Deka-Volkswirte mit Ausblick - Deka-Experte Kater über Staatsverschuldung besorgt: „Droht neuer Ärger in Europa“

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DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.DekaBank

Aus Sicht der Deka-Fachleute schreitet die weltwirtschaftliche Normalisierung voran. Zudem sei der Zinsgipfel erklommen, aber der Abstieg dürfte in den USA und Euroland unterschiedlich schnell verlaufen. Für den DAX sind die Experten zuversichtlich.

Für das Jahr 2024 rechnen die Volkswirte der Deka mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Damit bliebe das Wachstum auf dem Niveau von 2023. „Die Weltwirtschaft ist auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht“, sagt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Bislang seien die zwanziger Jahre von Schocks wie der Pandemie und dem Krieg in Europa geprägt gewesen.

Trotz dieser Widrigkeiten hätten sich die Konjunkturindikatoren in diesem Jahr sogar in eine „Wohlfühlzone“ bewegt, in der weder Wachstum noch Inflation aus dem Ruder laufen dürften, so Kater. Für die deutsche Wirtschaft sei allerdings noch Geduld bis zum Jahr 2025 gefragt, für das die Deka-Volkswirte wieder ein Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent erwarten.

Unsicherheit bleibt bestehen

Generell herrsche am Kapitalmarkt aber weiterhin Unsicherheit darüber, wo die neuen Normalwerte für Inflation, Zinsen und Wachstum liegen könnten. Während der Wachstumstrend auch für die zweite Jahreshälfte intakt sei, sei bei der Inflation alles andere als klar, ob die Beruhigung anhalte.

Der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl im Herbst sieht der Deka-Chefvolkswirt gelassen entgegen. Denn die wirtschaftlichen Perspektiven der beiden Präsidentschaftskandidaten unterscheiden sich für Kater relativ wenig. Doch unabhängig vom Wahlausgang stelle die Geopolitik deutsche Unternehmen vor große Herausforderungen: „Handelsbarrieren, Sanktionen und unfaire Handelsbedingungen setzen viele internationale Geschäftsmodelle unter Druck“, sagt Kater.

Entwicklung der Staatsverschuldung bereitet Sorgen

Mit Sorge blickt er auf die weltweite Entwicklung der Staatsverschuldung. Gerade mit Blick auf Frankreich, wo Präsident Macron das Parlament aufgelöst und Neuwahlen für den 30. Juni angesetzt hat, seien die aktuellen Risikoaufschläge auf Staatsanleihen nur eine vorübergehende Episode. Sie zeigten aber die Schmerzzone der Kapitalmärkte auf: „Bei dem derzeitigen Ausmaß an unterschiedlichen Einstellungen zur Verschuldung droht neuer Ärger in der Finanzetage des europäischen Hauses.“

Zweifellos sind perspektivisch niedrigere Leitzinsen notwendig, um ein neues realwirtschaftliches Gleichgewicht zu erreichen. Allerdings dürfte es in der zweiten Jahreshälfte noch die eine oder andere negative Überraschung geben. „Die US-Notenbank wird sich schwer tun, den Leitzins erstmals vor November zu senken“, prognostiziert der Deka-Chefvolkswirt. Mit ihrer Zinssenkung im Juni sei die Europäische Zentralbank der Fed bei der Zinswende zuvorgekommen. „Die zweite Hälfte des Kapitalmarktjahres wird zeigen, wie groß der Spielraum für weitere Schritte tatsächlich ist.“ In den USA habe die Notenbank in den vergangenen Monaten mehrfach betont, dass sie ihren geldpolitischen Kurs von der Datenlage abhängig mache. Insofern sei nicht sicher, dass es zu weiteren Leitzinssenkungen kommen werde.

Big Techs gut dabei, Nebenwerte im Minus

Die Aktienkurse haben sich weltweit gut entwickelt. In den USA legte der S&P-500##chartIcon um mehr als 10 Prozent zu, aber auch deutsche und europäische Aktien legten seit Jahresbeginn deutlich zu. „Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist intakt“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmarkt und Strategie bei der DekaBank. Trotz der gestiegenen Kurse seien die Unternehmen fundamental weiterhin fair bewertet. Die Bilanzstruktur vieler Unternehmen sei gesund und die Ertragsaussichten weiterhin gut.

Entgegen der bisherigen Kursentwicklung haben sich die deutschen Nebenwerte vom positiven Trend abgekoppelt und müssen seit Jahresbeginn ein Minus von 6 Prozent hinnehmen. „Das Vertrauen in Unternehmen aus der zweiten Reihe scheint angeschlagen“, so Schallmayer, doch seien diese Unternehmen international gut aufgestellt und gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis günstig bewertet. So liege das KGV des MDAX##chartIcon derzeit bei 14,3 und damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre von 17,3. Rückblickend auf die Dividendensaison stellt Schallmayer fest: „Die Unternehmen haben die hohen Dividendenerwartungen mit Rekordausschüttungen von 55 Milliarden Euro erfüllt“.

Dax über der Marke von 19.000 Punkten gesehen

Die stabile Konjunktur und die gute Gewinnentwicklung der Unternehmen bleiben auch in der zweiten Jahreshälfte die wichtigsten Stützen für die Kapitalmärkte. „Die für das zweite Halbjahr erwartete positive Gewinnentwicklung wird von mehr Unternehmen als bisher getragen“, so Schallmayer. Insbesondere in den USA reduziere sich dadurch die hohe Abhängigkeit von wenigen Technologie- und Plattformunternehmen. Schallmayer rechnet mit moderaten Kurssteigerungen im zweiten Halbjahr, von denen vor allem europäische Small Caps profitieren dürften. Aber auch der DAX##chartIcon habe weiteres Potenzial und sollte das Jahr über der Marke von 19.000 Punkten beenden.

Mit Blick auf den Rentenmarkt sieht Kapitalmarktstratege Schallmayer ebenfalls Chancen in den Industrieländern. Sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen befänden sich in einer guten Ausgangslage. „Europäische Unternehmensanleihen aus dem Investment- und High-Yield-Segment bieten trotz der Zinssenkungen der EZB attraktive Gesamtrenditen“.

Insgesamt seien die Ertragsaussichten für Kapitalanlagen positiv. „Unternehmensanleihen sind neben Aktien ein wichtiger Ertragsbaustein in einem gut diversifizierten Anlageportfolio“, so Schallmayer. Auch das Thema Inflation habe nicht mehr die Macht wie noch im Jahr 2022. „Der Kapitalmarkt bietet derzeit für jeden Anleger eine bewährte und ertragreiche Veranlagungsmöglichkeit“, so Schallmayer abschließend.