Delta-Variante in Großbritannien: Eine Mutante, wie gemacht für die vierte Welle

·Lesedauer: 2 Min.

Delta treibt in Großbritannien die Corona-Fälle hoch. Es wurde zu früh geöffnet, zudem sind Reisende und wenig Zweitgeimpfte ein Problem. Was heißt das für Deutschland?

Im englischen Bolton hat sich die Delta-Variante besonders schnell verbreitet. Angehörige der Armee helfen dabei, die Bevölkerung zu testen. © Christopher Furlong/​Getty Images
Im englischen Bolton hat sich die Delta-Variante besonders schnell verbreitet. Angehörige der Armee helfen dabei, die Bevölkerung zu testen. © Christopher Furlong/​Getty Images

In der Wahrnehmung vieler hatte Großbritannien es geschafft. Am Ende mit anhaltend harten Maßnahmen und einer schnellen Impfkampagne konnte das Land das Coronavirus in den vergangenen Monaten erstaunlich gut zurückdrängen. Nach einer schweren dritten Infektionswelle im Winter mit vielen Toten lag die Corona-Inzidenz seit April bei weit unter 30 Infektionen pro 100.000 Einwohnerinnen. Täglich wurden meist nur noch um die 2.000 Neuinfektionen gemeldet. Und zusätzlich liefen die Impfungen so erfolgreich, dass die britische Regierung einen Lockerungsplan vorlegte, mit dem das Land eigentlich schon Ende Juni wieder zu fast normalen Verhältnissen zurückkehren sollte. Ob dieser nun umgesetzt wird, ist fraglich. Denn die Infektionszahlen steigen wieder, mitunter rasant. Und was sich in Großbritannien gerade anbahnt, beunruhigt auch deutsche Seuchenschützer.

Seit Anfang Juni liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei den Briten plötzlich wieder bei meist über 5.000 Neuinfektionen. Diesen Mittwoch wurden sogar 7.540 Neuinfektionen gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit wieder bei etwa 50 Neuinfektionen pro 100.000 Personen. Das ist für Großbritannien im Vergleich zum Winter, wo täglich oft mindestens 20.000 Fälle hinzukamen und die Sieben-Tage-Inzidenz zwischenzeitlich über 600 lag, ein immer noch niedriges Niveau. Allerdings verdoppeln sich die Neuinfektionen binnen kürzester Zeit und scheinen eine neue Infektionswelle anzukündigen.

Was steckt hinter dem Anstieg? Politische Entscheidungen spielen eine wichtige Rolle, doch in diesem Ausbruch gibt es eine weitere Besonderheit: die Coronavirus-Mutante Delta, die auch B.1.617.2 genannt wird und zuerst in Indien entdeckt wurde. Sie verbreitet sich schneller als Alpha, auch genannt B.1.1.7 – jene Variante also, die seit dem Winter das Infektionsgeschehen im Vereinigten Königreich, in Deutschland und vielen anderen Ländern dominiert.

Seit April verbreitet sich Delta aus Städten in Nordengland wie Blackburn, Bolton, Manchester, Leicester, aber auch von Stadtgebieten nahe der Flughäfen Heathrow, Gatwick und Luton. In der Woche bis zum 2. Juni entdeckten Forschende im Rahmen der routinemäßigen Variantenüberwachung 5.472 neue Delta-Fälle, aber nur 3.720 neue Alpha-Fälle. Angaben des britischen Gesundheitsministers Matt Hancock zufolge, der sich auf noch aktuellere Daten stützt, macht Delta mittlerweile 91 Prozent aller neuen Fälle in England aus.

Lesen Sie hier weiter!