Der Mond rostet

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Der Mond setzt langsam Rost an. Das haben Forschende jetzt in einer Studie veröffentlicht. Den notwendigen Sauerstoff erhält der Trabant dafür von der Erde.

So sieht der Mond durch die Augen des Moon Mineralogy Mappers aus: Das Spektrometer zeigt hier unterschiedliche mineralogisch-chemische Vorkommen. Blau steht für Wasseransammlungen an den Polen. Foto: ISRO / NASA / JPL-Caltech / Brown University / USGS
So sieht der Mond durch die Augen des Moon Mineralogy Mappers aus: Das Spektrometer zeigt hier unterschiedliche mineralogisch-chemische Vorkommen. Blau steht für Wasseransammlungen an den Polen. Foto: ISRO / NASA / JPL-Caltech / Brown University / USGS

Der Mond, immerhin knapp 4,5 Milliarden Jahre alt, setzt langsam Rost an. Was auf Erde und Mars lange bekannt ist – der Mars erhält durch die Reaktion von Eisen, Wasser und Sauerstoff sogar seine charakteristisch rostrote Farbe – konnten Planetenwissenschaftler*innen jetzt auch auf dem Mond nachweisen.

Anhand sogenannter “spektraler Daten” haben Forschende um Shuai Li von der Universität Hawaii an den Mond-Polen das Eisenoxid Hämatit gefunden. Es besteht aus Eisen und Sauerstoff (Fe2O3). Der Fund geht auf Untersuchungen von Aufnahmen des “Moon Mineralogy Mapper” zurück: Ein Spektrometer der Nasa, das bereits im Jahr 2008 mit der indischen Raumsonde “Chandrayaan-1” ins Weltall geschossen worden war.

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Das Spektrometer zeichnete die Mondoberfläche in sichtbaren und infraroten Licht auf, um den Erdtrabanten auf diese Weise mineralogisch-chemisch zu kartieren. Weil viele Minerale Licht unterschiedlich schlucken (absorbieren), lassen sie sich aus der Ferne identifizieren.

Sonnenwind fördert reduzierende Reaktionen

So entdeckte das Team um Li das Eisenoxid Hämatit, Rost, in lunaren Polargebieten auf der erdzugewandten Seite. Zwar ist der Mond übersät mit eisenhaltigen Gesteinen – bislang galt aufgrund des Sauerstoffmangels auf dem Mond eine Oxidationsreaktion mit im Mond-Gestein gebundenem Wasser (Eis) jedoch als äußerst unwahrscheinlich.

Im Fachblatt Science Advances schreiben die Forschenden, dass sie auf der erdzugewandten Mondseite deutlich häufiger die Signatur von Hämatit vorgefunden haben. Daher lautet ihre Theorie, dass die Erde die Entstehung erst ermöglicht hat. Vermutet wird, dass der nötige Sauerstoff aus der oberen Schicht der Erdatmosphäre stammt.

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Dazu muss laut wissenschaft.de die Konstellation genau stimmen: Vollmond. Immer dann, wenn der Mond von der Sonne aus gesehen hinter der Erde steht, taucht er in den lang gezogenen Magnetschweif der Erde ein. Auf diese Weise legen Sauerstoff-Ionen den weiten Weg zurück. Gleichzeitig ist der Mond für eine kurze Zeit vor dem Sonnenwind geschützt, der ansonsten beständig Protonen auf die Mondoberfläche wehen würde. Diese Protonen würden eine Oxidationsreaktion – und somit die Rostbildung – verhindern.

Zur Bestätigung: Mondmission

Doch auch auf der erdfernen Mondseite fanden die Forschenden charakteristische Signaturen für Hämatit, wenn auch weit weniger. Hier vermuten sie eine andere Reaktion: Einschläge von Staubpartikel oder Mikrometeoriten könnten einerseits gebundenes Wasser und winzige Eisenkörnchen freisetzen und andererseits die notwendige Energie liefern, um zuerst Eisenhydroxidoxid und später Hämatit entstehen zu lassen.

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Bislang handelt es sich bei den Funden und Interpretationen allerdings nur um Theorien. In Händen gehalten und untersucht haben die Forschenden kein Gramm Mond-Rost. Dafür müsste erst eine erneute bemannte Mission zum Erdtrabanten geschickt werden.

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