Dawid Tomaszewski: "Es muss nicht immer ein Regenbogen sein"

Modedesigner Dawid Tomaszewski begeistert insbesondere mit seinen ausdrucksstarken Prints. (Bild: QVC)
Modedesigner Dawid Tomaszewski begeistert insbesondere mit seinen ausdrucksstarken Prints. (Bild: QVC)

Am 1. Juni beginnt weltweit wieder der alljährliche Pride Month. In Erinnerung an den Stonewall-Aufstand von 1969 finden in diesem Monat besonders viele Demonstrationen und Veranstaltungen statt, die sich für die Rechte von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierungen und Identitäten starkmachen. Der Modedesigner Dawid Tomaszewski (41) engagiert sich bereits seit vielen Jahren für Gleichberechtigung und Selbstbestimmtheit. Im Interview spricht der polnisch-deutsche Modeschöpfer über Pride Mode, seine Haltung zum Pride Month und die Chance, anderen Mut zu machen.

Im Pride Month werden Vielfalt und Toleranz gefeiert. Dann leuchten auf vielen Kanälen und Outfits die Regenbogenfarben. Was bedeutet dieses Symbol für Sie?

Dawid Tomaszewski: Viele Marken und Modeschöpfer interpretieren das Thema auf ihre Weise. Dabei entstehen wirklich tolle Designs. Ziel sollte es aber sein, nicht in Klischees zu denken. Die LGBTQIA*-Szene ist vielmehr eine Quelle der Inspiration. Es muss also nicht immer ein Regenbogen sein. Er hat eine lange Historie und wichtige Bedeutung für die Community. Ich würde die modische Ausdrucksform aber nicht nur darauf reduzieren.

Für QVC haben Sie speziell für den Pride Month einen Hoodie entworfen. So ganz ohne Farben geht es dann aber doch nicht, oder?

Tomaszewski: Der "Love is Love"-Hoodie hat eine klare Botschaft und steht mit seinen Farbakzenten natürlich für Vielfalt und Toleranz. Er lässt sich aber auch das ganze Jahr über tragen - ohne direkten Bezug zum Pride Month. Und so sollte es auch mit der selbstbestimmten Liebe sein. Sie muss ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sein und nicht nur einmal im Jahr zum Thema gemacht werden. Unsere Community sollte nicht als bunte Paradiesvögel wahrgenommen werden, sondern als Menschen wie du und ich. Und dennoch unterstütze ich natürlich alle Aktionen, die dazu beitragen, das Thema in die Mitte unserer Gesellschaft zu tragen. Mit dem Verkauf meines Hoodies in der Limited Edition unterstützt QVC Queeramnesty und spendet 50 Prozent der Einnahmen.

Was bedeutet der Pride Month für Sie?

Tomaszewski: Er ist ein Anlass für ein Statement, dass man als normaler Mensch in diesem Land lebt und die gleichen Rechte hat - auch wenn wir zum Teil immer noch anders behandelt werden. Wir dürfen heiraten und Kinder bekommen. Dafür zeige ich Flagge, auch wenn man immer noch merkt, dass es Vorurteile gibt - vor allem in meinem Heimatland Polen. Da ist es unter der neuen Regierung sehr schlimm für die Community. Umso wichtiger finde ich es, dass Unternehmen ihre Reichweite nutzen, um ein Zeichen zu setzen und aufzuklären.

Wie waren die Reaktionen auf Ihr Coming-out?

Tomaszewski: Ich hatte das Glück, in einer sehr liebevollen und aufgeschlossenen Familie aufzuwachsen. Meine Mama ahnte es sowieso schon und liebt mich, wie ich bin. Außerhalb dieser Geborgenheit habe ich aber auch viel Diskriminierung erfahren müssen. Darum engagiere ich mich permanent für das Thema Gleichberechtigung. Ich unterstütze die Aids-Hilfe. Und ich helfe Menschen, die durch ihr Outing Ausgrenzung durch die Familie erfahren, indem ich mich als Gesprächspartner anbiete. Meine eigenen Erfahrungen helfen mir dabei. Für mich und mein Coming-out wurde es erst leichter, als ich nach London gegangen bin. Im Polen vor 25 Jahren war es kaum denkbar, seine Sexualität offen auszuleben - leider ist es bis heute schwierig.

Wie nutzen Sie Ihre Bekanntheit, um sich für die Community starkzumachen?

Tomaszewski: Ich bin seit 20 Jahren erfolgreich in der Branche. Vor meiner Zeit bei QVC war es aber so, dass mein Gesicht kaum bekannt war. Alle kannten den Namen Dawid Tomaszewski, aber nicht so sehr mich. Das ist jetzt anders durch die Nähe zu den Kundinnen. Hier werde ich direkt wahrgenommen und freue mich sehr über das positive Feedback. Mit meiner Homosexualität gehe ich offen um. Sie sollte aber nicht immer Thema sein. Dennoch bin ich stolz, dass ich anderen Mut machen kann und ihnen zeigen kann, dass sie gut sind, wie sie sind.

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