Debatte über Ausfall des Osterurlaubs

·Lesedauer: 4 Min.
Die Übernachtungsverbote treffen die Branche hart (Bild: Christof Stache/AFP)
Die Übernachtungsverbote treffen die Branche hart (Bild: Christof Stache/AFP)

Am Wochenende ist eine Debatte über den Osterurlaub in diesem Jahr angesichts der Corona-Pandemie ausgebrochen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach etwa erklärten, keine Chancen für Urlaubsreisen zu Ostern zu sehen - auch nicht innerhalb Deutschlands.

“Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen: Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben”, sagte Kretschmer der “Bild am Sonntag”. Zu große Mobilität bereits im April sei Gift. “Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben”, warnte der Ministerpräsident.

Lauterbach sagte am Sonntag der “Welt”: “Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr Osterurlaub machen können.” Die Osterwochen müssten genutzt werden, mit möglichst geringen Kontakten die noch immer drohende dritte Welle in der Corona-Pandemie mit den gefährlichen Mutationen abzuwenden. “Ich wäre schon froh, wenn wir es ohne dritte Welle bis Ostern überhaupt schaffen”, betonte Lauterbach. Er fügte an: “Sollte dies gelingen, darf der Erfolg nicht im Urlaub zerstört werden.”

Brandenburgs Ministerpräsident, Dietmar Woidke (SPD) vertritt eine ähnliche Linie. “Auf touristische Reisen, auf Tagesausflüge, auf jegliche nicht notwendige Fahrt sollte jetzt dringend verzichtet werden”, sagte der SPD-Politiker der “Welt”. Es sei jetzt nicht die Zeit für Reisen.

Andere Länder wollen Urlaubsfrage offen halten

Berlins Regierender Bürgermeister Müller (SPD) sieht das anders: “Das teile ich so pauschal nicht. Und ich glaube, es ist auch verfrüht, das so festzulegen”, sagte er am Sonntagabend in der ZDF-Sendung “Berlin direkt”. Man habe es in den vergangenen sechs, sieben Wochen geschafft, doch um 100 Punkte runterzukommen. “Warum soll es uns nicht jetzt gelingen, in den nächsten sechs, sieben Wochen bis Ostern noch einmal 30 Punkte runterzukommen. Und damit ja doch viel mehr Freiheit und Normalität zurückzugewinnen.” Der Beginn der Diskussion sei sehr früh, sagte auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Interview bei "Welt". "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir alle ein wenig abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, und deshalb macht es keinen Sinn, zum jetzigen Zeitpunkt in die eine oder andere Richtung eine feste Aussage zu treffen."

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther sieht den Osterurlaub bislang nicht in Gefahr: “Wir haben in der letzten MPK einen klaren Fahrplan verabredet, eine Öffnungsstrategie auch für die Bereiche Gastronomie und Beherbergung zu erarbeiten. Ich halte nichts davon, dies nicht mal eine Woche später infrage zu stellen”, sagte der CDU-Politiker der “Welt”. “Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.”

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hält Osterurlaub für möglich, sollte sich die Lage entspannen. Dem “Tagesspiegel” sagte der CDU-Politiker mit Blick auf Reisen und Urlaube zu Ostern: “Wenn wir die Inzidenz weiter drücken, können wir darüber nachdenken, Beherbergungsangebote zu ermöglichen. Als erstes in Ferienwohnungen, wo es keine Ballung von Menschen gibt, dann auch wieder in Hotels.” Sollte die jetzige Entwicklung anhalten, sei das vorstellbar. Die Beherbergungsproblematik müsse aber zur Vermeidung von Verdrängungseffekten gesamtdeutsch diskutiert werden, fügte er hinzu.

“Schlag ins Gesicht” für Hotelbranche

Kritik an Kretschmers Ansage kam auch von der Linken. “Wenig im Griff, aber Hauptsache eine Meldung. Das ist die Linie von Ministerpräsident Kretschmer”, sagte Jan Korte, parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Fraktion, der “Welt”. Anstatt einen nachvollziehbaren, sicheren und logischen Plan zu entwickeln, werde wahllos irgendeine Maßnahme rausgehauen. “So verspielt man Vertrauen.” Auch von der FDP kam Kritik. “Bei Herrn Kretschmer setzt sich Merkels Kurs der Perspektivlosigkeit fort”, sagt Vizefraktionschef Michael Theurer der Zeitung. “So zermürbt man die Menschen. Sie brauchen aber eine Perspektive.”

Auf große Ablehnung stößt der Vorstoß auch in den betroffenen Branchen. "Die pauschale Absage des Osterurlaubs ist völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche", kritisierte Guido Zöllick, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) am Montag. Der Hotel- und Gaststättenverband forderte konkrete Öffnungsperspektiven für die Branche. Spätestens bei der nächsten Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen in der Pandemie am 3. März müsse es einen Fahrplan geben, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen, die Betriebe wieder Gäste empfangen dürften. Einer aktuellen Dehoga-Umfrage zufolge fordern 83,6 Prozent der Betriebe eine Öffnung vor Ostern.

Die Branche sei Ende Februar schon wieder vier Monate im Lockdown, sagte Zöllick. Die Verzweiflung und die existenziellen Sorgen "sind immens groß". Der Umfrage zufolge brach der Umsatz im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 78 Prozent ein. Bislang haben demnach 63,5 Prozent der Betriebe die kompletten Novemberhilfen erhalten. Bei den Dezemberhilfen seien nur 23,3 Prozent. "Die Antragstellung und die schnelle Auszahlung der noch ausstehenden versprochenen Wirtschaftshilfen müssen jetzt absolute Priorität haben", forderte Zöllick.

undefined

Video: Strenge Kontrollen an Grenzen zu Tschechien und Tirol gestartet