Coronakrise: Sinkende Ölpreise könnten ins Negative fallen

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Wegen der Coronakrise fährt die Welt weniger Auto. Das hat auch Auswirkungen auf den Ölpreis. Der sinkt nicht nur, er könnte sogar ins Negative fallen.

Wegen der Coronakrise ist die Nachfrage nach Öl weltweit gesunken. (Bild: Getty Images)

Einige Analysten vergleichen die aktuelle Situation mit dem Jahr 2015, als in Kanada der Ölpreis negativ war. "Ich denke, dass wir eine ähnliche Entwicklung erwarten können", wird Per Magnus Nysveen, Analyseleiter des Forschungsunternehmens Rystad Energy vom Wirtschaftsmagazin Business Insider zitiert. "Durch diese besonderen Umstände sind wir schon fast im negativen Bereich."

Wertloses Öl?

In den vergangenen Wochen ist der Ölpreis deutlich gesunken. Der Wert für die Rohölsorte Brent fiel um 60 Prozent. Ein Barrel wird derzeit für 20 bis 30 US-Dollar gehandelt. Anfang des Jahres lag der Preis noch bei 60 Dollar, wie Business Insider berichtet. Tendenz: weiter fallend.

"Wir werden die niedrigsten Preise erst im Mai sehen", erklärt Nysveen. Dann könnte der Tiefstpreis für ein Barrel Brent auf etwa 15 Prozent fallen. Billigere Sorten würden noch weniger kosten.

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Ursache für den Preissturz ist die Coronavirus-Pandemie. Sie hat dazu geführt, dass die Nachfrage für Öl deutlich zurückgegangen ist. In vielen Regionen der Welt, darunter auch Deutschland, herrschen strenge Ausgangsbeschränkungen. Mit der Maßnahme, die auch Auswirkung auf das Fahrverhalten der Menschen hat, wollen die Regierungen die Infektionskrankheit eindämmen oder ihre Ausbreitung verlangsamen.

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Die Preise für Benzin und Diesel könnten deutlich sinken. (Bild: Getty Images)

Öl verschenken, statt verkaufen

Mit dem Sinken der Nachfrage steigen die Reserven in den Förderstaaten. In einem solchem Fall droht der Preis ins Negative zu fallen. Ab einem gewissen Punkt ist es für die Produzenten billiger, Öl zu verschenken oder die Käufer für die Abnahme sogar zu bezahlen, erklärt Analyst Nysveen. Der Grund: Transport und Lagerung von Öl kostet die Produzenten viel Geld.

Sollte es zu einem solchen Szenario kommen, dann würde die Negativpreispolitik allenfalls auf der Unternehmensebene stattfinden. Für die Endverbraucher bedeutet das nicht, dass sie ihre Autos kostenlos tanken könnten. Benzin und Diesel wären aber deutlich billiger.

Von Dauer wären die Negativpreise indes nicht. "Vermutlich wäre es nur ein kurzfristiges Problem, weil der Markt aggressive Maßnahmen ergreifen würde", erklärt Ryan Todd, ein Analyst bei Simmons Energy. Zu solchen "aggressiven Maßnahmen" könnte eine Drosselung der Ölförderung gehören.

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