Roher Beton und Geisterstraße: Diese Objekte in Köln gelten als Denkmal

Bei den wenigsten erschließt sich die Denkmal-Würdigkeit auf den ersten Blick.

Insgesamt 17 Objekte wurden in den vergangenen zwei Jahren unter Schutz gestellt, darunter eine Kirche, ein Park und ein Erinnerungsstein. Bei den wenigsten erschließt sich die Denkmal-Würdigkeit auf den ersten Blick. Hier ist eine Auswahl:

Kirche Johannes XXIII., Berrenrather Strasse, Sülz

Es ist eines dieser Denkmäler, die polarisieren: roher Sichtbeton, von Witterungsspuren gezeichnet, grau, rau. Als Brutalismus wird die Stilrichtung bezeichnet, abgeleitet vom Baustoff „beton brut“ (roher Beton). Nicht gerade das, was man landläufig als schön bezeichnet.

Und doch: Seit 2016 wird die Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde Johannes XXIII. an der Berrenrather Straße unter der Nummer 8792 in der Kölner Denkmalliste geführt. Dafür hat Stadtkonservator Thomas Werner gute Gründe angeführt. Denn die 1968/69 nach einem Entwurf des renommierten Bildhauers Josef Rikus errichtete Kirche ist ein typisches Dokument jener Zeit.

Es war der damalige Studentenpfarrer Wilhelm Nyssen, der zusammen mit Erzbischof Joseph Kardinal Frings den Neubau forcierte. Nyssen wollte eine Kirche, die dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprach. Eine Kirche auf Augenhöhe, in der der Priester die Liturgie nicht mehr mit dem Rücken zur Gemeinde feierte, sondern ihr zugewandt war.

Die Idee schlug sich in der Gestaltung des Innenraums nieder: ebenerdig, ohne erhöhten Standort für den Altar. Vom Innenraum und seiner Spiritualität ausgehend sollte ein Kirchenbau entstehen, der die Andersartigkeit eines Sakralgebäudes gegenüber dem alltäglichen Leben zum Ausdruck bringt. Aus diesen Vorgaben entwickelte Bildhauer Rikus eine Betonplastik aus verschachtelten Balken und Scheiben, mehr Skulptur als Gebäude. Ziel war es, die Symbolik des Baumes architektonisch in abstrakte Formen zu übersetzen: ein Geäst aus aufsteigenden und herabhängenden Zweigen in Form des Betonstrebewerks.

Alte Bonner Landstrasse

Als 1932 die „Kraftwagenstraße“ zwischen Köln und Bonn eingeweiht wurde, war dies ein Meilenstein. Denn der Vorläufer der A555 war die erste Autobahn zwischen zwei Städten. Mit dem Bau des Autobahnkreuzes Süd 1941 wurde dann die bis dahin parallel verlaufende Alte Bonner Landstraße teilweise verlegt – und zwar in die Mitte der Autobahn.

Diese Strecke war für den lokalen Verkehr vorgesehen. Heute existiert von dieser „Geisterbahn“ nur noch ein wenige hundert Meter langes Stück ab dem Bonner Verteilerkreis, das jetzt unter Denkmalschutz steht.

Europaschule Zollstock

Die Schule am Raderthalgürtel überzeuge durch Einfachheit und Strenge sowie durch eine bauliche Kompaktheit, „die ohne repräsentative Hauptseite auskommt, so dass man den Eingang förmlich suchen muss“. So steht es im Bewertungstext für die Kölner Denkmalliste.

Schutzwürdig ist der 1976 fertiggestellte Funktionsbau demnach, weil er ein Prototyp des großstädtischen Gesamtschulbaus ist und ein Zeugnis der Bildungspolitik der 60er und 70er Jahre, als im Zuge der Bildungsreform überall in Deutschland große Gesamtschul-Komplexe entstanden.

Pantaleonspark am Rothgerberbach

Der Pantaleonspark steht am Anfang der mit dem Wiederaufbau der Stadt nach 1945 angelegten Grünanlagen. Sie sollten die zerstörte Innenstadt wieder zu einem begehrten Wohnort machen. Mit dem Park knüpften die Stadtplaner zudem an die überlieferte Gestaltung an. Denn bis ins 19. Jahrhundert war St. Pantaleon von Nutz- und Weingärten umgeben.

Die Grünanlage steht in der Tradition historischer Landschaftsgärten und ist mit ihren geschwungenen Wegen und offenen Rasenflächen charakteristisch für die Gartenarchitektur der 50er Jahre.

Otto-Piene-Skulptur an der Hohe Strasse

Dass die kinetische Skulptur „Licht und Bewegung“ am Wormland-Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde, liegt nahe. Der Künstler Otto Piene, der das Kunstwerk 1966 schuf, war Mitbegründer der legendären „Zero-Gruppe“ und gehört damit zu den bedeutenden Erneuerern der Kunst in Deutschland und Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zum Denkmal gehören nicht nur das Lichtrad aus beweglichen Metallkugeln, sondern auch beide Fassaden des Eckhauses Hohe Straße/ Salomonsgasse sowie der Antrieb der Mechanik.

Erinnerungsstein am Dreieck Heumar

Verkehrsumtost steht auf einem Grünstreifen der Autobahn 3 auf Höhe des Heumarer Dreiecks ein unscheinbarer Stein mit einem Bären und der Aufschrift „Berlin 600 Kilometer“.

Der Erinnerungsstein Berliner Bär, 1954 in Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss aufgestellt, sollte nach der politischen Teilung Deutschlands die Verbundenheit mit der ehemaligen Hauptstadt und ihren Bürgern zum Ausdruck bringen – und gleichzeitig die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung bekräftigen. Im ganzen Land wurden damals ähnliche Steine errichtet....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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