Verwirrung um Ibuprofen: WHO zieht Warnung wieder zurück

Um Ibuprofen gab es in den letzten Tagen einige Verwirrung (Symbolbild: Getty Images)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Warnung vor der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus zurückgenommen.

Die WHO-Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe. «Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab», teilte die WHO mit. Das hatte sie am Dienstag noch getan, und statt Ibuprofen Paracetamol empfohlen.

Zuvor hatte der französische Gesundheitsminister am Wochenende mit einem Tweet, in dem er vor Entzündungshemmern wie Ibuprofen warnte, Aufsehen erregt.

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Der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon hatte sich ähnlich geäußert und von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) abgeraten. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen neben Ibuprofen auch Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) und Diclofenac. Es gibt einen Beitrag im Fachjournal “Lancet”, in dem eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ibuprofen erwähnt wird. Die Fallzahl der Studie ist aber äußerst gering.

In Frankreich steht Ibuprofen seit 15. Januar nicht mehr frei vorne in der Apotheke, sondern nur noch hinter dem Schalter. Die Apotheker verkaufen es weitgehend ohne Rezept. Damit soll jedoch eine entsprechende Beratung sichergestellt sein.

Alltag mit Covid-19: Was wir jetzt tun müssen

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) schloss am Wochenende nicht aus, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, bei der Lungenerkrankung Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. “Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis”, erläutert der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. “Bei Paracetamol ist das nicht der Fall.”

Faktencheck: Uniklinik Wien hat nicht vor Ibuprofen gewarnt

In sozialen Netzwerken verbreitet sich seit Tagen eine Nachricht, der zufolge Ibuprofen die Vermehrung von Coronaviren begünstige. Dies hätten Forscher der Uniklinik Wien herausgefunden, hieß es.

Bewertung: Die Uniklinik Wien distanziert sich von den Behauptungen und spricht von “Fake News”. Es ist nicht belegt, dass Ibuprofen die Vermehrung des Virus Sars-CoV-2 verstärkt.

Fakten: Die Universität Wien schrieb bei Facebook und Twitter von einer Falschnachricht: “Achtung, bei den derzeit kursierenden WhatsApp-Text- und Sprachnachrichten rund um angebliche Forschungsergebnisse der ‘Wiener Uniklinik’ zu einem Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Covid19 handelt es sich um #FakeNews, die in keinerlei Verbindung mit der #MedUniWien stehen.”

Dass Menschen mit grippeähnlichen Symptomen vermehrt zu Schmerzmitteln greifen, sei nicht überraschend, sagte der Direktor der Uniklinik, Markus Müller, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Daraus einen Zusammenhang mit Sars-CoV-2 zu konstruieren, sei jedoch falsch.

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Es gibt zwar mehrere Hypothesen über die Wirkung verschiedener Präparate auf Coronavirus-Infektionen, doch konnten diese bislang nicht durch klinische Daten belegt werden. Im Fachblatt “The Lancet” wurde ein Beitrag veröffentlicht, der sich auf die statistische Auswertung von Krankheitsverläufen in China stützt.

Die Wissenschaftler äußern darin die Vermutung, dass sogenannte ACE-Hemmer - Medikamente, die den Blutdruck senken - den Krankheitsverlauf von Covid-19 negativ beeinflussen könnten. Ibuprofen könnte demnach einen ähnlichen Einfluss wie die ACE-Hemmer haben. Die Autoren des “Lancet”-Beitrags behaupten jedoch nicht, dass der schädliche Einfluss von ACE-Hemmern belegt sei.

In einem Artikel in der Zeitschrift “Nature Reviews Cardiology” kamen die Autoren zu einem ähnlichen Schluss: Die Gabe von ACE-Hemmern bei Covid-19-Patienten solle sorgfältig abgewogen werden, da die Zusammenhänge noch nicht geklärt seien.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie rät allerdings in einer Pressemitteilung Ärzten und Patienten dringend dazu, eine Behandlung mit ACE-Hemmern weiterzuführen. Es gebe derzeit keinen Beleg für einen schädlichen Effekt dieser Medikamente bei Covid-19-Erkrankten.

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