Wowereit macht Mauererhalt in Berlin zur Chefsache

Regierender Bürgermeister will Abriss verhindern

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) koordiniert ab sofort den Fortgang der Arbeiten an der Mauermeile East Side Gallery. "Wir haben eine Verantwortung, uns der Historie bewusst zu sein und die Mauer zu erhalten", sagte Wowereit.

Wowereit will einen Abriss von Teilen des längsten verbliebenen Mauerstücks in der einst geteilten Stadt verhindern. "Es geht darum, eine schonende Lösung für die East Side Gallery zu finden", sagte Wowereit.

Am Freitag vergangener Woche war es zu Abrissarbeiten gekommen, um einen 23 Meter breiten Zugang zu einem Grundstück an der Spree zu schaffen. Dies löste massive Proteste aus. Der Bauherr setzte daraufhin die Arbeiten zunächst bis zum 18. März aus.

Zunächst will Wowereit den für die East Side Gallery zuständigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Senat "auf Linie bringen", wie er sagte. Anschließend soll mit den Investoren geredet werden. Bis wann eine Lösung vorliegt, wollte Wowereit nicht sagen. Das bereits herausgenommene Mauerstück solle aber wieder in die East Side Gallery eingefügt werden. "Ich denke, das ist technisch möglich", sagte Wowereit.

Die East Side Gallery ist der längste erhaltene Abschnitt der Berliner Mauer. Er wurde seit 1990 von Künstlern mit großformatigen Wandbildern bemalt und zieht jedes Jahr hunderttausende Touristen an. Der Abschnitt steht unter Denkmalschutz. An mehreren Stellen gibt es allerdings bereits Öffnungen, um Zugänge zur Spree zu ermöglichen.

Der US-Schauspieler David Hasselhoff, der Anfang der 90er Jahre in Deutschland auch als Sänger erfolgreich war, zeigte sich bestürzt über die Abrissarbeiten in Berlin. "Wie kann man die Mauer niederreißen, die für Freiheit, Beharrlichkeit und menschliche Opfer steht?", twitterte Hasselhoff. Er kündigte an, die Petition gegen den Abriss unterzeichnen zu wollen

Hasselhoff brachte 1989 seinen Song "Looking for Freedom" heraus, den die Deutschen im Freudentaumel nach dem Mauerfall als Ode an die Freiheit interpretierten. Das Lied stand acht Wochen auf Platz eins der deutschen Hitparade. Hasselhoff hatte in der Silvesternacht 1989 eine denkwürdigen Auftritt vor dem Brandenburger Tor, als er seinen Hit in einer blinkenden Lederjacke vor hunderttausenden Menschen zum Besten gab.

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