"Das Ding des Jahres" schwächelt: Eine Expertenjury wäre doch ganz nett

Für Moderatorin Janin Ullmann “der Gerät 2018” – eine Maschine, die von selbst Crêpes macht und mit Schokoladensoße überzieht. Mjam.

Bei der zweiten Runde von “Das Ding des Jahres” kamen wieder acht Erfinder zusammen. Die Ideen: von banal bis genial. Allerdings spätestens in dieser Folge offenbart die Sendung ihre größte Schwäche: kein Experte weit und breit.

Faszination für Erfinder hat das Fernsehpublikum schon immer bewiesen. Ob es sich um die verrückten Ideen von Daniel Düsentrieb aus “Donald Duck” handelte, ausgefallene Designs von Schneidern bei “Project Runway” oder die vielen Einfälle, die wir bereits bei der “Höhle des Löwen” gesehen haben. Wenn jemand etwas Neues schafft, etwas Niedagewesenes, dann begeistert das die Zuschauer.

Dieses Phänomen bietet auch die neue Gründer-Show von Stefan Raab. Der Mann, der vor ein paar Jahren den Duschkopf erfand bei dem man auch “ohne Haare” duschen kann, hat sich diesmal lauter Querdenker vor die Kamera geholt. Acht Erfinder stellen in eins gegen eins-“Duellen” ihre Idee vor, das Publikum entscheidet, wer ins Finale der Sendung einzieht. Am Ende gibt es so vier Finalisten. Wer von ihnen beim Show-Finale ganz am Ende dabei ist, entscheiden Publikum und Jury.

Experten verzweifelt gesucht

Und hier liegt das Problem. Denn Publikum und Jury haben – gelinde gesagt – gar keine Ahnung. Joko Winterscheidt ist ein lustiger Knallkopp, der gern rangelt. Lena Gerke ist ein Model, das auch moderiert, wenn auch gar nicht mal so gut. Und Hans-Jürgen Moog, ja der ist zwar aus der Marktwirtschaft. Allerdings ist er eben Chefeinkäufer von Rewe. Viele Dinge, die bei “Das Ding des Jahres” präsentiert werden, sind natürlich überhaupt nicht für den Supermarkt gedacht. Also auch die Expertise von Herrn Moog ist nicht erschöpfend.

Und sehnlichst wünscht man sich jemanden herbei, der weiß, was es bedeutet ein Produkt zu kreieren, zu entwickeln, zu produzieren, an den Markt zu bringen, zu bewerben und so weiter. Denn hätten die drei Jury-Mitglieder davon Ahnung, dann würden sie manche Ideen nicht abwatschen mit dem Satz: “Die Idee ist ja ganz nett, aber daran muss man noch viel arbeiten.” So geschehen bei Martin Mintz. Der hat aus lauter Zeug, das in seiner Garage noch herumlag – “Müll” wie er es nennt – eine Maschine gebastelt, die Crêpes herstellt, mit Schokolade überzieht und schließlich zusammenrollt.

600 Crêpes hat er damit an einem Wochenende schon hergestellt. Crêpes in Akkordarbeit quasi. Das ist natürlich nichts für die Rewe-Einkaufswelt, so viel ist klar. Aber für Industrieküchen, Restaurants und ähnliches könnte man sich das schon vorstellen. Doch über die Zukunftschancen des Geräts wird nie gesprochen. Erstens ist es noch ein Prototyp, also für die Jury irgendwie nur Spielerei, unausgereift (Dabei hat Mintz sieben Jahre daran gebastelt). Zweitens wäre es auch sinnlos über Dinge zu reden, von denen die Jury nichts versteht. Und so bleiben Zuschauer und Kandidat doof zurück.

Die “Höhle der Löwen” wartet hier mit mehr Sinnhaftigkeit auf. Die Löwen begründen dort professionell, warum ein Produkt nicht von ihnen unterstützt wird, warum sie darin keine Zukunft sehen oder was daran noch umgearbeitet werden müsste. Dort herrscht kaum Bauchgefühl, wohl aber Wissen. Auch “Das Ding des Jahres” könnte wenigstens einen einzigen Experten brauchen, der wichtige Fragen stellt und vor allem auch mit den Antworten etwas anfangen kann.

Roller versus Saftpresse: Manchmal sind die Duelle wirklich zu ungleich um wahr zu sein.

Hans-Jürgen Moog stellt immer wieder die gleiche Frage: “Was soll das denn mal kosten?”, kann mit den Antworten aber nichts anfangen. Hans Boes beispielsweise entwickelte einen Roller, der mit einem Akku elektrisch betrieben wird. So kann man leicht das Auto daheim stehen lassen und für kurze innerstädtische Wege auf den Roller umsteigen. Moogs Platte mit Sprung: “Was soll das denn mal kosten?” “Jetzt verkaufe ich es für 1500 Euro”, sagt Boes, verweist aber darauf, dass er gerade noch die Roller selbständig umarbeitet in eigenständiger Handarbeit. Dass das für den Markt zu teuer ist, kann er sich denken. Moog lehnt sich zurück und sagt nichts. Danke für den Input…nicht.

Der Chefeinkäufer empfindet die Roller mit 18 Kilogramm als zu schwer. Auch noch so ein undurchdachter Einwand, wurde doch vorher oft betont, dass es sich hierbei noch um Prototypen handelt, Entwicklungsbedarf also noch da ist. So zieht sich das durch den ganzen langen Abend.

Kein kühles Bier dabeihaben – das scheint eine große Sorge des Publikums von “Das Ding des Jahres” zu sein. Deswegen wählen sie den Mann mit der Eisform ins Vorfinale.

Das Publikum wählt einen Mann ins Folgenfinale, der eine Eisform entwickelt hat, mit der man Bierkästen kühl halten kann. Das ist praktisch, aber nicht sonderlich originell. Sein Gegner war ein Mann, der eine App und eine Fahrradvorrichtung entwickelte, mit der man seine Handytaschenlampe zu einem Vorder-Seiten- und Rücklicht umfunktionieren kann, falls man seine eigenen Lichter Zuhause vergessen hat. Eine revolutionäre Idee, die vorher keiner hatte oder zumindest marktreif gemacht hat. Aber: Der Deutsche liebt sein Bier – er wählt also den Bierkühler ins Finale.

Dort gewinnt schließlich ein Produkt, das durchaus sinnvoll ist – ein Fitnessshaker. Der hat einen integrierten Kartenhalter für die Mitgliedskarte im Studio, einen Handyhalter, um sein Handy daran festzumachen, ebenso hat er eine Magnetfunktion und lässt sich so bequem am Fitnessgerät befestigen.

Joa, da kann man sagen, sowas könnte auch bei Rewe stehen. Also sind alle zufrieden. Aber es sei nochmal erwähnt: Es gab auch ein Gerät, das VON SELBER Crêpes macht!

Fotos: Screenshot / VOX