Indien: Tierschützer wollen Vogel mit Plastikring um Schnabel retten

In der indischen Hauptstadt wird verzweifelt nach einem Storch gesucht – um ihm das Leben zu retten: Der Schnabel des Tiers ist in einem Plastikring gefangen.

„Ein Riesenstorch hat sich mit dem Schnabel in einem Plastikring verfangen. #SagNeinZuPlastik“

Der Hobbyfotograf Manoj Nair ist häufig im Moorland unterwegs auf der Suche nach Schnappschüssen von Vögeln. Was er am vergangenen Donnerstag knapp außerhalb der Stadtgrenze von Delhi sah, schockierte ihn jedoch zutief.

Ein Riesenstorch hatte seinen Schnabel in einem Plastikring verfangen, der es ihm unmöglich machte, den Schnabel zu öffnen. Seitdem suchen Umwelt- und Tierschützer in der gesamten Gegend nach dem in Not geratenen Tier.

„Ich habe ihn im Basai-Moorland gesehen, wie er versucht hat, den Flaschenverschluss von seinem Schnabel zu bekommen“, erzählte Nair „Kyodo News“. Danach wurde der seltene Vogel noch einmal im selben Moorland gesichtet, flog aber davon, bevor er gefangen werden konnte.

„Es ist ein Wettkampf gegen die Zeit“, sagte der Vogelbeobachter Pankaj Gupta von der Delhi-Stiftung für Vögel der BBC. Der Hobbyfotograf hatte sich mit seinem Schnappschuss an Gupta gewandt. Gemeinsam hatten sie für die Verbreitung des Fotos in den sozialen Netzwerken gesorgt.

„Wenn wir ihn nicht bald finden, wird er an Durst und Hunger verenden“, so Gupta. Andere vermuten, dass der Vogel durch den versperrten Schnabel zwar Wasser trinken, ihn jedoch nicht weit genug öffnen kann, um Nahrung zu sich zu nehmen.

Der richtige Zeitpunkt ist bei der Jagd auf den Vogel essenziell: „Er muss schwach genug sein, um nicht wegzufliegen, aber nicht zu schwach, sonst stirbt er“, so Gupta weiter.

Erst vor wenigen Tagen zelebrierte Indien den Weltumwelttag, der in diesem Jahr „Die Plastik-Umweltverschmutzung besiegen“ zum Thema hatte. Trotz der Vielzahl an Vögeln und anderen Tieren, die in dem Moorland nahe der Mega-Metropole Delhi angesiedelt sind, ist die Gegend mit tonnenweise Plastikmüll verschmutzt. Der Storch könnte sich den Plastikring beim Jagen im Wasser eingefangen haben. Gupta zufolge stammt er mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Plastikflasche.

In der knapp 17-Millionen-Einwohner-Stadt Delhi wird nach einem Riesenstorch gefahndet. Der allgegenwärtige Plastikmüll könnte das seltene Tier das Leben kosten. (Bild: Getty Images/Frédéric Soltan/Corbis)

In dem Moorland nahe der indischen Hauptstadt haben Tierschützer unlängst Pläne zum Bau einer Recycling-Anlage für Bauabfälle vereitelt. Nun soll entschieden werden, ob Basai auch offiziell zum geschützten Moorland erklärt wird. Der Storch wurde inzwischen bereits in einem anderen Moorland gesichtet. In der Umgebung von Delhi gibt es nur zwischen 50 und 60 der seltenen Tiere. Riesenstörche können sich in einem Gebiet von bis zu 20 Quadratkilometern bewegen.