Das Drama um die Zulu-Thronfolge: Streit, Intrigen und Mordvorwürfe

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König Goodwill Zwelithini bei der jährlichen Gedenkveranstaltung zu Ehren seines Vorgängers Shaka ka Senzangakhona im Oktober 2018 (Bild: RAJESH JANTILAL / AFP)
König Goodwill Zwelithini bei der jährlichen Gedenkveranstaltung zu Ehren seines Vorgängers Shaka ka Senzangakhona im Oktober 2018 (Bild: RAJESH JANTILAL / AFP)

Wer die Netflix-Serie "The Crown" liebt, wird fasziniert von dem Drama sein, das sich gerade in Südafrika um die Nachfolge des Zulu-Königreiches entspinnt.

König Goodwill Zwelithini übernahm im Jahr 1971 das Königreich der Zulu von seinem Vater und herrschte für fast 50 Jahre über die elf Millionen Untertanen, so lange wie kein anderer Monarch der Nation. Doch nach seinem Tod am 12. März stürzt das Königreich ins Chaos. Es geht um Intrigen, Machtspiele und die Frage der legitimen Nachfolge. Der Streit wird nicht nur vor Gericht ausgetragen. Längst kommt es zu beleidigenden Wortgefechten in der Öffentlichkeit zwischen den möglichen Nachfolgern und sogar Vorwürfe über Gift-Attentate gegen die Rivalen machen die Runde. Dazu kommen zwei mysteriöse Todesfälle in den letzten Monaten.

Der 72-jährige Monarch Zwelithini war Vater von insgesamt 28 Kindern, die er mit sechs verschiedenen Ehefrauen gezeugt hatte. Nachdem er wegen seiner Diabetes-Erkrankung im März in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste, verstarb er kurz bevor er sein 50. Jahr auf dem Thron erreichte. Nach seiner Beisetzung wurde im engen Kreis der Familie sein Testament verlesen, um das sich jetzt Streit und Gerüchte entfachen. Denn in diesem Testament soll er seine Ehefrau Dlamini-Zulu zu seiner Nachfolgerin bestimmt haben. 

Die Witwen des Königs bei seiner Beerdigung am 18. März in Nongoma (Bild: Phill Magakoe/Pool via REUTERS)
Die Witwen des Königs bei seiner Beerdigung am 18. März in Nongoma (Bild: Phill Magakoe/Pool via REUTERS)

Der mysteriöse Tod der Witwe

Dlamini-Zulu war seit 1977 mit dem Monarchen verheiratet und sollte den Thron nur für die dreimonatige Trauerzeit besetzen, um danach einen rechtmäßigen Nachfolger ihres verstorbenen Mannes zu krönen. Doch die achtfache Mutter starb unter ungeklärten Umständen nur knapp einen Monat nach dem König. Viele Beobachter hatten vermutet, dass sie ihren ältesten Sohn, den 46-jährigen Prinz Misizulu zum König wählen würde. Doch nach ihrem mysteriösen Tod am 29. April ist der Kampf um die Nachfolge völlig offen und die Gerüchteküche brodelt. Denn schon vor einigen Jahren hatte König Zwelithini davon gesprochen, das jemand versucht habe, seine Frau zu vergiften, wie die BBC berichtete. Seitdem sei sie immer wieder ins Krankenhaus eingeliefert worden, um behandelt zu werden. Eine pathologische Untersuchung ihres Leichnams ist nun angeordnet worden, das Ergebnis ist erst in einigen Wochen zu erwarten.

Streit um das Erbe

Doch wer soll nun den vakanten Thron der Zulu besetzen? Die Erstfrau des Königs, Sibongile Dlamini, strebt zumindest einen Teil seines Erbes an. Sie bemüht sich vor Gericht um die Ländereien ihres verstorbenen Mannes, vor allem im fruchtbaren Gebiet des KwaZulu-Natal. Dabei besteht Sibongile Dlamini, dass nur sie und der König eine rechtmäßige Ehe mit Güterteilung geführt hätten und hofft so, dass die anderen fünf Ehefrauen bei der Verteilung des Erbes leer ausgehen. Diese traditionellen Ehen sind im bürgerlichen Recht Südafrikas nicht anerkannt. Deshalb stehe auch ihr der Titel der Udlunkulu, der Großen Ehefrau, zu und nicht Dlamini-Zulu. Auch zwei ihrer Töchter fechten das Testament von König Zwelithini an, weil sie glauben, dass es gefälscht sein könnte. Sie unterstützen damit den Anspruch ihrer Mutter auf das Erbe.

Prinz Mbonisi auf der Beerdigung seines Bruders Goodwill Zwelithini (Bild: Phill Magakoe / POOL / AFP)
Prinz Mbonisi auf der Beerdigung seines Bruders Goodwill Zwelithini (Bild: Phill Magakoe / POOL / AFP)

Ein weiterer mysteriöser Todesfall überschattet die Frage der Thronfolge zusätzlich. Denn im vergangenen November starb der älteste Sohn des Königs, Prinz Lethukuthula. Der 50-jährige Sohn von Sibongile Dlamini und König Zwelithini war in seinem Haus in Pretoria unter Drogen gesetzt worden und starb an den Folgen. Fünf Männer und Frauen wurden anschließend wegen Raubmordes verhaftet, doch die Gerüchte, dass es ein geplanter Mord gewesen sein könnte, um den Prinzen als Nachfolger aus dem Weg zu räumen, halten sich hartnäckig. 

Intrigante Geschwister?

Schon Tage nach dem Tod ihres Bruders Zwelithini hatten sich indes Prinz Mbonisi und seine Schwester Prinzessin Thembi zu heimlichen Gesprächen getroffen, wie die BBC herausfand. Die beiden Königs-Geschwister sollen nicht davon begeistert gewesen sein, dass die Witwe Dlamini-Zulu die Thronfolge bestimmen sollte. Öffentlich betonten die Geschwister, dass sie sich lediglich getroffen hätten, um zu beraten, wie sie die Interims-Regentin bestmöglich unterstützen könnten, doch an dieser Darstellung gibt es durchaus Zweifel.

Momentan fungiert Chief Mangosuthu Buthelezi als traditioneller Premierminister der Zulu Nation. Nicht allen in der königlichen Familie gefällt das, sie bezeichnen ihn als Diktator, der kritische Stimmen zum Verstummen bringe. Der Streit um die Thronfolge zieht das ganze Königreich in seinen Bann. Die Monarchie der Zulus ist nach wie vor ein hochgeschätzter kultureller Aspekt in deren Selbstbestimmung. Um so wichtiger wäre es, dass eine schnelle friedliche Lösung präsentiert wird, um die Nation nicht noch weiter zu entzweien.

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