Demonstrationen im Iran: Mehr als 100 Tote befürchtet

Aufnahmen zeigen Spuren von Gewalt und Verwüstung, doch welches Ausmaß die Demonstrationen im Iran tatsächlich haben, ist ungewiss. Das iranische Fernsehen strahlte Bilder aus, die Krawallmacher zeigen sollen. In der Islamischen Republik waren die Treibstoffpreise heraufgesetzt und die monatliche Abgabe von Benzin pro Person begrenzt worden.

Es gibt zudem Anzeichen, dass Internetverbindungen im Iran im großen Stil gekappt wurden.

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA meldet, eine kleine Anzahl an Randalierern habe die zulässigen Demonstrationen gegen die Preiserhöhung ausgenutzt, um Chaos zu verbreiten.

Raha Bahreini, bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Expertin für den Iran, sagt: „Gemäß zuverlässigen Berichten, die wir bekommen haben, sind in 21 Städten in weniger als drei Tagen seit vergangenem Freitag mindestens 106 Demonstranten getötet worden. Es gibt auch Augenzeugenberichte, die von Videoaufnahmen bekräftigt werden, dass Scharfschützen von Hausdächern und in mindestens einem Fall von Hubschraubern aus in Menschenmengen geschossen haben.“

Vereinte Nationen „zutiefst besorgt“

„Wir sind zutiefst besorgt über die gemeldeten Verstöße gegen internationale Normen und Richtlinien für die Anwendung von Gewalt. Wir kennen die Anzahl der Toten und Verletzten nicht, aber es ist eindeutig sehr ernst“, sagt Rupert Colville, der Sprecher der UNO-Kommissarin für Menschenrechte.

Nach Angaben der Vereinten Nationen seien mehr als 1000 Demonstranten festgenommen worden, aber Einzelheiten seien schwer zu überprüfen, so Colville.

„Insgesamt sollen Proteste in 40 oder mehr Städten im ganzen Land stattgefunden haben, aber auch hier waren Details wegen der Abschaltung des Internets am späten Samstag schwer zu überprüfen", erklärte Colville.

Das iranische Fernsehen zeigte Aufnahmen von Demonstrationen für die Regierung. Die Teilnehmer skandierten unter anderem gegen die USA und Israel gerichtete Schlachtrufe.