Der neue ESC-Hit - eine App?

Der Countdown läuft. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinne: Sekunde um Sekunde wird in der offiziellen App zum Eurovision Song Contest in Malmö heruntergezählt, wie lang es noch bis zum großen Finale am Samstag, 18. Mai, 21 Uhr (das Erste überträgt), dauert. So viel Zeit muss außerdem noch verstreichen, bis die ESC-App im vollen Umfang nutzbar ist. Denn das, was die User von der kostenlosen Android- und iPhone-Anwendung derzeit geboten bekommen, soll nur ein Vorgeschmack sein, verspricht zumindest ein eingebettetes Werbevideo: Noch nie sei der Eurovision Song Contest näher gewesen.

Nüchtern betrachtet hatten die Macher des Eurovision Song Contests in Sachen App keine andere Wahl mehr: Wer sich so ausdauernd bemüht, eine junge Zielgruppe für eine nach Fernsehmaßstäben ururalte Veranstaltung zu begeistern, dem kann einfach nicht verborgen bleiben, dass man eben jene werberelevante Zielgruppe nun sowohl auf dem kleinen als auch dem großen Bildschirm ansprechen muss. Zum ersten Mal wird es dem ESC-Publikum deshalb also möglich sein, seine Stimme auch per App abzugeben.

Und damit nicht genug: Während der Übertragungen soll das Programm für iPhones und Android-Smartphones, das derzeit kaum mehr als eine gut strukturierte News-App ist, zum Second Screen für ESC-Fans werden. Künstlerbiografie, Liedtext und Länderinfos zum jeweils aktuellen Auftritt stehen dann zum Abruf bereit, selbstverständlich mit Link zum Shop, wo sich der persönliche Grand-Prix-Hit im MP3-Format erwerben lässt. Und wer seinem Lieblingsbeitrag eben per App zu zwölf Punkten verhelfen möchte, wird anschließend mit einer Backstage-Videonachricht des jeweiligen Teilnehmers belohnt.

Auch im deutschen ESC-Online-Hauptquartier, www.eurovision.de, bemüht man sich sichtlich, die Mittel des Web 2.0 noch ein wenig besser zu nutzen als in den Jahren zuvor: Reine Textbeiträge finden sich kaum noch; inzwischen hübschen zahllose Videos, Bildgalerien und interaktive Grafiken die Informationen über aktuelle und vormalige Teilnehmer, ihre Herkunftsländer und Wettbewerbsbeiträge auf. Für den Finaltag am 18. Mai ist außerdem ein mehr als elfstündiger Livestream angekündigt, wobei "live" nach Definition des federführenden NDR aber auch die Wiederholungen der Halbfinale und "Lenas Sieg 2010 in Oslo" umfasst. Im gleichen Atemzug lädt die Seite zur großen Live-Auswertung in den sozialen Netzwerken ein, die auf facebook.de/eurovisionde und per Twitter-Hashtag #esc2013 geführt werden soll.

Ein kurzer Blick in die "Gefällt mir"-Liste auf der "Eurovision Song Contest Deutschland"-Facebookpräsenz lässt erahnen, dass nicht nur dem ESC-Komitee der Stellenwert sozialer Netzwerke bestens bewusst ist: So gut wie jeder, der in diesem Jahr beim europäischen Wettsingen antritt, besitzt ein eigenes Profil bei Facebook - selbstverständlich auch das Bonner Dance-Projekt Cascada. Dass Natalie Horler und Co. unter www.facebook.com/cascadamusic oder twitter.com/cascada_music vorrangig auf Englisch posten, dürfte nicht nur ESC-taktische Hintergründe haben - immerhin sind es ja vorrangig nicht-deutschsprachige Europäer, die Deutschland zum Sieg verhelfen könnten: Der ebenfalls auf Englisch abgefassten Biografie ist zu entnehmen, dass Cascada auch in Großbritannien und den USA bereits beachtliche Charterfolge feierten.

Wird Petra Mede in den frühen Morgenstunden des 19. Mai vielleicht also doch Cascadas "Glorious" zum Siegertitel ausrufen? Der hierzulande kaum bekannten Komikerin übertrug das schwedische Ausrichterkomitee die nicht ganz einfache Aufgabe, das erwartete Millionenpublikum bestmöglich zu unterhalten. Eine gewisse Routine ist von der 43-Jährigen dabei zu erwarten: Immerhin moderierte sie neben diversen eigenen TV-Shows und Preisverleihungen schon mehrfach den schwedischen Grand-Prix-Vorentscheid. Ob ihr Humor, der auf Medes eigener Homepage www.petramede.se als "direkt und unverblümt" beschrieben wird, den Geschmack der europäischen Fernsehgäste treffen wird, bleibt trotz mitgelieferter Beispielclips aber genauso ungewiss wie der Ausgang des Eurovision Song Contests selbst: Nahezu alle Kostproben ihrer Kunst sind auf Schwedisch ...

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