Das Problem mit den "Corona-Welpen": Eine bedenkliche Auswirkung der Corona-Krise

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Dass viele Menschen während der Corona-Pandemie auf den Hund gekommen sind, hat nicht nur Vorteile. Als sich ein Ende der Homeoffice-Phase und die neue Urlaubssaison anbahnten, füllten sich die Tierheime, und Experten sehen noch einen weiteren Negativ-Trend, der nachhaltige Folgen haben könnte.

Two cute puppies in girl's arms
Die Nachfrage an Welpen stieg in der Corona-Pandemie erheblich an - mit Folgen (Symbolbild: Getty Images)

Um während des Lockdowns Gesellschaft und Beschäftigung zu haben, schafften sich viele Deutsche einen Hund an. Und während dies in vielen Haushalten in einer perfekten, anhaltenden Symbiose endete, führte bei anderen der Weg im Sommer ins Tierheim: Vom Homeoffice zurück im Büro versetzt hatten viele plötzlich nicht mehr genug Zeit für ihre Hunde, und die Urlaubszeit, die stets zu vielen abgebebenen Tieren führt, tat ihr Übriges, um Tierheime überquellen zu lassen. 

Doch die enorme Anfrage an Hunden während der Pandemie brachte ein weiteres Problem ins Spiel: Illegaler Welpen-Handel erfuhr im Corona-Jahr 2020 einen regelrechten Boom. Dem Deutschen Tierschutzbund zufolge stieg die Zahl im Vergleich zu 2019 stark an. Und der Trend geht weiter nach oben: Die neue Halbjahresbilanz der Organisation zeigte, dass 2021 im ersten Halbjahr mehr Hunde nach Deutschland geschmuggelt wurden als im gesamten Vorjahr.

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"Dieser erneut extreme Anstieg ist erschreckend, war aber leider fast zu erwarten“, sagt Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, "Business Insider". "Die Nachfrage ist weiter hoch, die Pforten des Internets sind für kriminelle Händler weit geöffnet und der Gesetzgeber greift nicht ein."

Warum man keine Welpen aus Massenzucht kaufen sollte

Der Tierschutzbund warnt davor, solche Welpen bei sich aufzunehmen, denn das Leid der Tiere ist enorm. Durch schlechte Bedingungen fehlt ihnen oft die medizinische Versorgung. Zudem werden sie zu früh von der Mutter getrennt, wodurch die in den ersten Lebensmonaten so wichtige Sozialisierung fehlt. Der lange Transport in zu jungem Alter schwächt die Welpen zusätzlich. Lebenslange Gesundheitsprobleme und Verhaltensauffälligkeiten sind die Folge. 

Auch die Elterntiere werden in sogenannter Vermehrerzucht nicht artgerecht behandelt, wie der Tierschutzbund in seinen Kampagnen immer wieder betont: Die Weibchen werden als Gebärmaschinen verheizt, die Rüden dienen nur zum Decken und erhalten weder ausreichend Aufmerksamkeit noch Versorgung. Auch ist es keine Seltenheit, dass sie mit Hormonen vollgepumpt und mit Stromschlägen oder anderer Gewalt gefügig gemacht werden. 

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Schlechte Haltung für Jung- und Elterntiere sind bei illegalem Welpenhandel Standard (Symbolbild: Getty Images)

Wer Welpen aus illegalem Handel kauft, womöglich auch mit dem Hintergedanken, die Welpen aus der schlechten Haltung retten zu wollen, unterstützt damit nur unseriöse Vermehrer und illegalen Tierhandel finanziell und erhöht die Nachfrage. 

An der großen Nachfrage liegt auch der große Anstieg Welpen aus illegalem Handel in deutschen Haushalten. Seriöse Züchter, die ihren Hündinnen eine ausreichende Pause zwischen den Würfen geben, konnten diese schlicht nicht mehr bedienen. 

Woran man unseriöse Zucht und illegalen Handel erkennt

Auch fällt es vielen Menschen schwer, unseriöse Angebote zu erkennen. Früher konnte dies oft schon am erheblich günstigeren Preis geschehen, doch viele Vermehrer versuchen dem Tierschutzbund mittlerweile, sich als ernsthafte Züchter auszugeben und haben auch die Preise saftig steigen lassen. 

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Soll das Geschäft jedoch ausschließlich online oder telefonisch abgewickelt werden, ohne dass der zukünftige Halter das Muttertier oder die Zuchtumgebung kennenlernen darf, ist dies ein Warnsignal. Ebenso, wenn der vermeintliche Züchter das Tier selbst abliefern will, anstatt es abholen zu lassen. 

Der Welpe sollte außerdem nicht schwach oder kränklich wirken oder Ausfluss aus Nase oder Augen haben - dies ist ein Zeichen für fehlende Entwurmung oder Impfungen. Auch ein Welpe, dessen Augen noch geschlossen sind, sollte nie aufgenommen werden - laut Tierschutzverordnung müssen sie bis zum Alter von mindestens acht bis zwölf Wochen bei der Mutter bleiben. 

Auch fehlende Mikrochips und Papiere oder Stammbaum und Dokumente mit Rechtschreibfehlern könnten ein Anzeichen für unseriöse Zucht sein. Wer Verdacht schöpft, sollte den örtlichen Tierschutzverein oder die Polizei informieren. 

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