Das sind die Wörter des Jahres 2019

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Seit 1977 kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) regelmäßig das Wort des Jahres. Das Wort soll das auslaufende Jahr im Hinblick auf das politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Leben besonders bestimmt haben, wobei Popularität und Signifikanz wichtiger sind als die Häufigkeit der Verwendung. Das Wort des Jahres 2019 ist "Respektrente", wobei die Jury auch neun andere bezeichnende Begriffe auswählte.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat die Wörter des Jahres 2019 gewählt. (Grafik: dpa)

1. "Respektrente"

Das Wort "Respektrente" bezeichnet die geplante Grundrente für Menschen, die trotz 35-jähriger Berufstätigkeit nur eine kleine Rente unterhalb des Existenzminimums beziehen. Ins Leben gerufen hat es der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit seiner Botschaft "Lebensleistung verdient Respekt", die er in der Grundrenten-Debatte innerhalb der Großen Koalition geprägt hat. Wörtlich sagte der SPD-Politiker: "Nennen Sie es ruhig Respektrente oder Gerechtigkeitsrente." Bei dem Begriff handelt es sich laut GfdS um "die Neubildung eines Hochwertworts in der politischen Debatte".

2. "Rollerchaos"

Das Jahr, in dem E-Scooter-Anbieter wie Tier, Voi, Lime, Bird, Circ und weitere ihre Verleihroller auf die deutschen Straßen gebracht haben, hat auch den Begriff "Rollerchaos" geprägt. Laut GdfS fasst der Begriff gut die Problematik zusammen, die sich ergibt, wenn Kunden der Verleihdienste rücksichtslos unterwegs sind und die Roller nach Gebrauch unkontrolliert wieder abstellen.

3. "Fridays for Future"

Alles begann mit einem Mädchen aus Schweden, das die Schule schwänzte und sich mit einem Schild mit der Aufschrift "Skolstrejk för klimatet" vor das Schwedische Parlament stellte. Das aus der Protestaktion von Greta Thunberg die internationale Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" wurde mit dem Ziel, das beschlossene 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen bei der Klimaerwärmung einzuhalten, hält die GdfS ebenfalls für bemerkenswert. Der Anglizismus stehe "wie kein anderer Ausdruck" für eine junge Generation stehe, die bereit sei, für ihre Zukunft auf die Straße zu gehen.

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4. "Schaulästige"

Wann immer Rettungskräfte ausrücken, um bei Unfällen, Verbrechen oder in anderen Notfallsituationen Hilfe zu leisten, tauchen Leute auf, die nicht helfen, sondern einfach nur zuschauen wollen. Gaffer nennt man sie oder auch "Schaulästige". Ein Neologismus aus dem Jahr 2019, der die Wörter "schaulustig" und "lästig" kombiniert und gerade deswegen besonders treffend ist.

5. "Donut-Effekt"

Wer auf in Fett Gebackenes steht, wird Donuts lieben. Aber um wie viel besser wäre ein Krapfen, der in der Mitte nicht hohl und leer ist wie ein Donut? Eben jenes Loch in der Mitte ist es, was den Begriff "Donut-Effekt" hervorgebracht hat. Mit Gebäck hat der aber nichts zu tun, sondern beschreibt den Zustand von verödeten Innenstädten und Ortskernen.

Nicht nur viele Briten sind unterdessen "brexitmüde". (Bild: Getty Images)

6. "brexitmüde"

"Wann gehen sie denn jetzt endlich?", war wohl eine Frage, die auch den härtesten Brexit-Gegnern während des auslaufenden Jahres zumindest kurz einmal in den Kopf geschossen sein dürfte. Das Gezerre rund um einen möglichen Brexit und die dauernden Diskussionen über die entsprechenden Modalitäten haben Menschen auch außerhalb Großbritanniens als so zermürbend empfunden, dass sie allmählich "brexitmüde" wurden. Auch dies ein Begriff, der einen zentralen Gemütszustand gut auf den Punkt bringt.

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7. "gegengoogeln"

Wer sich schnell und möglichst unkompliziert über etwas informieren will, gibt den Begriff heutzutage ganz selbstverständlich in eine Suchmaschine ein. "Googeln" ist mittlerweile ein normal gebräuchlicher Begriff, doch wie schnell kann man in den Weiten des Internets auf falsche Informationen treffen und sie arglos für bare Münze nehmen? Da hilft nur eins: "Gegengooglen". Ein Begriff, der nichts anderes sagt, als dass man nicht alles, was man im Netz liest, ungeprüft als letzte Wahrheit gelten lässt, sondern lieber noch einmal gegencheckt.

Das Wort "Bienensterben" hatte eine besondere Bedeutung für das Engagement für den Schutz der Artenvielfalt. (Bild: Getty Images)

8. "Bienensterben"

Da Bienen unstrittig als wichtige und damit positive Lebewesen wahrgenommen werden, würdigt die GdfS das Volksbegehren unter dem Slogan "Rettet die Bienen" als besonders clever und erfolgreich. Auf Druck der Bevölkerung musste die bayerische Landesregierung daraufhin ein Gesetz zum Schutz der Artenvielfalt beschließen, von dem natürlich auch andere Lebewesen profitieren. Das Volksbegehren hat auch international Nachahmer gefunden.

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9. "Oligarchennichte"

Mit dem Begriff "Oligarchennichte" untrennbar verbunden ist der politische Skandal, der 2019 vor allem Österreich umtrieb. Im Zentrum steht der rechtspopulistische österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache, der sich mit der angeblichen Nichte eines russischen Oligarchen auf Ibiza traf und dabei seine Bereitschaft u.a. zu Korruption offenbarte. Über der "Ibiza-Affäre" zerbrach schließlich die Regierungskoalition.

10. "Geordnete-Rückkehr-Gesetz"

Im Juni stimmte der Bundestag dem Migrationspaket der Großen Koalition zu, das u.a. das umstrittene "Geordnete-Rückkehr-Gesetz" enthält. Es regelt eine Verschärfung des Asylrechts und wurde zum Beispiel von Pro-Asyl als "Hau-ab-Gesetz" bezeichnet. Die GdfS bezeichnete den Begriff als Versuch, den Titel "zweites Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht" zu popularisieren.