CSU-Parteitag: Der neue Sound aus Bayern

Mariam Lau

Mehr Callcenter als Biergarten-Charme: Auf dem virtuellen CSU-Parteitag verliert Markus Söder kein Wort über die K-Frage. Die Partei versucht sich an Bescheidenheit.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Parteichef Markus Söder © Peter Kneffel/​Reuters

1.000 Meter Videokabel, eine Star-Trek-Tasse auf dem Tisch des Parteivorsitzenden und Applaus vom Band – der erste virtuelle Parteitag der CSU war als Teil ihrer Selbstmodernisierung schon lange geplant, bevor die Corona-Krise ihn nun erzwang. Generalsekretär Markus Blume und Staatsministerin Dorothee Bär war als Parteitagsregie die Anstrengung anzumerken, etwa den Redefluss eines Alexander Dobrindts bei laufend auf sie gerichteter Kamera zu unterbrechen und gleichzeitig immer höflich und verbindlich zu lächeln.

Es sollte auf jeden Fall alles besser klappen als bei den Grünen, bei denen es letztens von angeschnittenen Köpfen und unfreiwillig offenen Mikrofonen nur so gewimmelt hatte. Es klappte alles – und es fehlte alles: das Geplauder am Rand, die Buhrufe, das Rausgehen, das Reinkommen, das Gelächter und der Gesang, das Bier. Stattdessen Grüße an die da draußen "an Ihren Endgeräten". Bayernhymne vom Band. Die Europaabgeordnete Angelika Niebler, die als einzige Hochleistungskopfhörer trug, fühlte sich "wie im Callcenter".

Und trotzdem steckte die ganze etwas steife Angelegenheit voller interessanter Hinweise darauf, wo die CSU sich unter Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder jetzt neu verorten will. Da fällt als Erstes der mittige, geradezu bescheidene Sound auf. Gewiss, man habe sich vom Virus nicht unterkriegen lassen, man stehe recht gut da, habe "das Schlimmste überstanden". Aber es seien schwierige Tage gewesen, die morgens mit einer Liste von Neuinfizierten und Toten begannen und abends mit Aufzeichnungen darüber endeten, was alles fehlt: Schutzausrüstung, Masken, Desinfektionsmittel.

Söder zeigt sich "sehr irritiert" über Boris Palmer

Sicher, die Umfragen seien derzeit super. Aber er, Söder, interessiere sich eher für die nicht so guten. Natürlich verlor Söder kein Wort über Kanzlerambitionen, auch wenn seine Rede und der Leitantrag zur Bewältigung der Krise jede Menge bundespolitischen Führungsanspruch verströmten. Dass Edmund Stoiber ihm im Spiegel abgeraten hatte, das Kanzleramt anzustreben, an dem er selbst gescheitert war, mochten auch andere bewerten.

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