Deal mit Justiz: Metal-Musiker Schaffer bekennt sich als erster Kapitol-Randalierer schuldig

Konstantin Delles
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Jon Schaffer schaffte es auf eines der bekanntesten Fotos von den Unruhen im Kapitol (Bild: Roberto Schmidt / AFP)
Jon Schaffer schaffte es auf eines der bekanntesten Fotos von den Unruhen im Kapitol (Bild: Roberto Schmidt / AFP)

Metal-Musiker Jon Schaffer hat sich als erster von Hunderten Angeklagten im Zusammenhang mit den Unruhen im US-Kapitol am 6. Januar schuldig bekannt. Wie US-Medien von dem Gerichtstermin Ende der vergangenen Woche berichteten, kooperiert der Gitarrist mit dem Justizministerium und kann so auf eine niedrigere Haftstrafe hoffen.

Im Rahmen der Vereinbarung bekannte sich Schaffer vor einem Bundesgericht in Washington DC in zwei von ursprünglich sechs Anklagepunkten schuldig: Behinderung einer Amtshandlung und Eindringen in ein gesperrtes Gebäude mit einer gefährlichen Waffe. Gemeint ist damit ein Bären-Abwehrspray, das Schaffer mitgeführt hatte. Fallen gelassen wurde dagegen unter anderem der Vorwurf, dass er das Spray auch gegen Sicherheitskräfte eingesetzt habe. Die Anklage empfiehlt 41 bis 51 Monate Haft anstatt sonst möglichen bis zu 30 Jahren.

Aussage gegen Miliz

Im Gegenzug hat Schaffer sich bereit erklärt, gegen die Miliz Oath Keepers auszusagen, die mit mehreren Mitgliedern an den Ausschreitungen beteiligt war. Sie gilt Ermittlern als eine der Gruppen, die von vornherein die Erstürmung des Kapitols geplant hatten und soll sich dabei unter anderem mit den rechtsextremen Proud Boys abgesprochen haben. Die Oath Keepers gelten auch deshalb als gefährlich, weil sie viele ehemalige und aktive Angehörige von Militär und Polizei in ihren Reihen zählen.

Der Musiker räumte dabei erstmals ein, selbst Mitglied der Oath Keepers zu sein. Schaffer hatte die Gruppierung seit mehreren Jahren beworben und auch im Kapitol eine Kappe mit der Aufschrift “Oath Keepers - Lifetime Member” getragen, sich aber nie klar zu einer Mitgliedschaft bekannt. Nach den Ausschreitungen hatte der Oath-Keepers-Ableger in Schaffers Heimat Indiana bestritten, dass er tatsächlich Mitglied sei.

Jon Schaffer bei einem Auftritt auf dem britischen Bloodstock Festival im Sommer 2012 (Bild: Gary Wolstenholme/Redferns via Getty Images)
Jon Schaffer bei einem Auftritt auf dem britischen Bloodstock Festival im Sommer 2012 (Bild: Gary Wolstenholme/Redferns via Getty Images)

Schaffer ist Hauptsongwriter und das einzige verbliebene Gründungsmitglied der traditionellen Heavy-Metal-Band Iced Earth. Iced Earth zählten vor allem in den 1990ern zu den beliebtesten Metalbands in der zweiten Reihe hinter den Genre-Spitzenreitern wie Iron Maiden und Co. und erfreuen sich bis heute unter anderem auch in Deutschland großer Popularität. In der Metalszene war er schon lange für eine zumindest rechtskonservative politische Einstellung bekannt, bei Auftritten trug er etwa öfters ein Bandana mit der Südstaaten-Flagge. 

Radikalisierung durch Verschwörungsmythen

Schon in der Zeit nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geriet Schaffer wegen nationalistischer Interviewaussagen und Songtexte in die Kritik. Später radikalisierte er sich und wandte sich Verschwörungsideologien zu, die er insbesondere mit seinem 2009 gegründeten Nebenprojekt Sons Of Liberty verbreitete. Die COVID-19-Pandemie bezeichnete er im Sommer 2020 als “eine Kampagne der psychologischen Kriegsführung”.

Schaffer wurde früh von Fans auf einem Bild eines AFP-Fotografen aus dem Kapitol identifiziert. In der Folge verließen die meisten Mitmusiker Iced Earth, der deutsche Metalsänger Hansi Kürsch (Blind Guardian) kündigte die Zusammenarbeit in dem gemeinsamen Projekt Demons & Wizards auf. Schaffers langjährige Plattenfirma Century Media nahm seine Alben aus dem Programm.

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