Curvy Supermodel - Na und? Dann bin ich eben fett

Mit Jessica würde der “Bachelor” gerne mal Sport treiben (Bild: RTL2)

Peinlichste Szene: Als Jan Kralitschka eine Frau mit den Worten anflirtet, er würde mit ihr “zwei, drei Sportstunden” machen. Was auch immer ein Ex-“Bachelor” unter Sportstunde versteht.
Wieder was gelernt: Hintern heißt auch “Puschi”, bei Kandidatin Andy zumindest. Bei der Outfitwahl besteht sie deshalb auch auf einen Tanga-Bikini, Höschen mit mehr Stoff verschluckt ihr “Puschi” nämlich immer.
Penetrantes Product Placement: Schon bei den ersten Castings bekamen alle Models riesige Trinkflaschen von einer Firma, die sich auf überflüssige Produkte mit Namensaufdruck spezialisiert hat. Dieses Mal lässt RTL2 sogar die Juroren mit den Flaschen herumhantieren.
Hat man auf den anderen TV-Sendern etwas verpasst? Nö, überall nur Curvys, Elton und Faisal Kawusi bei “Schlag den Star” zum Beispiel.

Drei Folgen lang Casting, wer auch immer sich das für die neue Staffel “Curvy Supermodel” ausgedacht hat: Es war keine gute Idee. Wann werden hier endlich mal Haare abgeschnitten? Wann ziehen die Kandidatinnen in ein spartanisch eingerichtetes Hostel, wo sie Lagerkoller und erste Zickenanfälle ereilen?! Aber halt, wir sind ja hier gerade nicht bei “Germany’s Next Topmodel”, ein paar Dinge dürfen, nein, müssen anders laufen!

Tun sie auch. Schon allein, weil RTL2 eben nicht nur 16-jährige Teenager zum Schaulaufen einlädt, sondern vor allem Frauen im Alter von 20 bis 30. Die schon Dinge im Leben erreicht haben, da stellen sich Frontfrauen von Heavy-Metal-Bands genauso wie Tanzlehrerinnen vor – und denen man auch anmerkt, dass sie die Phase der Unsicherheit, mit sich selbst und ihren Körpern, schon hinter sich haben. “Ich bin total zufrieden mit meinem Körper, weil ich mich von anderen abhebe”, sagt etwa Lisa-Marie, 20.

Von solchen selbstbewussten Kandidatinnen lebt “Curvy Supermodel” im Grunde, von Frauen, die zeigen, dass dicker sein nicht automatisch heißt, depressiv und unzufrieden zu sein. Der Druck, schlank sein müssen, scheint oft eher von den anderen, den Dünnen, zu kommen, das bestätigt auch Janina. Sie sei früher immer gemobbt worden, erzählt sie beim Casting. Heute stehe sie drüber: “Na und? Dann bin ich eben fett!”

Es ist toll, dass die Show den Teilnehmerinnen Platz gibt, solche Botschaften loszuwerden. Warum man dann allerdings keine Minute später mehrfach und in Zeitlupe wiederholt, wie besagte Janina auf dem Laufsteg ausrutscht und hinfällt? Genau darum sollte es doch eben nicht gehen: jeden verzeihbaren Makel kleinlich auszuleuchten, bis auch der letzte drüber gekichert hat. Na ja, Janina zumindest steht sogar darüber und scherzt nach dem Sturz: “Das kommt jetzt bestimmt immer wieder in Zeitlupe.”

Mit unsinnigen Wiederholungen kennt man sich bei “Curvy Supermodel” eben aus. Man müsste wirklich mal mitzählen, wie oft die Jury erklärt, dass jede Kandidatin drei Jas zum Weiterkommen benötigt. Geschätzt waren es allein in dieser Folge 36 Mal.

Schon allein deshalb bräuchte es mehr Bewerberinnen wie Jessica, die die Jury aus ihrem Trott herausholt. Der 23-Jährigen gelingt es sogar, die goldene Drei-Jas-Regel zu überwinden. Sie hat nur zwei Ja-Stimmen, ist schon längst wieder von der Bühne. Angelina Kirsch aber bequatscht ihren Jury-Kollegen Oliver Tienken (“Bitte, bitte, bitte! Wenn du mich liebst”) so lange, bis der tatsächlich aufspringt und Jessica zurückholt. Solche überraschenden Momente machen gutes Fernsehen aus.

Andy, eigentlich Andrea, ist nur knapp 1,70 Meter groß, kann dafür aber Spagat (Bild: RTL2)

Kandidatinnen wie Andy (eigentlich zu klein für den Modeljob, macht aber einen Spagat) oder Ira schaden natürlich auch nicht. Ira ist die oben bereits erwähnte Heavy-Metal-Sängerin, nebenbei modelt sie und will “Rock’n’Roll” auf den Laufsteg bringen. Das ist einerseits verwirrend, Rock’n’Roll hat mit Heavy Metal ja nur entfernt etwas zu tun, andererseits aber auch total egal. Ira muss man einfach mögen, schon allein, weil sie sämtliche Kleider, die man ihr fürs Casting anbietet, mit den Worten ablehnt: “Das würde ich auch mit 40 nicht tragen.” Ob sie die Kleidergröße oder das Alter meint, löst sie leider nicht auf.

Die Jury sieht Ira dann eher in der Rolle einer “Performerin”, weniger als kurviges Supermodel. In die “Closer” kommt sie wohl trotzdem, alle Models werden während ihres Laufstegauftritts fotografiert, die besten Bilder erscheinen im Klatschmagazin. Oliver Tienken ist fest davon überzeugt, dass das die Karriere der Teilnehmerinnen so richtig voranbringt: “Wenn man als Model beginnt, kommt man nicht zack-zack in eine tolle Zeitung.” Stimmt natürlich. Aber das eine oder andere könnte sich “Curvy Supermodel” dann vielleicht doch bei “Germany’s Next Topmodel” abschauen: Da ziert das Gesicht der Siegerin den Titel eines Modemagazins – und ist nicht beliebiger Seitenfüller (kein Bodyshaming!!) im bunten 1,99-Euro-Blättchen, das ansonsten über den Beziehungsstatus von Helene Fischer rätselt.

Die Jury v.l.n.r.: Jan Kralitschka, Angelina Kirsch, Jana Ina Zarrella und Oliver Tienken bezeichnen sich selbst immer wieder als Models – anhand dieses Gruppenfotos kann man sich sein eigenes Bild machen (Bild: RTL2)