Coronavirus: So sprechen Sie mit Ihren Kindern über ihre Ängste

Es ist in Zeiten des Internets schwierig geworden, Kinder gänzlich vor schlimmen Nachrichten zu bewahren. Doch wie spricht man mit ihnen über schwere Themen, wie etwa die Bedrohung durch den Coronavirus? Ruhe und Fakten sind dabei die beiden wichtigsten Zutaten.

Sich so zu schützen wie dieser chinesische Junge in Peking, müssen sich Kinder hier zum Glück nicht. Dennoch haben viele Kinder Ängste, wenn sie von der ungewissen Bedrohung lesen oder hören. (Bild: Kevin Frayer/Getty Images)

Heutzutage haben oft schon Grundschulkinder ein eigenes Smartphone. Viele benutzen bereits als Zehnjährige Apps wie TikTok, Instagram oder Snapchat. Dort begegnen sie oft relativ unkontrollierten Inhalten. Manchmal reicht es aber auch schon, dass sie ganz klassisch etwas auf dem Schulhof hören oder aus Nachrichten und von Erwachsenengesprächen mitbekommen und sich im Internet selbst Informationen suchen. Was ihnen dort zum Teil begegnet, kann für Kinder ziemlich angsteinflößend sein. Der Coronavirus, der seit einigen Wochen in der chinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen ist, ist dafür ein gutes Beispiel. Beziehungsweise ein schlechtes, denn über den Virus, der inzwischen wegen der Verwechslungsgefahr mit weniger gefährlichen Grippeviren offiziell COVID-19 heißt, kursieren viele Gerüchte und Halbwahrheiten im Netz. Für Kinder ist das besonders verwirrend.

Ehrlichkeit und Gelassenheit helfen

Wichtig ist es für Eltern und Lehrkräfte daher erstmal, selbst die Fakten parat zu haben, wenn sie merken sollten, dass sich die Kinder mit dem Thema beschäftigen. Wahr ist, dass sich bislang mindestens 70.000 Menschen mit dem Virus infiziert haben, die Großzahl davon in China. Weltweit gibt es 1.770 nachgewiesene Todesfälle, davon auch einer in Frankreich, es ist der bisher einzige in Europa. Eltern aus England berichteten dem Independent, dass ihre Kinder plötzlich riesige Angst vor dem Virus hätten und nun zum Beispiel obsessiv die Hände desinfizieren würden. Eine Mutter erzählte dem Onlinemagazin sogar, dass ihre sechsjährige Tochter plötzlich zuhause gesagt habe, dass alle Chinesen schlechte Menschen seien. Es ist die Folge von Gerüchten und der Überforderung durch nicht kindesgerechte Nachrichten. Die Panikmache mancher Medien und die Hysterie unter den Erwachsenen überträgt sich auf die Kinder, ohne dass diese sie einordnen können.

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Die Eltern und Erzieher tun deshalb gut daran, auch die schwierigen Themen mit den Kindern ruhig und ehrlich zu besprechen. Dabei geht es nicht darum, die kleinen mit Lügen zu beruhigen, aber ein gelassenes Auftreten der Erwachsen wird sich beruhigend auf die Kinder und ihre irrationalen Ängste auswirken. Zu den Fakten gehört schließlich auch, dass ein Kind in Europa, das sich mit dem Virus anstecken würde, dank schneller und guter Behandlung höchstwahrscheinlich wieder gesund werden würde. Es hilft, den Kindern diese Tatsache und die niedrigen Ansteckungszahlen in ihrem Heimatland noch einmal klar zu machen.

Eltern sollten die sicherste Informationsquelle sein

Diane Bales, Professorin für Familienwissenschaften an der Universität von Georgia, bestätigte das dem Independent gegenüber. Wichtig sei vor allem, dass Eltern weiterhin als die sicherste und verlässlichste Quelle für Kinder gelten. Zu detailliert müssen die Informationen nicht sein, vor allem sollten die dringlichsten Fragen der Kinder beantwortet werden. Es gilt, die Ängste der Kinder nicht vom Tisch zu wischen, sondern sie ernst zu nehmen und zu beruhigen. Manchmal können dabei kleine Tricks helfen, wenn es dem Kind beispielsweise Sorgen nimmt, gemeinsam gründlich die Hände zu waschen, kann man das als Ritual einführen. Auch andere ohnehin praktische Gesundheitshinweise, wie etwa nicht mit unbedecktem Mund zu husten und sich zu schnäuzen, kann den Kindern das Gefühl geben, selbst aktiv etwas gegen eine Ansteckung zu machen. Erkältungen und normale Viren gehören aber zum Leben dazu, auch das können die Kinder ruhig wissen. Manchmal hilft es auch schon, sich die Sorgen der Kleinen einfach nur anzuhören und sie in den Arm zu nehmen.

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Grundsätzlich gilt für alle schwierigen Themen aber heute mehr denn je, die Kinder bei ihren ersten Schritten im Internet und den sozialen Medien am besten zu begleiten. So lässt sich vermeiden, dass sie auf “Fakenews” hereinfallen und sie können lernen, woran Gerüchte und Nachrichten zu unterscheiden sind. Dann kommen unnötige Ängste und Sorgen vielleicht gar nicht erst auf.

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