Der Fänger des Nebels und die blühende Wüste

Der Gründer des Wassergewinnungsprojekts, Abel Cruz Gutíerrez, begutachtet das gesammelte Wasser in einem Tank. Foto: Georg Ismar

Abel Cruz Gutíerrez ist ein Fänger des Nebels. Er will, dass die Wüste grün wird - mit Wasser, das hier nahe der peruanischen Stadt Tacna aus dem oft wabernden Nebel gewonnen wird.

Er will, dass Kartoffeln, Mais, Zwiebeln, Tomaten und Oliven geerntet werden. Dass Meerschweinchen mit Alfalfasprossen und Klee ernährt und als Wüsten-Delikatesse an Märkte im ganzen Land verkauft werden. Gegrilltes «Cuy» ist in Peru ein Nationalgericht.

Zwar kämpfte Peru zuletzt mit schweren Überschwemmungen, aber heftige Niederschläge sind sonst eine absolute Ausnahme. Gerade hier in der Wüste an der Grenze zu Chile ist es seit Jahren immer trockener, Landwirtschaft wird immer schwieriger.

Abel Cruz ist Träumer und Kämpfer zugleich. «Wasserzugang ist ein Menschenrecht, unsere Regierung ignoriert das», kritisiert er. Allein in Lima hätten hunderttausende Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser. Im Jahr 2005 hat er die Bewegung «Peruaner ohne Wasser» gegründet und ist ihr Präsident.

Hinter Tacna geht es noch rund 230 Kilometer nordwestlich die Panamericana hoch. Eine Straße wie ein Strich. Nach einer Abfahrt in eine Talmulde ist das Dorf Pampa Colorada erreicht - eigentlich kein Dorf, nur einige provisorische Hütten zum Übernachten für die Bauern gibt es. «Wir wollen die Wüste grün machen, wir setzen auf organische Landwirtschaft, um unsere Produkte in die Welt zu exportieren», sagt Abel Cruz.

Was ins Auge fällt in Pampa Colorada, sind Dutzende grüne Netze, meist 20 Quadratmeter groß, befestigt an Holzgestängen. Damit wird der Nebel aufgefangen. Von den Netzen tropft das Wasser in offene Halbrohre und fließt in große Behälter. Franklin Cauna Huilca (30) ist der Verwalter. «60 bis 80 Liter Wasser pro Tag gibt es eigentlich fast immer.» Mit größeren Netzen würden auch teilweise rund 140 Liter geschafft.

«Ich habe gute Nachrichten. Die australische Botschaft will ein Projekt von uns unterstützen», sagt Gutíerrez bei einem Treffen mit den Bauern. Die klatschen. Wieder ein paar Tausend US-Dollar Hoffnung. Und der Rotary Club im amerikanischen Pittsburgh will über 200 Filter spenden, damit das mit den Netzen aufgefangene Wasser als Trinkwasser genutzt werden kann.

Das Projekt in Pampa Colorada hat allerdings ebenso wie das in einem Armenviertel Limas einen großen Haken: Zwar mangelt es in Peru keineswegs an Nebel - aber es gibt auch lange Phasen ohne ihn. Vor allem im Sommer, von Dezember bis Ende März, gibt es fast nie Nebel - bei zugleich sengender Hitze. Da gehen Pflanzen schnell ein. Ohne große Wasserspeicher bleibt die Vision darum genau das: eine Vision.

Rund 300 Parzellen könnten in Pampa Colorada auf einer Fläche von acht Kilometern Länge bewirtschaftet werden - aber es wären pro Parzelle bis zu 50 Netze nur für die Wasserspeicher notwendig, erklärt Huilca. Eine teure Sache: Rund 500 Soles (140 Euro) kostet ein Netz und man braucht große Wasserbehälter sowie ein Kanalsystem.

Philamena Mamani Tapia (56) war von Anfang an dabei. Seit drei Jahren bewirtschaftet sie eine Parzelle. Stolz kniet sie vor ihrem ersten Feigenbusch. «Aber es ist ein Kampf im Sommer, bisher lässt sich kein Geld verdienen.» Ihr Bruder Cristobal Mamani Tapia (49) hat die Parzelle Nr. 73, fünf Hektar groß.

Eigentlich gebe es viel Wasser in Peru - dank der Anden, sagt Mamani. «Aber die Regierung kümmert sich nicht um Bewässerungssysteme für die trockenen Gegenden, sie kümmert sich nur um die Ausbeutung der Minen.» Dadurch würden zudem die Flüsse kontaminiert. «Gold und Silber kann man nicht essen.»

Informationen zum Projekt sin agua

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