Der Bruderkampf von New Orleans

Der Ball ist nicht rund und das Spiel dauert keine 90 Minuten: Dass American Football mit dem europäischen Fußball nicht viel zu tun hat, muss hierzulande nur noch den Wenigsten erklärt werden. Der körperbetonte Sport wird auch in Deutschland immer populärer: Rund 1,2 Millionen Deutsche bezeugten im vergangenen Jahr, wie die New York Giants die New England Patriots besiegten. Zwar dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis in den Köpfen der Deutschen mit dem ersten Sonntag im Februar automatisch der Super Bowl in Verbindung gebracht wird. Doch bereits jetzt lässt sich von Good Old Germany aus beim großen NFL-Finale (Sonntag, 3. Februar) gut mitfiebern ...

Deutscher Super-Bowl-Beauftragter ist zum zweiten Mal in Folge SAT.1: Ab 0.10 Uhr übertragen die Münchner das Sport-Spektakel, der Live-Stream auf www.ran.de beginnt sogar schon um 22.20 Uhr. Die Quote stimmte im letzten Jahr, um die Herzen der Zuschauer muss SAT.1 aber weiterhin kämpfen - dass der Sender zuletzt noch Werbung zeigte, als im Lucas Oil Stadium von Indianapolis ein Touchdown erzielt wurde, brachte viele wütende Emails und Facebook-Beschwerden ein. Wie viele deutsche Fans deswegen lieber auf nfl.com in einen 7,99 Dollar teuren Game Pass investierten, um dieses Mal gleich die US-Übertragung zu schauen, kann nur vermutet werden.

Ob nun Jim Nantz von CBS oder Frank Buschmann von SAT.1 das Geschehen auf dem Feld kommentiert, dass die Worte "Brother Bowl", "HarBowl" oder "HarbaughBowl" fallen werden, ist so gut wie gewiss. Denn beim Super Bowl XLVII in New Orleans trifft nicht einfach nur das Siegerteam der American Football Conference, die Baltimore Ravens, auf den Gewinner der National Football Conference (NFC), die San Francisco 49ers: Die Cheftrainer der beiden Mannschaften, John und Jim Harbaugh, tragen nicht zufällig denselben Nachnamen. Ravens-Coach John ist der ein Jahr ältere Bruder des 49ers-Coaches Jim. Auf den Vereinsseiten, www.baltimoreravens.com und www.49ers.com, lässt sich der Werdegang des jeweiligen Harbaughs nachvollziehen.

Besonderes Augenmerk dürfte beim 47. Super Bowl aber auch auf Ray Lewis, dem Kapitän der Baltimore Ravens liegen: Der kündigte zu Jahresbeginn an, dass die aktuelle Saison seine letzte sein werde - und wie könnte man eine Football-Karriere besser beenden als mit einem letzten großen Sieg? Einmal konnte Lewis, der unter www.facebook.com/officialraylewis und twitter.com/raylewis sporadisch Kontakt mit seinen Bewunderern hält, die Vince Lombardi Trophy mit den Ravens bereits erkämpfen - im Jahr 2001, beim Super Bowl XXXV. Dass er in dieser Partie auch zum wertvollsten Spieler gewählt wurde, unterschlägt der Linebacker in seinem Profil natürlich nicht.

Apropos wertvoll: Satte vier Millionen Dollar kostet es Unternehmen in diesem Jahr, einen 30-sekündigen Werbespot während der Super-Bowl-Übertragung zu platzieren. Ein größeres Publikum können sich Hersteller wie Audi, VW oder Pepsi schließlich kaum wünschen - 111,3 Millionen Amerikaner schalteten sich im vorherigen Jahr zu. Und da kein Konzern derjenige sein will, der mit seinem Spot der halben Fernsehnation auf die Nerven fällt, geben sich die Werbetreibenden mit ihren Super-Bowl-Clips oft so viel Mühe, dass die Werbepause selbst zum Event wird. Der YouTube-Kanal nfltvsuperbowlads gibt mit seiner Playlist Super Bowl Commercials 2013 schon mal einen Ausblick auf wüste Wettrennen um eine Flasche Coca Cola, Kate Upton beim Autowaschen und einen VW-Clip, dessen Political Correctness in den USA bereits jetzt heftig diskutiert wird.

Der nicht-sportliche Höhepunkt der Football-Sause ist und bleibt jedoch die Halbzeitshow, die seit Jahren den ganz Großen der Unterhaltungsbranche vorbehalten ist: Bruce Springsteen, die Rolling Stones, Michael Jackson und zuletzt Madonna bestritten schon den Showteil in der Halbzeitpause, in diesem Jahr wird Beyoncé diese Ehre zu Teil. Auf ihrer Seite iam.beyonce.com hat sich die Soul-Diva bereits in ein sexy Schiedsrichter-Outfit geworfen, erste Fotos und Videosschnipsel von den Proben gibt es auch schon. Nur die Versicherung, dass ihre Stimme beim Super Bowl nicht vom Band kommen wird, fehlt nach Beyoncés viel diskutierten Playback-Auftritt bei Barack Obamas Vereidigung noch ...

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