"Ich dachte, die bringen mich um": Ein Ku-Klux-Klan-Aussteiger berichtet

Maximilian Haase
·Lesedauer: 3 Min.

Berichte aus dem Inneren des Ku-Klux-Klans: Die Dokumentation "Hate No More" begleitet einen Aussteiger, der sich von der rassistischen Organisation abwendete - und dadurch in Gefahr geriet.

Wie tief der Rassismus in der US-Gesellschaft verwurzelt ist, wird erst seit vergleichsweise kurzer Zeit breit thematisiert. Großen Anteil daran hatte etwa die "Black Lives Matter"-Bewegung, die Kritik an struktureller Benachteiligung und historischen Kontinuitäten übt. Doch auch auf der Gegenseite schienen gerade in den Trump-Jahren viele "White Supremacists" wieder Aufwind zu bekommen. Die wohl bekannteste rassistische Organisation jedoch ist noch immer der Ku-Klux-Klan. Wie weit dessen Traditionen reichen und was sein Hass anrichtet, zeigt nun die sehenswerte Dokumentation "Hate No More" beim True-Crime-Sender "Crime + Investigation": Ein einst hochrangiges Mitglied berichtet darin von der menschenverachtenden Ideologie und den Strukturen des Klans - und wie ihm der Ausstieg gelang.

Der einstündige Film, den der Pay-TV-Kanal (empfangbar unter anderem über Sky, Amazon Prime und Apple TV) am Freitag, 25. Dezember, 20.15 Uhr, als deutsche TV-Premiere zeigt, begleitet den Klan-Aussteiger Shane Johnson, der dort jahrelang Führungspositionen innehatte. Offen spricht er von der rassistischen Tradition in seiner Familie; bereits Großeltern und Vater waren Mitglieder des Klans, Letzterer gar ein "Imperial Nighthawk" genannter Leibwächter, der etwa den Mörder und Klananführer Samuel Bowers schützte.

Johnson berichtet in der bisweilen erschütternden Doku, wie er als Kind die rassistische Ideologie aufsog; wie ihn sein Vater lobte, als er sich in der Schule weigerte, neben einem schwarzen Jungen zu sitzen. "Sie glauben, dass schwarze Menschen keine Menschen sind. Sie glauben, es sind Tiere", fasst der US-Amerikaner den tödlichen Rassismus zusammen, der vom Hass auf die als "Satan" geltenden Juden ergänzt wird.

Zweifel an der Ideologie

Nachdem er die Stationen der Organisation durchlaufen habe, in höchste Ränge aufgestiegen sei und möglicherweise dazu beigetragen habe, dass sein Cousin einen schwarzen Mann ermordete, seien irgendwann Zweifel aufgekommen, berichtet Johnson. Ob er ein schwarzes Baby töten würde, sei er damals von seiner Freundin gefragt worden. Und: Warum lebe er - angeblich Mitglied der "master race" - ohne Job im Trailerpark? Nach einem Gefängnisaufenthalt stieg der junge Mann kurzerhand aus dem KKK aus. Mit lebensbedrohlichen Folgen: "Ich dachte, die bringen mich um", berichtet Johnson, der damals von seinen ehemaligen Kameraden brutal zusammengeschlagen wurde.

Heute versucht Johnson, andere Mitglieder des Klans aufzuklären und zum Ausstieg zu bewegen. Eines dieser Treffen wird im Film gezeigt, ebenso ein Besuch beim Tattoo-Studio, wo sein mit Hassbotschaften übersäter Körper unter anderem von Hakenkreuzen bereinigt werden soll. Ebenso emotional aufreibend zeigen sich Johnsons Versuche der Annäherung an die Black Community - genauer ein ergreifendes Gespräch mit einem Angehörigen des Mannes, den Johnsons Cousin tötete. Wenn der geläuterte Ex-Klansman um Vergebung bittet, ist das große Doku-Kunst. Neben der biographischen Aufarbeitung informiert der Film mit dem Untertitel "Abkehr vom Ku-Klux-Klan" auch über den gesellschaftlichen Nährboden, auf dem dieser Hass gedeihen konnte und kann.

Gezeigt wird die Dokumentation im Rahmen des Themenschwerpunkts "Eine Frage der Gerechtigkeit", der zwischen dem 24. und 30. Dezember laut Sender einen Fokus "auf Reue, Vergebung und zweite Chancen" setzt. Gezeigt wird etwa auch die Reihe "The Redemption Project - Schuld und Vergebung" (täglich ab 19.25 Uhr) sowie "Divided States - Gegen den Hass" (Samstag, 26. und Sonntag, 27. Dezember, ab 20.15 Uhr).