Erdogan will US-Pläne für "Grenzschutztruppe" in Syrien "im Keim ersticken"

US-Offizier mit kurdischen Kämpfern in Nordsyrien

Die US-Pläne für eine neue kurdisch-arabische "Grenzschutztruppe" in Nordsyrien sind in Damaskus und Ankara auf scharfe Kritik gestoßen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte am Montag in einer wütenden Rede, die Aufstellung der "Terrorarmee im Keim zu ersticken". Damaskus sprach von einer "schamlosen Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität" Syriens.

"Amerika hat eingestanden, dabei zu sein, eine Terrorarmee an unserer Grenze zu schaffen. Wir müssen diese Terrorarmee im Keim ersticken", sagte Erdogan. Die Türkei ist empört über die Beteiligung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

Die US-geführte Allianz zum Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte am Sonntag mitgeteilt, sie arbeite mit kurdischen und arabischen Kämpfern am Aufbau einer "Grenzschutztruppe" im Nordosten Syriens. Laut einer Mitteilung von Montag soll die Truppe die Grenzen im Norden und Osten des Landes sichern, um ein Wiedererstarken der IS-Miliz zu verhindern.

Demnach soll die neue Truppe 30.000 Kämpfer umfassen und über mehrere Jahre aufgebaut werden. Die Hälfte der Kämpfer soll aus den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) stammen, die eine wichtige Rolle im Kampf gegen die IS-Miliz gespielt haben, und die vor allem aus YPG-Einheiten bestehen.

Die syrische Regierung verurteilte am Montag "entschieden die US-Ankündigung zur Schaffung von Milizen im Nordosten des Landes". Ein Vertreter des Außenministeriums warnte, jeder Syrer, der sich an den Milizen beteilige, werde als "Verräter" betrachtet und entsprechend behandelt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte vor einer "Teilung Syriens".

Die Türkei hatte schon am Sonntag kritisiert, die Pläne seien nicht mit allen Mitgliedern der Anti-IS-Koalition abgestimmt worden, zu denen auch die Türkei gehört. Erdogan warnte am Montag, "die Freunde und Verbündeten" sollten sich "nicht zwischen uns und die Terroristen" stellen. Die Türkei werde sonst nicht verantwortlich sein für "ungewollte Vorkommnisse".

Die Türkei kritisiert seit Jahren die US-Militärhilfe für die YPG in Syrien. Am Sonntag drohte Erdogan mit einer neuen Militäroffensive gegen die kurdische Region Afrin im Nordwesten Syriens, die von der YPG kontrolliert wird. "Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Operation kann jeden Moment beginnen", sagte Erdogan in seiner Rede am Montag.

Die Türkei hatte im August 2016 die Militäroperation "Schutzschild Euphrat" in Nordsyrien gestartet, um die IS-Miliz und die YPG von der Grenze zurückzudrängen. Der Einsatz wurde im März 2017 offiziell beendet, doch startete Ankara im Oktober einen neuen Einsatz in der syrischen Provinz Idlib, um dort eine sogenannte Deeskalationszone durchzusetzen.

Durch ihren Einsatz hat die Türkei Truppen südlich von Afrin stationiert, was eine Offensive auf die Region erleichtert. In der von Russland, der Türkei und dem Iran vereinbarten Schutzzone in Idlib soll eine Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und Rebellen gelten. Allerdings startete die syrische Armee Ende Dezember mit russischer Unterstützung eine neue Offensive im Süden von Idlib.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu gab es in den vergangenen Tagen auch wiederholt Schusswechsel zwischen YPG-Kämpfern und türkischen Truppen in Afrin. So hätten die Kurden zahlreiche Raketen aus Afrin abgefeuert, woraufhin die türkische Armee am Sonntag mit Artilleriefeuer geantwortet habe. Laut Anadolu verlegte Ankara weitere Truppen an die Grenze.