwoch verfügte die Regierung in Paris, Schutzmasken nur noch gegen Rezept auszugeben. WHO-Chef Tedros hatte zuvor gewarnt, "wachsende Nachfrage, Hamsterkäufe und Zweckentfremdung" von Masken und Schutzbrillen gefährdeten weltweit den Kampf gegen das neuartige Coronavirus.

Die russische Regierung untersagte den Export von 17 Utensilientypen, darunter Schutzmasken und -anzüge, Handschuhe sowie Atemgeräte. Die indonesische Polizei beschlagnahmte in einem Lagerhaus in Jakarta 600.000 Schutzmasken. Vor einem Supermarkt in Südkoreas Hauptstadt Seoul standen am Mittwoch mindestens 500 Menschen für Atemmasken Schlange.

Südkorea ist nach China das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land. Am Mittwoch meldeten die Behörden mit 435 neuen Fällen den geringsten Zuwachs seit einer Woche. Insgesamt haben sich dort 5621 Menschen infiziert, 32 Infizierte starben.

China meldete den dritten Tag in Folge einen Rückgang der Neuinfektionen: Die Zahl wuchs um 119 auf 80.200. Die Zahl der Todesopfer stieg um 38 auf 2981. Die meisten Todesopfer außerhalb Chinas verursachte das neuartige Coronavirus im Iran. Laut Teheraner Gesundheitsministerium stieg die Zahl der Toten am Mittwoch um 15 auf 92. Die Zahl der Neuinfektionen stieg demnach um 586 auf insgesamt 2922 Fälle.

Saudi-Arabien untersagte bis auf Weiteres alle Pilgerfahrten nach Mekka und Medina. Bereits vorige Woche hatten die Behörden die Vergabe von Visa für die Umrah, die so genannte kleine Pilgerfahrt, gestoppt.

Aus Brüssel wurden zwei erste Fälle von Coronavirus bei Mitarbeitern von EU-Institutionen gemeldet. Es handelt sich um einen Mitarbeiter der Europäischen Verteidigungsagentur sowie einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des Europäischen Rats. Beide Betroffenen stehen unter Quarantäne. Der Rat plant bislang jedoch nicht, geplante Veranstaltungen wie den EU-Gipfel am 26. März abzusagen.

Israel will derweil Reisende aus Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten nur noch einreisen lassen, wenn sie über einen festen Wohnsitz in Israel verfügen. Dort sollen sie nach der Einreise für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt werden.