Deutsche Bahn hat bisher rund 2,7 Millionen Neun-Euro-Tickets verkauft

Eine hohe Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr trifft auf begrenzte Kapazitäten bei der Deutschen Bahn (DB): Seit dem Verkaufsstart am Montag vergangener Woche verkaufte die DB rund 2,7 Millionen Neun-Euro-Tickets, wie Konzernchef Richard Lutz am Montag sagte. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) warnte angesichts begrenzter Kapazitäten vor "angespannter Stimmung" unter Reisenden.

"Ich möchte nicht von Chaos sprechen, aber es wird sehr viele volle Züge und Busse geben", sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Insbesondere Verbindungen zu Ferienzielen wie Sylt, der Ostseeküste, dem bayerischen Oberland oder in den Chiemgau könnten überfüllt sein. "Im absoluten Extremfall" seien auch Angriffe auf Mitarbeiter möglich, warnte Wortmann weiter.

Langfristig rechne er nicht mit günstigeren Preisen im Nahverkehr. Es fehle an finanzieller Unterstützung durch den Bund, weshalb fehlende Gelder auf die Ticketpreise aufgeschlagen werden müssten. Die Ticketpreise würden also weiter steigen, wenn nicht zum Ende der Geltungsdauer des Neun-Euro-Tickets im September, dann in den nächsten Preisrunden, prognostizierte Wortmann.

Das Neun-Euro-Ticket sei "kein Ladenhüter sondern ein wirklicher Renner", betonte indes Bahn-Chef Lutz. Die Bahn bereite sich mit zusätzlichem Personal und Fahrten von Nahverkehrs- und S-Bahn-Zügen auf die erhöhte Nachfrage vor. "Das wird sicherlich eine Herausforderung", sagte Lutz. "Aber ich bleibe bei dem Punkt, dass dieses Neun-Euro-Ticket und die Nachfrage, die wir damit generieren, uns wirklich viele Chancen bringt".

Dass das Streckennetz der Bahn der wachsenden Nachfrage im Personal- und Güterverkehr mittelfristig nicht gewachsen sei, bestätigte auch Bahn-Chef Lutz. Eine grundlegende Sanierung sei nötig, es brauche "ein grundsätzliches, ein radikales Umsteuern", sagte er. "Ein weiter so ist definitiv keine Alternative".

fho/jm

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