"Die Dasslers": Die wahre Geschichte hinter den Marken Adidas und Puma

Christian Friedel (l.) und Hanno Koffler spielen die Brüder Adi und Rudi Dassler

Adidas und Puma - jeder kennt die beiden Weltkonzerne und ihre Produkte. Aber kaum jemand kennt die tragische Familiengeschichte dahinter. Denn die Brüder Adolf (Adi) und Rudolf (Rudi) Dassler haben nicht nur aus einer kleinen Schusterfabrik in Herzogenaurach zwei weltbekannte Firmen gemacht. Sie haben sich auf dem erfolgreichen Weg dorthin auch bis auf den Tod zerstritten...

1920 beginnt die Geschichte der Dassler-Sportschuhe. Adi Dassler entwirft seinen ersten Sportschuh im Familien-Schusterbetrieb. Als sein älterer Bruder Rudi zwei Jahre später aus Nürnberg zurückkehrt, schließen sich die Brüder mit ihrer Vision zusammen und gründen 1924 die "Gebrüder Dassler Schuhfabrik". Bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam treten schon einige deutsche Athleten in den Schuhen der Brüder an - große Erfolge bleiben jedoch aus.

Vom Durchbruch zum Ursprung des legendären Streits

Der große Durchbruch gelingt, als sich Adi und Rudi Dassler bei den Olympischen Spielen in Berlin im Jahr 1936 dazu entscheiden, den schwarzen US-Amerikaner Jesse Owens auszustatten. Dadurch sollen die beiden NSDAP-Mitglieder vor allem den Zorn Adolf Hitlers auf sich gezogen haben. Denn in ihren Schuhen gewinnt der dunkelhäutige Athlet vier Gold-Medaillen. Mit dem erfolgreichen Werbeträger gelten die Dassler-Brüder als Erfinder des Sportmarketings.

Der Zweite Weltkrieg wirft auch die Dasslers komplett zurück. Rudi wird eingezogen, sein Bruder Adi darf jedoch weiter in der Firma arbeiten, in der fortan Kriegsutensilien produziert werden. Dieser Umstand gilt als der Anfang des legendären Brüder-Zwists. Nach Kriegsende gerät Rudi in amerikanische Gefangenschaft, wo er angeblich erfährt, dass er aus seinem Umfeld denunziert worden sei. Er tippt auf seinen Bruder, versucht ihn anschließend ebenfalls zu beschuldigen. Obwohl die Ermittlungen in Sachen Dassler aufgegeben werden, nimmt der Streit seinen Lauf.

Der endgültige Bruch der Dassler-Brüder

1948 kommt es endgültig zum Bruch zwischen den Brüdern. Sie beschließen, das Unternehmen aufzuteilen. Adi gründet die Firma Adidas, eine Kombination aus seinem Vor- und Nachnamen, mit den drei Streifen als Markenzeichen. Rudi nennt sein Unternehmen schließlich Puma, nachdem er zunächst "Ruda" (ebenfalls eine Kombination aus Vor- und Nachname) in Betracht gezogen hatte. Die beiden Firmen liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, lediglich getrennt vom Fluss Aurach.

Adidas feiert einen historischen Erfolg, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 1954 beim "Wunder von Bern" die Weltmeisterschaft in den Schraubstollen-Schuhen des Unternehmens gewinnt. Der Streit, welche der beiden Firmen diese Schraubstollen zuerst in den Sport eingeführt hat, reicht noch Jahrzehnte weiter. Jedes Unternehmen beansprucht die bahnbrechende Entwicklung für sich. Fakt ist jedoch: Keine der Firmen hat die Schraubstollen wirklich erfunden.

Die Söhne streiten weiter

Die jahrelange Fehde von Adi und Rudi Dassler überträgt sich auch auf ihre Söhne. Auslöser soll die Vertragsschließung von Puma mit dem Fußballspieler Pelé gewesen sein. Wider einer Abmachung der Väter nimmt Armin Dassler (Sohn von Rudi) den Brasilianer unter Vertrag. Spätestens seitdem herrscht zwischen Armin und Horst, Sohn von Adi, ebenfalls Krieg.

Die Brüder Adi und Rudi Dassler sollen bis zu Rudis Tod am 27. Oktober 1974 kein Wort mehr miteinander gesprochen haben. Nachdem Adi Dassler vier Jahre später stirbt, geht der erbitterte Konkurrenzkampf der Unternehmen unter der Führung der Söhne weiter. In den 80er Jahren kämpfen beide Firmen zunächst mit roten Zahlen. Nachdem auch die Söhne der Gründer versterben, geraten Puma und Adidas in fremde Hände. Puma schafft 1993 den wirtschaftlichen Aufschwung, 1995 folgt Adidas nach dem Börsengang.

"Historischer Handschlag" zweier Rivalen

2009 sorgt die öffentliche Versöhnung der Unternehmen für weltweites Aufsehen. Im Rahmen der Friedensinitiative "Peace One Day" spielen Mitarbeiter von Adidas und Puma gegeneinander Fußball. Anschließend kommt es zu einem "historischen Handschlag", wie es in der Mitteilung der Firmen heißt - unfassbare sechs Jahrzehnte nach dem großen Bruch von Adi und Rudi Dassler.

Heute gehören die beiden Konzerne zur Top drei der weltweiten Sportartikelhersteller. Hinter dem führenden US-Unternehmen Nike steht Adidas nach der Übernahme von Reebok an zweiter Stelle, gefolgt vom ewigen Konkurrenten Puma.

Foto(s): ARD Degeto/Wiedemann & Berg/Martin Spelda

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