Corona-Verstöße von Nachbarn: "Wer im Groll Kontakt sucht, wird keine friedliche Lösung erreichen"

Nele Spandick
·Lesedauer: 2 Min.

In der WG nebenan feiern Studenten, der alte Herr im Erdgeschoss lädt jede Woche zum Doppelkopfabend ein. Was tun? Tipps von einer Expertin für schwierige Gespräche

Den Streit über den Balkon klären? Wohl nicht die beste Idee © Martin Bureau/​AFP/​Getty Images/​AFP/​Getty Images
Den Streit über den Balkon klären? Wohl nicht die beste Idee © Martin Bureau/​AFP/​Getty Images/​AFP/​Getty Images

Nervereien zwischen Nachbarn und Nachbarinnen sind völlig normal. Mal spielt das Kind zu laut (und vor allem zu schief) Geige, dann wird der Müll nicht ordentlich getrennt oder irgendein Nachbar bestellt ständig Klamotten im Internet, ist aber nie da, um die Pakete anzunehmen. Meist lässt sich das einfach so hinnehmen. Doch in Coronazeiten ist die Situation eine andere: Wenn jetzt die Nachbarin nebenan eine Party veranstaltet, dann ist das nicht nur nervig – sondern auch gegen die Corona-Verordnungen. Wie geht man damit am besten um? Birgit Nickel ist Mediatorin und hat schon bei einigen Nachbarschaftskonflikten vermittelt. Sie weiß, wie man auch in schwierigen Situationen gut kommunizieren kann.

ZEIT ONLINE: Frau Nickel, angenommen, ich höre laute Musik aus der Nachbarwohnung, Gelächter und Getrampel sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass definitiv mehr als zwei Haushalte beisammen sind. Was sollte ich tun?

Birgit Nickel: Sie spielen mit Ihrer Frage darauf an, dass die Corona-Regeln missachtet werden und dass es sich dabei um klare Regeln mit unumstößlicher Auslegung handelt. Mit der Konzentration auf moralische Ansprüche, der Kategorisierung von richtig oder falsch kommt man hier aber nicht weiter, wenn man das nachbarschaftliche Miteinander bewahren will. Da gerät der andere schnell in die Kategorie Feind, was kein konstruktiver Ansatz ist.

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit genau?

Nickel: Man sollte sich erst über die jeweiligen Bedürfnisse bewusst werden – und erst danach das Gespräch suchen. Überlegen Sie, was Sie selbst wirklich bewegt: Was ärgert Sie ganz genau? Haben Sie Sorge um Ihre Gesundheit oder ist es Ihnen vor allem daran gelegen, offen Ihre Meinung zu sagen? Unabhängig davon sollten Sie in jedem Fall abwarten, bis der Besuch gegangen ist – erst dann ist der richtige Zeitpunkt, damit das Gespräch auch gelingen kann. Sie sollten dann erst einmal deutlich machen, was Sie beschäftigt und was Ihnen wichtig ist. Dann formulieren Sie in einer klaren Bitte, was Sie sich wünschen. Und anschließend sollten Sie zuhören, was die andere Seite zu sagen hat.

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